Kipppunkt Ost – Folge 12: Kampfansagen aus der Provinz

Shownotes

Der antidemokratische Block – angeführt von AfD und BSW – bereitet im Landtag von Sachsen-Anhalt sehr offensiv die Regierungsübernahme für die erste rechtsextreme Landesregierung seit 1945 vor. Diejenigen, die sich widersetzen, sind die vielen Aktiven der demokratischen Zivilgesellschaft – auch aus den Gewerkschaften.

Denn gerade in der Arbeitswelt wird der rechtsextreme Flächenbrand besonders sichtbar. Der neue AfD-Landtagsvizepräsident zum Beispiel markiert Gewerkschaften wie die GEW, die für demokratische Schüler*innen und Pädagig*innen einsteht, regelmäßig als politische Gegner*innen. Doch auch bei Arbeitnehmer*innen, die gewerkschaftlich organisiert sind, konnte die rechtsextreme AfD erfolgreich Stimmen sammaeln. Reale und gefühlte Ost-West-Ungleichheiten und Ungerechtigkeit sind Themen, die dafür ausschlaggebend sind.

Deshalb wollen wir in dieser Folge mit Olaf Klenke von der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) über zu wenig beachtete erfolgreiche Arbeitskämpfe in Ostdeutschland und die Frage sprechen: Wie wirkt sich der rechtsextreme Flächenbrand in den Betrieben aus, wo etwa in Europas größter Brezel-Industriebäckerei Ditsch eine neue Generation von Arbeitnehmer*innen in Ostdeutschland einerseits selbstbewusst mit Streiks gegen Ungerechtigkeiten kämpft und andererseits trotzdem vielfach rechtsextreme und antidemokratische Parteien wie AfD und BSW wählen, obwohl sie die Rechte von Arbeitnehmer*innen und Gewerkschafter*innen massiv einschränken wollen? Können wir trotzdem aus den Streiks auch etwas über Hoffnung, Mut und Solidarität lernen? Mit Robert Fietzke vom soziokulturellen Zentrum ZORA in Halberstadt sprechen wir außerdem über die Proteste bei der ersten Landtagssitzung in Sachsen-Anhalt und über paradoxe Hoffnung.

Gäste (alphabetisch)

Olaf Klenke begleitet bei der Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) als Landesbezirkssekretär Ost die gewerkschaftliche Organisierung und Arbeitskämpfe in der Lebensmittelindustrie u.a. in Sachsen-Anhalt. Er ist in Ost-Berlin geboren und ehrenamtlich politisch in der Partei Die Linke engagiert.

Robert Fietzke ist Sozialarbeiter und Geschäftsführer des soziokulturellen Zentrums ZORA in Halberstadt. In der 38.000 Einwohnerstadt bietet die ZORA seit 1991 einen Zufluchtsort für nicht-rechte Jugendliche und junge Erwachsene aus dem gesamten Ostharz. In der Vergangenheit war Robert Fietzke kommunalpolitisch bei Der Linken aktiv.

Shownotes:

Olaf Klenke: Lohnmauern einreißen! Die Erfolge der gewerkschaftlichen Organisierung in der Lebensmittelindustrie im Osten

Ungleichland: Grafiken und Fakten zu sozialer und ökonomischer Ungleichheit in Deutschland (Hg. Rosa Luxemburg Stiftung 2026)

Buchtipps:

Isabella M. Weber : Antifaschistische Wirtschaftspolitik (suhrkamp 2026)

Ramona Wuttig: Aller Aufstieg ist schwer: Arm, Ostdeutsch, Arbeiterkind – die Lüge von der Chancengleichheit (Rowohlt 2026)

Transkript anzeigen

00:00:00: Daumen gibt es zum Teil eine Überschneidung von den Leuten, die richtig im Betrieb vorangehen und auch ganz stark für die Werkschaft bestreiten viele neue Mitglieder gewinnen.

00:00:09: Überzeugungsarbeit leisten sich gemeinsam stark zu machen und dann aber auch sagen hier bei den Wahlen da... Mike auch ein Protest.

00:00:18: Kipppunkt heißt erst mal, dass ein System seinen Zustand schlagartig

00:00:22: verändert ist.

00:00:22: Ein positiven Kipp-Punkt?

00:00:24: Kipp Punkt!

00:00:25: Das Osten... Was?

00:00:27: Osten?

00:00:27: ...kippe ich mir einfach so rein.

00:00:29: Also der Kipp punkt sozusagen.

00:00:31: Hallo hallo hallo.

00:00:32: herzlich willkommen zu kippunkt Ost dem Podcast darüber wie der Osten die Demokratie entscheidet.

00:00:37: und Ich bin Katharina Bade.

00:00:39: Heute geht es um Arbeitskämpfe Die im Wahlkampf kaum jemand mitbekommen hat Und um die Frage Was Sie mit der Zukunft, der Demokratie zu tun haben.

00:00:48: Und ich bin Heike Kleffner!

00:00:50: Ich habe für die Folge mit jemandem gesprochen, der Teil eines Arbeitskampfes war und natürlich recherchiert wie Beschäftigte in der Nahrungsmittelindustrie in Sachsen-Anhalt monatelang gekämpft haben – für bessere Löhne und Gegenlohnung und Gleichheit?

00:01:10: Und dann interessiert mich natürlich so wie euch sicherlich auch Der schnelle Weg der AfD zur Regierungsübernahme in Sachsen-Anhalt, darüber sprechen wir im zweiten Teil.

00:01:22: Und ich bin Julie Katzen und will heute wissen was ein Streik mit Menschen macht und warum Streiken nicht automatisch gegen Rechts bedeutet?

00:01:36: Ja, Thema Arbeit!

00:01:37: Ich habe mich gefragt wann habt ihr euch denn das letzte Mal bei der Arbeit gewährt oder euch hinterher gewünscht ihr hättet es getan?

00:01:48: Ich habe mich schon oft auf der Arbeit gewährt.

00:01:51: Ich glaube, im klassischen Sinne das letzte Mal in einer Festanstaltung vor zwei Jahren ungefähr mit moderater Erfolg.

00:02:01: aber in der Selbstständigkeit habe ich das Gefühl auch vielleicht unkonventionellere Art und Weise ständig weil es ständig darum geht irgendwie Grenzen zu setzen und Zuständigkeiten auszuloten.

00:02:12: bei euch

00:02:13: Bist du Einzelkämpferin oder bist du auch gewerkschaftlich organisiert?

00:02:17: Ich bin in der Gewerkschaft, oh Gott das klingt jetzt als würde ich so Anti-Werbung für die Gewerksamkeit machen.

00:02:22: Ich bin froh dass ich da bin.

00:02:24: Ich habe bloß nicht das Gefühl, dass das in meiner Selbstständigkeit mir bisher mir sehr viel geholfen hat aber vielleicht liegt es auch an mir.

00:02:33: Also ich breche mal direkt eine Lanze für Gewerkschaften.

00:02:43: Und meine Lieblingsgewerkschaftsbewegung, für die ich unglaublichen Respekt habe ist die Berliner Krankenhausbewegungen und die Krankenhaus-Bewegung insgesamt.

00:02:56: Weil sie so viel bewegt haben und weil da wirklich sichtbar wird was passiert wenn ganz viele Menschen aus unterschiedlichsten Lohngruppen auch zusammen kämpfen und dass sie wirklich andere Arbeitsbedingungen erkämpfen können, aber auch das Sie Teil von Stadtpolitik sind.

00:03:20: Und das betrifft ja nicht nur Berlin!

00:03:23: Insofern freue ich mich total auf diese Folge.

00:03:27: Arbeitskämpfe sind ja erstmal richtig spannend und sich wehren im Arbeitskontext klingt erst mal nach was richtig, richtig großen?

00:03:34: ist es auf eine gewisse Weise auch und gleichzeitig hat das noch total lange Geschichte.

00:03:39: Also wenn wir uns den Osten angucken, gerade da wird es häufig vergessen denn in der DDR stand ja das Recht auf Arbeit in der Verfassung, Arbeit bedeutete Identität hatte ganz viel mit dem sozialen Netzwerk zu tun war geknüpft an Kindergartenplätze ein Ferienplätze etc.

00:03:56: Und gleichzeitig waren Streiks- und Arbeitskämpfe aber verboten in der DDR als Zeichen von politischer Gegnerschaft.

00:04:02: Also man hat irgendwie das Gefühl, wenn man so an den Osten denkt und die DDR-Zeit denkt.

00:04:07: Ja war alles geregelt, gab es keine Probleme.

00:04:10: So wird's ja auch in nostalgischen Fantasien gerne verkauft.

00:04:14: Und was vergessen wird?

00:04:16: Man hatte die Idee, es gab keinen Widerstand – und das stimmt überhaupt nicht!

00:04:20: Wer denkt, dass es kein Widerster der DDR kennt die Geschichte nicht...

00:04:24: Meinst du den siebzehnten Juni, als am Tag davor Bauarbeiter in der Berliner Stadienallee die Arbeit niedergelegt haben?

00:04:36: Aus Protest gegen höhere Arbeitsnormen.

00:04:39: Und einen Tag später ist heraus ja quasi ein Aufstand im ganzen DDR geworden.

00:04:46: oder meinst du auch Arbeitsabortage, die es dann ja später gab.

00:04:53: Ja das sind Beispiele und total wichtige Beispiele.

00:04:55: gerade der siebzehnte Juni, dreiundfünfzig ist ja so ein Symbol geworden.

00:04:59: aber es gibt natürlich in der ganzen DDR Zeit noch ganz, ganz viel mehr.

00:05:03: Ein Beispiel wäre in den neunzehnhundertfünfeinzig da haben über sechstausend algerische Arbeitsmigrantinnen in verschiedenen Gebieten in der Ganzen DDR ihre Arbeit niedergelegt für bessere Arbeitsbedingungen und für weniger Lohninbehaltung.

00:05:19: Also das bedeutete Arbeitsmigranten haben nicht den vollen Lohn bekommen wie DDR-BürgerInnen, sondern der SED-Staat hat zwanzig bis achtzig Prozent des Lohnes innebehalten.

00:05:30: Und auch Arbeitsmiggrantinnen waren nicht einfach passive Arbeiter, sondern haben sich gewährt sind für ihre Rechte eingestanden und haben da auch demonstriert.

00:05:40: und viele Jahre später.

00:05:42: oder ein anderes Beispiel was sehr symbolhaft wurde ist es zwanzig Jahre später, also nineteen-neunzig.

00:05:49: Da treten die Kalikumpel im thüringischen Bischoferode in den Hungerstreich weil sie Treuhand ihre Grube schließen will.

00:05:57: und genau dieser Kampf ist ja auch so zum Symbol der Wendezeit geworden Also was alles im Osten verloren gehen.

00:06:04: Ich habe wenn ich so darüber spreche Und auch wenn ich an Arbeitsstreiks und andere Arbeitskämpfe denke Ehrlich gesagt immer so ein bisschen das Gefühl, dass hat so einen leichten Winterscharakter.

00:06:22: Also ich habe nicht höhere Arbeitsstreik dann ist es erst mal ganz positiv für mich belegt Arbeitskämpfe und dann hab' ich aber sofort eine Fantasie im Kopf von Menschen in historischen Kostümen wie in der Serie Piki Blinders wo's ja auch Arbeitsstreiks gibt.

00:06:38: Aber ich habe immer so letzte Jahrhundertwende oder vorletzte Jahrhundertwende Menschen vor ihrer Fabrik im Kopf.

00:06:45: Und das ist natürlich total erquatscht, das weiß ich selber.

00:06:48: aber irgendwie hat in meinem Kopf Streik-Arbeitskampf einen vintage marxistischen Touch und ich merke aber auch dass einfach.

00:06:58: das liegt wahrscheinlich darin, dass mich Arbeitsstreiks gar nicht oder kaum im Alltag tangieren auf eine gewisse Weise als ich kriege davon wenig mit außer wenn mal die Bahn streikt und meine Mobilität direkt beschränkt ist.

00:07:12: Aber das lässt sich ehrlich gesagt auch anhand von Zahlen verifizieren, es gibt so Statistiken über arbeitskampfbedingt ausgefallene Arbeitstage habe ich letztens gefunden und gelesen und da muss man sagen Deutschland hatte je tausend Beschäftigte pro Jahr ungefähr einundzwanzig arbeits kampfbedingter ausgefallener Arbeitslage in Frankreich Belgien und Kanada sieht schon anders aus, da geht's nämlich über die hundert

00:07:38: Ja, also naja und Frankreich.

00:07:40: das sehen wir ja auch gerade aktuell an den Schülerinnenprotesten aber auch einfach traditionell.

00:07:47: Da sind die Arbeitskämpfe ja auch viel präsenter, Teil von Gesellschaft und das ganze geht eben auch viel konfrontativer zu als hier.

00:07:59: Und ich finde aber eben auch die Geschichte von Arbeitskämpfen in der DDR Einerseits, wir wissen ja dass die gewerkschaftliche Organisierung in den fünf ostdeutschen Bundesländern extrem niedrig ist im Vergleich

00:08:19: zu

00:08:20: also jetzt fast allen großen Bundesländer in Westdeutschland so und während du gerade gesprochen hast es mir nochmal aufgegangen das er nicht immer so war.

00:08:33: Also das ist natürlich eine Geschichte hat durch die Einheitsgewerkschaft in der DDR und das gleichzeitig aber eben die Arbeitskämpfe von Anfang der Neunziger, dass sie wirklich im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik glaube ich einfach weitgehend ausgeblendet werden oder?

00:08:52: Ja, das denke ich auch.

00:08:53: Und vor allem auch glaube ich fällt darunter auch, dass wir aktuelle Arbeitskämpfen im Osten weniger wahrnehmen – und die gibt es ja auch!

00:09:02: Ja absolut

00:09:03: Genau, so ein Kampf hat nämlich gerade stattgefunden mit einem Wahlkampf in Sachsen-Anhalt und da hat kaum jemand hingeschaut.

00:09:10: Aber du änderst das heute für uns Heike?

00:09:13: Ja, das tue ich total gerne weil wir diese Folge ja auch schon eine Weile machen wollten und dann kam aus Gründen immer wieder als gute andere Themen dazwischen also ganz kurz zusammen gefasst Ende Juli quasi ein paar Wochen vor der Landtagswahl ist in Sachsen-Anhalten wirklich historischer Arbeitskampf mit einem Erfolg für die Arbeitnehmerinnen zu Ende gegangen.

00:09:42: Und das Streikergebnis, das kann man glaube ich gleich sagen bedeutet für mehr als zwei Tausend Dreihundert Beschäftigte in den Nahrungsmittelindustrie dass sie bis zum Jahr two-tausend und dreißig, also innerhalb der nächsten fünf Jahre eine Lohnangleichung endlich bekommen werden an die Löhne ihrer Kolleginnen beim gleichen Arbeitgeber im Westen.

00:10:12: Warte mal Moment!

00:10:13: Die selben Löhnen wie wer genau?

00:10:16: Ja, also stellst dir vor wie die Leute, Produkt beim selben Konzern herstellen, nur ein paar Kilometer weiter in Niedersachsen.

00:10:29: Erklärt hat mir das Olaf Klänkel.

00:10:31: er ist Gewerkschaftssekretär bei der NGG der Gewerksammer genuss Gaststätten und er hat den Arbeitskampf begleitet.

00:10:43: Also die Ausgangsbedingungen war dass wir eine Reihe von Betrieben in der Ernährungsindustrie in Sachsen noch Lohn oder Schieder haben, verglichen mit den westdeutschen Tarifgebieten.

00:10:51: Wir haben manchmal Konzerne wo halt in Standorten im Osten ist dann Standort in Westen.

00:10:55: also da sind zum Beispiel auch jetzt Betriebe dabei gewesen Sachsen-Anhalt die zur Lille und Kaufland gehören zu der schwarzgruppe und die machen die selber Arbeit wie ihre Kollegen im Westen produzieren halt dieses Mineralwasser Saskia z.B.

00:11:07: oder Freeway diese süße Getränke.

00:11:08: wer die kennt.

00:11:09: und da haben wir sozusagen wo die Leute Sehen, die machen dieselbe Arbeit und kriegen halt immer noch deutlich weniger Geld.

00:11:15: Teilweise also von sechzehn bis dreißig Prozent sind so die Lohnuntersteher noch gewesen in den Betrieben, die dort unterwegs waren.

00:11:22: Auch Unternehmen dazu wie Rotkepschen, die waren auch mit drin, die berät zur weggebereite Ditch aber vielleicht nicht jeder so kennt vom Namen her, aber mit Sicherheit schon mal ein Produkt von denen gegessen hat oder getrunken hat.

00:11:32: Und wichtig ist zu sehen für den Hintergrund dass wir seit fünf Jahren ungefähr bei der angegeben ostende Kampagne laufen haben Luhnmauer Einreisen.

00:11:42: Wir haben eine neue Generation von Kolleginnen und Kollegen in Betrieb bekommen.

00:11:46: Wir haben nicht mehr die große Arbeitslosigkeit, wie wir es in der Nachsendezeit hatten.

00:11:49: Es hat dazu geführt dass die Beschäftigten auch Belegschaften Mutiger geworden sind und uns sozusagen etwas angestubst haben.

00:11:55: Und ich sagte mir, wir müssen da anders jetzt agieren und wir dürfen sich mehr hinnehmen.

00:11:58: beschäftigt als bei der Klasse Das über dreißig Jahre nach der Wende, dass wir noch diese Zustände haben.

00:12:03: Es ist so krass!

00:12:04: Also ich finde das toll wie ihr das beschreibt und es ist einfach heftig, das auch nochmal so geballt zu hören was wir tatsächlich in über dreizig Jahren machte wenn wir immer noch für Zustände habe und er sagt ja auch beschäftigte zweiter Klasse.

00:12:18: Und das ist ein Gefühl das natürlich im Osten weit über die Betriebe hinaus reicht und was die AfD sehr gezielt bedient.

00:12:26: Ja genau und darüber sprechen wir ja auch gleich Also wie die AfD am Ende des Tages davon profitiert.

00:12:34: Olaf hat mir aber erstmal vorgerechnet, was das ganz konkret bedeutet?

00:12:40: Weil es sind ja abstrakte Prozentzahlen.

00:12:43: Es gibt immer die sogenannte Hundertprozent-Gruppe der sogenannten Ecklohn.

00:12:46: Das ist so ein praktischen Lohnen, der guckt wenn ich eine Facharbeiterausbildung gemacht habe dann ist sozusagen die Einstiegsgruppe und da haben wir teilweise Lohneunterschiede von tausend Euro im Monat und man muss überlegen diese Tausende Euro Monats.

00:12:57: Was das bedeutet?

00:12:57: Die Leute haben jetzt viel mehr Geld.

00:12:59: Die tausend Euro gehen rein bei Zuschlägen.

00:13:01: Das sind meistens Schichtbetriebe, also die Leute arbeiten im Dreischichtsystem oft oder vier Schichtsystem dann auch am Wochenende das heißt sie haben nachtarbeit regelmäßig kriegen nachzuschläge, die bemessen sich natürlich auf den Lohn nicht bekommen.

00:13:11: und wenn ich schon weniger Lohn bekomme Weihnachtsgeld was ich bekomme, bemüsst dich an dem Lohn.

00:13:15: Also es zieht sich überall durch.

00:13:17: Und was da noch wichtig ist natürlich die Rente.

00:13:19: d.h.

00:13:20: Wenn ich dauerhaft Drillen ja Lohn habe Heißt es auch später Ich krieg ein drille weniger Rente so und das sind so Sachen die die leute natürlich umtreibt Wo viele jetzt nicht mehr bereit sind, von den jungen Kollegen sich gefallen zu lassen.

00:13:33: Ich finde das krass!

00:13:35: Ja also weil ich glaube dass ganz viele das überhaupt nicht verstehen so wie du sagst Katharina ja dass diese Ungleichheit immer noch besteht und ich wollte dann wissen wer eigentlich in den Betrieben arbeitet.

00:13:53: Wir haben Leute aus Europa, die der Arbeitnehmer Heilzügigkeit jetzt genutzt haben und hierher kommen auch feste Wurzinschlagen.

00:13:59: Manche sagen nur ich will für zehn Jahre hier arbeiten, will Geld verdienen und wieder nach Hause gehen.

00:14:03: Die Flüchtete, die dauerhaft eine Perspektive haben wollen oder in den Betrieben sozusagen untergekommen sind und auch dringend gesucht wurden.

00:14:09: Und natürlich ist sie in der Regel in den unteren Lohngruppen meist stärker vertreten aber nicht ausschließlich also betrifft viele Deutsche.

00:14:16: Bei Ditsch war es zum Beispiel so dass bis mit dem neuen Tarifvertrag, den wir jetzt abkließen wird, geändert die sozusagen vom Mindestlohn eingeholt wurden.

00:14:23: So, also mit der Erhöhung von den Mindestlonen ist die untere Lohngruppe eingehohlt worden und das ist die größte Stadtort Britzebecker in Deutschland, nicht nur Deutschland sondern Europa.

00:14:33: aber wie sagt auch ein Ergebnis davon dass wir jahrelang da viel zu ruhig waren?

00:14:37: Also ich habe Olaf dann gefragt naja aber wie kann es sein weil die Tarifabschwüsse die es quasi bundesweit in der Nahrungsmittelindustrie gab Wir müssen ja eigentlich auch für die Beschäftigten in Ostdeutschland mitgegolden haben.

00:14:54: Und wie kann das sein, dass man dann quasi dort unterhalb des Mindestlohns landet?

00:15:00: In den tristen Lohngruppen.

00:15:03: Es ist glaube ich auch kompliziert!

00:15:04: Das ist einfach so... Dass es lange Zeit ist im Osten nur achtzig Prozent des Lohns vom Westen gezahlt worden Also zum Beispiel die ganzen Beamten, Angestellte, Tarifvertrag Ost war immer unterhalb des Tarif-Vertrages West.

00:15:23: Okay wie konnte es denn so weit kommen?

00:15:25: beziehungsweise gab es denn keine Kämpfe zwischendurch?

00:15:29: Vorher warum denn jetzt hast du mit ihnen darüber gesprochen Heike?

00:15:33: Ja na klar das ist genau die Frage die mich am meisten interessiert hat.

00:15:40: Warum jetzt eigentlich?

00:15:42: Also warum war die ganze Zeit, haben wir davon nichts mitbekommen?

00:15:48: Oder wurde das mehr oder weniger so hingenommen?

00:15:50: und die Gewerkschaften waren vielleicht auch gar nicht so stark gerade in der Nahrungsmittelindustrie.

00:15:56: Und das habe ich Olaf gefragt!

00:16:00: Wir haben die Nachwenderfahrung, die ein bisschen so traumatisch war für bestimmte Generationen.

00:16:04: Man war froh dass man überhaupt einen Arbeitsplatz hatte.

00:16:06: es gab noch eine hohe Arbeitslosigkeit.

00:16:07: über lange Zeit hat viele Leute eine Schüchter klein gemacht und die haben sich nicht viel getraut.

00:16:12: Diese Situation hat sich über die letzten zehn, fünfzehn Jahre deutlich geändert.

00:16:16: also auf dem Arbeitsmarkt ist es viel, wir haben einen starken demografischen Wandel auch im Osten.

00:16:21: Wir haben nicht mehr so eine hohe Arbeitslosigkeit.

00:16:23: Fachkräfte, qualifizierte Arbeitskräfte werden nachgefragt in Betrieben.

00:16:26: das merkt die Kolleginnen und Kollegen.

00:16:27: Das ist eine Veränderung der objektiven Bedingungen praktisch die da ist.

00:16:30: Und wir haben auch ne neue Generation Die in den Betriebe kommt, die diese Nachwende Erfahrung nicht hat und halt sagt naja Ich mache die selber Arbeit, wie die Kollegen im Westen.

00:16:39: Warum soll ich hier weniger Geld bekommen?

00:16:41: Kann mir mal bitte einer erklären.

00:16:42: Das ist völlig verkehrter Wett wo wir aufwachsen und wollen wir ändern.

00:16:46: Und da sozusagen so eine erfolgreiche Auseinandersetzung im Betrieb hängt ja immer an handelndem Person.

00:16:50: Das heißt es muss Leute in den Betrieb geben, die nach vorne gehen, die andere motivieren.

00:16:54: Die sagen ich leg mich auch mal mit einem Arbeitgeber an, ich lehne mich mal auch ein Fenster, ich trau mich mal das und die dann anderen Leute mitziehen und den Mut machen weil unser größter Feind eigentlich im Osten die letzten Jahre und heute ist noch wo nichts passiert ist die Resignation dass Leute zwar einen großen Unut haben, aber denken sie können nichts verändern oder sich nicht trauen.

00:17:10: Das ist unser größter Feind.

00:17:12: Eigentlich finde ich das doppelt mutig

00:17:14: wenn

00:17:15: man sagt okay es gibt sowieso wenig Arbeitsplätze zu sagen und trotzdem ergreife ich Stimme und organisiere mich und spreche trotzdem Missstände an

00:17:25: Total.

00:17:26: und ich finde auch, das schließt ja so sehr an unsere erste Folge an die sich durch alles sieht gehen oder bleiben.

00:17:33: Wie geht es ja auch ganz stark darum den Osten mitzugestalten?

00:17:38: Also es gibt nicht nur da oben den eigenen Nohn vernünftig anzugleichen was schon allein völlig in Ordnung wäre und wichtig und richtig sondern es geht ja auch darum eine ganze Infrastruktur zu ändern damit man überhaupt hier leben kann.

00:17:52: Es hat mich auch einen Begriff erinnert, den die Philosophin Eva von Redeker geprägt hat.

00:17:57: Der hier ziemlich gut passen könnte nämlich die Bleibefreiheit.

00:18:02: also wir denken ja Freiheit häufig als eine Freiheit dass man irgendwo anders hingehen kann das man weggehen kann.

00:18:08: Aber für viele im Osten war das Genial nach und muss.

00:18:12: Und Eva von Relliker beschreibt jetzt die Bleibefreiheit eigentlich als was Größeres, nämlich eine Welt, die auch morgen noch bewohnbar ist.

00:18:19: Das könnte man hier auch anwenden auf diese Situation zu sagen Freiheit heißt auch dass ich an einem Ort bleiben kann der irgendwie eine Zukunft hat und möglicherweise geht es ja in diesen Streiks genau darum zu sagen hey wir kämpfen jetzt um Löhne von denen man hier leben kann die uns reicht, nicht nur für mich selber sondern eben auch für die nachfolgende Generationen damit zum Beispiel meine Kinder auch bleiben können und ich gehen müssen.

00:18:45: Absolut!

00:18:46: Und davon gibt es ja wirklich einige Beispiele.

00:18:49: und das Interessante.

00:18:51: also Olaf hat schon gesagt, Rotkäppchen, Schwarzgruppe sind riesige Arbeitgeber.

00:18:59: Also für mich ist es immer

00:19:00: noch

00:19:02: eine offene Frage wie kommt eigentlich dass im Schatten der Wahlen niemand darüber wirklich geschrieben hat, ja das ist so unbeachtet geblieben ist.

00:19:12: Aber hören wir mal was Olaf sagt!

00:19:15: So und wenn es Leute in Betrieb gibt die vorangehen und zeigen, dass es anders ist, man macht dann die gemeinsame Erfahrung, wenn alle Leute vor der Tür stehen.

00:19:21: also wie sind nicht klein?

00:19:23: Wir müssen uns nicht klein machen, können etwas gemeinsam verändern.

00:19:26: Es ist halt eine unheimlich ermutigende Erfahrung und das macht die Leute stark was jetzt mehr an Geld kommt im Portemonnaie.

00:19:34: Aber das andere ist auch, dass die Leute das verändert und dass sie merken es bringt etwas sich zu engagieren für seine Interessen.

00:19:40: Und dieser Frust der sozusagen im Osten ja auch tief hängt, der auch mit zur Wahl bei der AfD ja mit beiträgt also man hat so eine andere Wahrnehmung dazu.

00:19:48: Das macht doch was mit den Leuten.

00:19:50: Es hat auch einen Niederschlag, der nicht in Geld zum Messen ist aber Aus meiner Sicht mindestens genauso wichtig ist.

00:19:55: Also er hat ja jetzt gerade einen neuen Punkt aufgemacht, nämlich diesen Punkt von okay es geht einerseits um Geld und strukturelle Ungleichheiten Es geht aber auch darum dass man sich formiert und daraus eine Erfahrung macht der eigenen Wirksamkeit.

00:20:09: Das ist glaube ich genau die Erfahrungen die allermeisten machen Die anstreiks beteiligt sind unabhängig davon ob sie

00:20:16: so

00:20:17: gut ausgehen Und ich habe schon immer wieder Streitposten, Besuch bei der Krankenhausbewegung.

00:20:25: So die Stimmung, die dabei rüberkommt so eine kollektive solidarische Stärke schon wirklich beeindruckend auch.

00:20:34: Ich glaube ehrlich gesagt da passiert noch viel mehr.

00:20:36: also erst mal überhaupt ein Problem Bewusstsein dann überhaupt erstmal zu formulieren, okay es gibt ein Problem das so groß ist dass die Notwendigkeit existiert ausgesprochen zu werden und dann aber auch die Verbindung mit anderen Menschen zu sehen.

00:20:51: Okay dieses Problem gehen wir jetzt gemeinsam an.

00:20:54: Wir lassen uns nicht einfach so stehen sondern wir suchen jetzt eine Möglichkeit wie wir eine Veränderung herbeiführen können.

00:21:00: Das verändert Menschen doch sehr glaube ich

00:21:04: Und das verändert ja auch ganze Städte und Kommunen.

00:21:08: Also, weil das Ganze spielt sich ja nicht im luftlären Raum ab.

00:21:11: Ja, es sind ja Arbeitgeber in jetzt nicht so... also gerade im Osten oft in eher kleineren Kommunen oder mittelgroßen Kommunen da hängt ja total viel dran.

00:21:22: Dann hören wir nochmal rein bei Olaf!

00:21:25: Weil, sag mal die Osten der lange Zeit bis unter die Rede erkommen ist nach der Wende.

00:21:30: Wir hatten eigentlich eine Demokratiebewegung in den Achtzig mit einer Menge Veränderungen Und danach gab es den totalen Abriss und das war für viele eine traumatische Erinnerung.

00:21:38: Erst hab ich diesen Aufbruch, man dachte alles ist möglich... ...und danach gab's dann, sage ich manchmal einfach richtig einen auf die Fresse durch die Betriebsschließungen, durch die Perspektivlosigkeit.

00:21:47: Kinder sind weggezogen.

00:21:47: wir haben ganz viele Kolleginnen Kollegen ältere in den Betrieben wo halt die Kinder im Westen oder irgendwo anders leben?

00:21:52: Wir sehen ihre Enkelkinder nicht aufwachsen weil sie halt ja oder sie jähnen die schon aber die sind halt weg und das macht auch was mit den Leuten verletzungs- So und das ist das Humort halt unheimlich da.

00:22:03: Und dann ist es halt manchmal so, dass jetzt also die Leute einfach sagen auch wir sind nicht mehr bereit uns alter für fein zu lassen.

00:22:08: Die Bedingungen haben sich bisher ändert und heute gehen voran.

00:22:11: Und das ist eigentlich das Erfolgsrezept.

00:22:13: Ja Katarina jetzt wär mal spannend was eigentlich dein Geburtstherr isst.

00:22:21: Ninzehundertfünfundachtig im Januar bin ich geboren.

00:22:25: Was sagst du denn jetzt zu dem, was Olaf sagt?

00:22:28: Wie ist denn deine Wahrnehmung von dieser Zeit?

00:22:31: Na ich war ja noch Kind zu der Zeit.

00:22:32: Aber von dem, das ich mitbekommen habe kann ich das total nachempfinden plus... Ich hab mich auch danach viel wissenschaftlich damit beschäftigt und fühle das sehr, was was Olaf hier sagt Denn es geht ja eigentlich darum da ist eine extreme Selbstwirksamkeit entstanden.

00:22:52: Die ist dann auf einmal abgerissen oder abgebrochen und ist eher in so eine, da passiert mir was.

00:22:58: Da wird mir etwas getan umgeschwungen.

00:23:02: Also ich kann nachverziehen warum das sich traumatisierend anfügen kann bzw.

00:23:07: so viel Lahm gelegt hat.

00:23:08: Und wir merken ja auch immer noch wie mangelhaft es aufgearbeitet ist also wie viel da immer noch an Gefühlen rumort und in Bewegung ist und wie sehr sich das instrumentalisieren lässt.

00:23:20: heute.

00:23:21: Ihr seid aber damals geblieben in Sachsen-Anhalt, ne?

00:23:25: Wir sind gebliebene.

00:23:26: Genau!

00:23:26: Wir sind in Wernigerode geblrieben und gleichzeitig... ist meine Familie aber auch zu den sogenannten Wendeverlierern geworden.

00:23:36: Also bei uns gab es jetzt nicht die Kraft irgendwie und die Ressourcen oder was auch immer, sich neu zu erfinden in dieser Zeit sondern in der Familie gab es ganz stark das Gefühl so da wird mir etwas getan also nicht Selbstwirksamkeit sondern eher so ich bin in den Umständen gefangen Und meine Familie konnte sich da ganz schlecht rauslösen.

00:23:57: In dem Gefühl bin ich auch aufgewachsen, also das so mitzubekommen.

00:24:01: Mir wird da was getan und für mich selber ... Ich bin ja Bildungsaufsteigerin!

00:24:07: Für mich war es wahnsinnig schwer, mich aus diesem Mindset und diesem Gefühl herauszuarbeiten.

00:24:11: und ich merke auch bis heute ist das für mich manchmal schwer und ich stoße da an meinen Grenzen.

00:24:16: Also ich verstehe total wie tief das stecken kann.

00:24:20: War das für dich damals klar, dass du auch sagst okay ich möchte zum Beispiel aus beruflichen Gründen weg?

00:24:27: Für mich war von Anfang an klar.

00:24:29: Ich möchte weg aus Werner Gerode, aus rassistischen Gründen aber beruflich... ich glaube darüber hatten wir ja schon meine ersten Freunde gesprochen.

00:24:37: es war irgendwie eine Selbstverständlichkeit des Gehens.

00:24:40: Es ist klar, man muss gehen damit was aus dir werden kann.

00:24:43: Ich bin nicht aus dem Osten weggegangen.

00:24:45: ich bin ja eigentlich immer im Osten geblieben und habe studiert und weitergemacht und dann auch selbst für die DISS bin ich gut nach Berlin gezogen aber irgendwie bin ich hier immer im Kosmos gebliebene auch gedanklich über das Mindset Man Muss Gehen damit was aus einem wird, war ganz selbstverständlich.

00:25:03: Und dabei wenn man heute nach Wenigerode guckt ist es ja auch eine Stadt die sich gemacht hat.

00:25:07: also klar es gibt das Unterschiede in der Stadt wie Menschen leben aber grundsätzlich ist es keine abgehängte Stadt ganz im Gegenteil.

00:25:16: plus es gibt auch wissenschaftliche Forschung dass dieses Narrativ des gehängt seins auch erst mal narrativ ist.

00:25:24: Also klar, es gibt manchmal strukturelle Bedingungen die schlechter sind als anderswo und gleichzeitig ist aber manchmal die Wahrnehmung der Menschen der Realität nicht entsprechend.

00:25:35: Und das wird wiederum instrumentalisiert natürlich?

00:25:38: Ja ganz bestimmt.

00:25:39: Das sieht man ja ganz häufig auch im Wahlkampf in vergangenen Aber auch im Wahlkampf generell in ausdeutschen Bundesländern wie sehr so ein Gefühl der Abgehängtheit instrumentalisiert wird bzw.

00:25:52: wie sehr das doch immer im Mittelpunkt steht in den Erzählungen der Menschen.

00:25:57: und wenn ich mir dann die Menschen angucke, die das sagen ist es nicht immer der Fall.

00:26:03: also faktisch gesehen gibt es Regionen denen es echt gut geht und auch Menschen denen es wirklich okay-gut geht die aber trotzdem dieses Narrativ in sich tragen.

00:26:12: Und gleichzeitig wenn wir auf den Wahlkampf gucken ist es aber auch nicht nur Fiktion.

00:26:19: Du hast ja schon angeteasst, dass viele Streiks zum Wahlkampf parallel liefen und gleichzeitig wenig darüber berichtet wurde oder zumindest diese Themen wenig an die Öffentlichkeit gekommen sind.

00:26:30: Warum hätten wir denn da hinschauen müssen?

00:26:33: Ja zwei Gründe würde ich sagen.

00:26:35: also ich hatte eben gerade schon gesagt Ungleichheit ist real es gibt ganz viele Narrative Erstmal Erzählungen, aber dennoch ist Ungleichheit real und nicht nur gefühlt.

00:26:45: Und im Durchschnitt wenn wir nach Sachsen-Anhalt gucken verdient man dort fünfzehn bis zwanzig Prozent weniger als in zum Beispiel Niedersachsen.

00:26:53: Nieder Sachsen liegt direkt daneben also je nachdem wo du wohnst.

00:26:56: aber da wo ich wohne liegt es direkt danebend und Da wird so eine Fünfzehn Bis Zwanzig prozent weniger schon sehr fühlbar und erlebbar.

00:27:07: Und wenn man dann noch in die einzelnen Betriebe guckt, ist die Lücke sogar noch größer.

00:27:12: Das sieht man ja auch bei Olaf, der hat das gerade erzählt.

00:27:15: und wenn Menschen sagen, dass sie sich fühlen wie Bürger zweiter Klasse, hat es auch materielle Gründe.

00:27:21: also nicht nur aber eben auch und vor allem thirty-six Jahre nach der Einheit ist es ein ziemlich frustrierendes Gefühl.

00:27:32: Was ist der zweite Grund?

00:27:33: Ich glaube genau dieses Gefühl Die Tatsache gibt es, aber dieses Gefühl was das auslöst ist der entscheidende Hebel im Wahlkampf gewesen.

00:27:43: Also eben nicht faktisch sondern rein emotional diffus hat die AfD vor allem sehr auf so ein Gefühl von Ungleichheit und Abgehängtheit.

00:27:55: Wir fühlen uns benachteilig gesetzt und dem was entgegengestellt etwas ein bisschen ist.

00:27:59: ja wir sehen euch!

00:28:02: Und jetzt mal mein Hot Take für die Folge.

00:28:04: ich würde behaupten

00:28:06: dass eben genau dieses

00:28:08: Bedien von diesen emotionalen ostdeutschen Identitätsgefühls will war, der eigentliche und wesentlicher Erfolg der AfD im Osten ist.

00:28:18: Nicht nur in Sachsen-Anhalt und das Thema Migration was sie da so ultra rassistisch bedienen zweitrangig demnachgelagert ist.

00:28:25: Also wir sprechen ganz viel über das Thema Migration, wie dass die Wahlkämpfe beherrscht und das ist leider auch so vor allem dieser Rassismus dahinter.

00:28:33: aber ich glaube, dass der Wahlerfolg im Osten der AfD ganz maßgeblich darauf zurückzuführen ist, dass sie ganz stark auf emotionaler Ebene dieses Gefühl von Abgehängtheit, von Minderwertigkeit, von zweiter Klasse bedienen kann Und dem dann natürlich irgendwie so ein Gefühl von Überlegenheit durch diese rassistischen Erzählungen entgegenstellen kann.

00:28:53: Dann geht das so Hand in Hand und dann haben wir den absoluten Wahltriumf, und den sehen wir ja in den Wahlergebnissen.

00:28:59: Ja, ich glaube es ist nochmal spannend.

00:29:01: Inwiefern das mit so einer Ostidentität gekoppelt ist?

00:29:05: Oder inwiefern dass wir auch bei den anstehenden Landtagswahlen in anderen westdeutschen Bundesländern sehen.

00:29:11: also dass du schon eine bestimmte Methode hast diese ostdeutsche Identitäten besonders auszuspielen und gleichzeitig das grundsätzliche Narrativ was dahinter steht das kannst du auch zum Beispiel im ländlichen Raum in Baden-Württemberg bedienen.

00:29:25: Absolut, man kann immer ein Gefühl von Abgehängtheit und Verlust.

00:29:31: Ich fühle mich gar nicht richtig gesehen, richtig anerkannt, instrumentalisieren durch eben ja okay ich gebe dir was an die Seite nämlich du kannst dich rassistisch überlegen führen allen anderen Menschen gegenüber das kannst du auf ganz viele Kontexte übertragen.

00:29:47: Ich glaube, der Erfolg im Osten gibt meiner Tee so recht.

00:29:51: Dass es halt hier ein ganz konkretes Narrativ ist und ein ganz konkretes Gefühl was sehr gezielt bedient wird aber überall und auch nicht nur von der AfD.

00:30:02: also wenn wir nochmal auf Arbeit uns beziehen zum Beispiel eine CDU finde ich hat einer streikenden arbeiterschaft auch nicht viel zu bieten.

00:30:11: dafür ist das nicht die Partei Und nicht nur an Sachsen-Anhalt, sondern auch auf Bundesebene.

00:30:17: Wie stark da eben auch rassistische Narrative bedient werden?

00:30:21: Also so dieses Ausspielen nach unten treten damit ihr euch besser fühlt ohne euch tatsächlich eine Lösung an die Hand zu geben ist leider irgendwie Alltag und Programm in der Politik.

00:30:32: Und müsste gar nicht so sein!

00:30:33: Ich würde gerne ein Beispiel nur kurz benennen was mir ganz viel Kraft gibt nämlich Die Poor People's Campaign aus den USA.

00:30:41: das ist ne Bewegung die es schon sehr lange gibt Und auch in den USA gibt es ja dieses typische Ausspielen von so einer weißen Arbeiterschaft, die man versucht nach rechts zu gewinnen gegen Menschen, die vom Rassismus betroffen sind.

00:30:58: Dabei sind auch Menschen mit Rassismus betroffen, sind sehr häufig in Arbeitskonflikten gefangen.

00:31:05: Also das sind keine unterschiedlichen Gruppen aber es wären so zwei Gruppen inszeniert nämlich eine rassistische weiße Arbeiterschaft gegen Menschen auf.

00:31:14: Kalle und die PurPipis Campaign sagt stopp mal!

00:31:18: Das machen wir nicht mit.

00:31:20: Wir verbünden uns in einem gemeinsamen Kampf gegen Armut, denn wir sind alle davon betroffen egal wie wir rasifiziert werden oder eben nicht rasifiziert werden.

00:31:29: und genau dieser Unterschied zwischen den einen dort und den anderen dort ist einfach nur ein Machtinstrument was uns gegeneinander aufbringt und was uns überhaupt nichts nutzt.

00:31:39: am Ende des Tages Denn wir wollen bessere Bedingungen für uns schaffen das können wir nun gemeinsam

00:31:45: ist ja quasi in Sachsen-Anhalt aber nicht nur dort, gerade bei den Arbeitskämpfen auch passiert.

00:31:52: Also dass Leute unterschiedlichster Herrkünfte – Olaf hat ja beschrieben wer in den Betrieben arbeitet – zusammen gestreikt haben.

00:32:02: und das gilt im Übrigen auch für den Streik in Mecklenburg-Vorpommern im Einzelhandel.

00:32:10: also da sind Gerade bei den großen Supermarktketten oder bei IKEA sehr viele Leute unterwegs gewesen, unterschiedlichste Herknünfte.

00:32:22: Weil auch Niedriglohnsektor die für höhere Löhne gestreikt haben Und da gab es jetzt gerade einen Tarifabschluss für mehr als fifty-fünfzigtausend Beschäftigte im Einzelhandel.

00:32:37: Jetzt kann man sagen, ja der Lohnabschluß ist jetzt nicht so mega hoch gewesen also drei Prozent ist jetzt angesichts von Inflation und sagen wir mal Juli deinen Lieblingsbeispiel krasse Benzinpreise Wirklich nicht hoch, aber trotzdem gibt es eben diese Erfahrung vom kollektiven Arbeitskampf auch da.

00:33:04: Ja genau und wer eben nichts drüber spricht über Missstände-Überlässtesthema dann damit automatisch stehen die daraus zum Beispiel Wut und Kränkung machen, aber eben keine höheren Löhne?

00:33:17: Und da wird's genau interessant.

00:33:18: ja also man muss leider wenn man jetzt in die Wahlergebnisse reinschaut sagen unter ArbeiterInnen Und in dem Fall ist Arbeiterin eine Selbstbezeichnung bei den Nachbarbefragungen, hat in Sachsen-Anhalt je nach Befragungsinstitut zwischen dreiundfünfzig und sechzig Prozent AfD gewählt.

00:33:45: Mehr als in jeder anderen Berufsgruppe.

00:33:48: Und das Deute-Institut für Wirtschaftsforschung, das DEWIL, nennt es im Übrigen auch das AfD-Paradox.

00:33:56: Also gerade in Regionen die wirtschaftlich besonders verletzlich sind ist die AfD besonders stark.

00:34:03: Obwohl genau die AfD-Politik in Sachsen-Anhalt diese Region am härtesten treffen würde.

00:34:14: Inwiefern denn?

00:34:17: Zum Bleispiel... diese riesige Abschiebeoffensive, die sie ankündigen.

00:34:25: Ich denke mir müssen das ernst nehmen, dass Sie das machen wollen bedeutet schon jetzt Arbeitnehmer in Fachkräfte auf Kalla verlassen Sachsen-Einheit oder sagen, dass sie Sachsen-Anhalt verlassen werden in dem Moment wo Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten gewählt wird und alles sieht danach aus.

00:34:51: Außerdem das wissen wir auch gibt es einfach einen krassen Fachkräftemangel ja?

00:34:56: Und der betrifft eben nicht nur in Anführungsstrichen zb Fachärztinnen das Gesundheitswesen, die Pflege.

00:35:07: Sondern genau eben auch die Industriebetriebe und den Einzelhandel.

00:35:16: Das wird man sofort merken in short.

00:35:19: D.h.,

00:35:20: die Leute wählen gegen ihre eigenen Interessen.

00:35:23: Und kleiner Funfact am Rande ... Wir reden ja wirklich über sehr wirtschaftlich verletzliche instabile Regionen.

00:35:33: zum Teil, Theo Müller einer der Großbänder unter den AfD-Millionären beziehungsweise Milliardären.

00:35:43: Der Herrscher über ein riesen Molkereiimperium hat angekündigt dem nächsten Werk in Sachsen-Anhalt zu schließen.

00:35:53: Das heißt da werden zwei Hundert Leute arbeitslos, da hängen Familien dran und so oder so hoffe ich sehr dass ihr Müllerprodukte auf gar keinen Fall kauft.

00:36:06: Hier gibt es mal so richtige Anti-Werbung im Podcast, finde ich gut!

00:36:10: Als ich aufgewachsen bin und vierzehn ungefähr war hat man immer gesagt Müllermilch unterstützt die NPD.

00:36:17: Ich wusste nie ob das jetzt eine Urban Myth ist oder nicht

00:36:20: Weiß

00:36:21: bis heute in der Konkretheit nicht Aber ich habe mit vierzehnt aufgehört Produkte von Müller zu konsumieren.

00:36:28: Bis Heute

00:36:30: Weil Campact hat gerade einen Rechtsstreit gegen Müller gewonnen, genau zu der Frage finanziert er die AfD oder nein mit seinen Spenden.

00:36:40: Aber auf jeden Fall wird ja demnächst kein Werk mehr in Sachsen-Anhalt finanzieren.

00:36:45: Ja krass!

00:36:46: Mich würde noch mehr interessieren was bewegt denn Leute eigentlich dazu gegen ihre eigenen Interessen zu wählen?

00:36:54: Also... Julia

00:36:56: klärt!

00:36:58: Go ahead

00:36:58: Juli!

00:37:00: Also leider ist die schlechte Neuigkeit.

00:37:03: Wir werden diese Frage wahrscheinlich nicht abschließend in diesem Podcast erklären können oder in dieser Folge, weil sich dadurch natürlich ganz viele Menschen und viele Wissenschaftler dann auf der ganzen Welt Gedanken machen.

00:37:14: Und ich würde gerne mit euch über eine davon sprechen Nämlich die Soziologin Eva Ilus.

00:37:22: Die kennt ihr bestimmt von ihren... Also eigentlich ist sie so dafür bekannt, dass sie Gefühle ernst nimmt.

00:37:28: Würde ich mal plump zusammenfassen und Bücher für die sie bekannt ist heißen zum Beispiel warum Liebe wehtut oder was sehr Kapitalismus mit unseren Gefühlen und also auch mit unserem Verhalten macht und wie sich das verändert.

00:37:42: Und die hat da aber auch ein Buch geschrieben.

00:37:44: Das heißt undemokratische Emotion herausgefiltert, wie Populisten Politik mit Gefühlen machen.

00:37:54: Und eine Ihrer Thesen ist, Wahlen haben weniger mit Interessen zu tun als was wir denken und macht da mehrere Gefühle aus.

00:38:04: Das finde ich wirklich spannend!

00:38:05: Ich ratte mal durch die Gefühler und ihr könnt ja sagen wo ihr relating könnt.

00:38:10: also erstens geht es um sowas Angst, weil Menschen die Angst haben wollen vor allem Sicherheit oder begeben sich auf die Suche nach Sicherheit und dafür nimmt man zum Beispiel Einschränkungen in Kauf.

00:38:24: Dann gibt es sowas was sie beschreibt einen Ekel.

00:38:27: damit ist gemeint dieses Freund Feindschema das wir ja vorher schon angesprochen haben nämlich des Gefühl dass bestimmte Menschen einfach nicht dazugehören und so ein Ekel hat dann die Funktion auch diese Trennung diese Pseudotrennung aufrecht zu erhalten.

00:38:43: Drittens geht es natürlich auch um Ressentiments, also ein tiefsitzender Kroll zu kurz gekommen zu sein.

00:38:51: Das haben wir hier ja schon eingeordnet durch zum Beispiel Historie oder Erfahrungswerte, die man gemacht hat als Gesellschaft oder Individuum und von denen oben da übergangen worden zu sein.

00:39:03: Und viertens geht es auch um die Liebe problematischerweise aber um die liebe zur eigenen Nation zu einem konstruierten Bier das man auf eine bestimmte Art und Weise verteidigen muss.

00:39:16: Ich habe das Gefühl Eva-Iluß hätte auch den unseren gesamten Podcast übernehmen können, begleiten zur Wahl.

00:39:23: Denn das ist ja eigentlich das Wahlprogramm der AfD in vier Worten oder vier Gefühlen

00:39:29: Ja, also das Interessante ist jetzt aber dass sie nicht den moralischen Macht und mit einem Fingerzeig vorgeht.

00:39:35: Und nicht sagt hey die Gefühle sind irgendwie dumm oder erfunden sondern dass sie sagt na gut wir müssen uns darauf konzentrieren Fokus zu setzen und den Kern dessen zu überprüfen weil die tausend Euro weniger von denen Olaf vorher gesprochen hat die sind ja real und die bestimmen wie ich zum Beispiel mein Leben gestalten kann oder wie es nicht gestalten kan wie meine Rente aussieht was ich für meine Kinder kaufen kann, zum Beispiel.

00:40:01: Und hier setzt dann die Gefährlichkeit ein dieses Gefühl umzulenken nämlich weg von den Arbeitgebern, die viel zu wenig zahlen, worüber man ja eigentlich gar nicht diskutieren muss Und die lenken es nämlich um zum Beispiel zu geflüchteten Menschen, die dann mit Schuld aufgeladen werden.

00:40:19: Die dann an bestimmten Missständen angeblich schuld sind was leicht ist weil natürlich Menschen immer eine super Projektionsfläche darstellen und mit Zahlen erreicht man diese Gefühle halt nicht.

00:40:33: Das wirklich krass.

00:40:34: Jahrtausend Euro weniger ist ja ne ganz harte Realität und das Gefühlen da stärker sind.

00:40:41: wow aber Kann man Gefühle auch anders binden?

00:40:47: Ja, also zum Beispiel ist ja das was so an diesen Streik so stark ist.

00:40:52: Der Streik transportiert ja auch auf vielen Gefühlen.

00:40:56: Also erstmal muss ich ja erst mal eine Ungerechtigkeit wahrnehmen oder empfinden Und dann ist mit einem Streik natürlich auch was verbunden, nämlich zum Beispiel Stolz oder Zusammenhalt.

00:41:07: Oder wieder ein Wir nur halt eins das vielleicht Menschen mit einschließt und dann diesen Kroll an eine andere und die richtige Adresse richtet, nämlich z.B.

00:41:19: den Arbeitgeber, den man mit Missständen konfrontiert.

00:41:23: also genau dieses Mobilisieren von am Ende des Tages ist ja auch wirklich Hass als ein sehr starkes Gefühl, das sehen wir auch in der Art und Weise wie die AfD in Sachsen-Anhalt über Gewerkschaften spricht.

00:41:42: Also zum Beispiel Hans Thomas Tillschneider seit letzter Woche Vizepräsident des Landtags von Sachsen Anheilt und wie wir wissen völkischer rechtsextremer Vordenker der AfD.

00:42:00: Wenn der über die Lehrer in Gewerkschaft GW spricht, dann merkt man richtig wie viel Hass, Denunziation bei dieser Gewerksamkeit, die ja Lehrerinnen und Schülerinnen gerade versucht zu schützen vor diesem rechten Flächenrand.

00:42:21: Wie sehr der die markiert als politischen Gegner, als politische Gegnerin weil sich die Gewerkschaft eben und das Wissen ja hinter der Kräfte stellt, die sich gegen zum Beispiel den Missbrauch des Neutralitätsgebots durch die AfD wenden.

00:42:42: Und was heißt das jetzt wenn ihr zu jemandem im Präsidium sitzt?

00:42:46: Ganz viel leider und das meiste werden wir auch erst sehen.

00:42:49: aber paradoxerweise oder nicht?

00:42:52: so paradox bedeutet es auch dass Gewerksamkeiten halt immer wichtiger werden.

00:42:55: also Gewerksom sind ein wichtiger Teil der Zivilgesellschaft Und wenn sich die Mehrheiten im Parlament verschieben, dann braucht es eben genau diese Strukturen, die unabhängig davon sind und weiter wichtige Kämpfe tragen können.

00:43:11: Also Betriebsräte, Belegschaften, Gewerkschaften

00:43:14: etc.,

00:43:15: werden umso wichtiger.

00:43:17: Ich glaube das ist kein Zufall, dass es dann von den Personen, denen diese Gewerksamkeit so gefährlich wird oder ein wichtiges Gegenkorrektiv stellen links extremistisch untergeredet werden.

00:43:32: Was ja sowieso, also damit will ich gar nicht anfangen, wie oft ich dieses Wort in letzter Zeit gehört habe an den falschen Stellen und was ja das Schlimmere übel zu sein scheint als den ganz realen Rechtsruck dem wir es sehen.

00:43:44: aber zurück zu den Gewerkschaften die sind

00:43:46: wichtig.".

00:43:47: Und vielleicht ist noch ein Punkt dass der Arbeitsplatz ja auch eine totale Chance sein kann weil Wir verbringen ja mehr Zeit in der Arbeit oder Mitarbeit als mit unseren Geliebten.

00:44:00: und vielleicht gibt es da dann auch die Möglichkeit nochmal zu sagen, wir erreichen da auch Leute, die Parteien vielleicht nicht mehr erreichen.

00:44:08: Als Kollegin, nicht als Wahlkämpferin kann ich ja trotzdem zum Beispiel eine Meinung äußern oder Gedanken äußeren, die anders angenommen werden oder über die man anders sprechen kann, als wenn ich das als Lokalpolitikerin tun

00:44:21: würde.".

00:44:21: Ich habe gerade vor Augen unsere Folge über Demokratie in Schulen bzw.

00:44:28: den rechten Flächenbrand in Schulen und stellen mir das auch ganz schön kompliziert vor, im Arbeitsumfeld wenn du weißt, die AfD gewählt haben da dann noch demokratische Positionen zu vertreten.

00:44:44: also einfach ist es auf jeden Fall nicht und wir wissen ja auch dass in vielen Arbeitsplätzen gerade vor der Wahl, aber auch danach nicht mehr gesprochen wird politisch.

00:44:56: Also das Politik einfach zum Nullthema wird auch auf der Arbeit.

00:45:02: Ja, genau das ist ja das Versagen der aktuellen Zeit oder des Problems des Rechtsrugs auch, dass es so ein Schweigen... reinbringt.

00:45:09: Denn der Arbeitsplatz ist ja, also vielleicht bin ich dazu sehr DDR-sozialisiert.

00:45:13: aber der Arbeitsplatz ist auch ein total wichtiger Sozialisationsraum.

00:45:18: Wie du hast gesagt wir verbringen mehr Zeit auf Arbeit mit unseren Lieben, aber auch die KollegInnen schafft und alles ist ja ein ganz ganz wichtiger Raum in dem wir uns bewegen.

00:45:26: wenn wir da schon nicht mehr sagen können was wir denken und miteinander so umgehen dass wir auch mal irgendwie einspeiten und sagen hey das finde ich nicht in Ordnung wo machen wir es dann?

00:45:36: Also, wo gibt es dann diese Räume noch?

00:45:39: Und ich will das gar nicht in Abrede stellen.

00:45:40: Was du sagst, Reike ganz im Gegenteil sondern eher so Das ist ein riesen Problem was wir haben.

00:45:46: Absolut ja und das ist auch eine Frage die ich Olaf gestellt habe.

00:45:51: also wie sieht es eigentlich in den Betrieben aus?

00:45:54: genau an dem Punkt und Ich hab mit Olaf direkt nach der Wahl gesprochen und Hab ihn natürlich gefragt ob ihnen dieses Ergebnis für die AfD, der Wahlerfolg, auch derjenige überrascht hat.

00:46:10: Also ich war jetzt nicht überraschter von... Ich hatte am Freitag vor der Wahl noch mit einer Kollegin aus einem anderen Betrieb in Sachsen-Anhalt gesprochen und die mir sagte, dass hier Olaf bei mir wählt mehr Variante Schicht AFD.

00:46:20: dann dachte ich schon okay, wir kommen doch richtig dicken am Sonntag und bisher dann also alle, die da zwar ein bisschen unterwegs sind den Sachsen Anhalt auch in den ländlichen Regionen weil wir vertreten viele Beschäftigte aus Industriebetrieben in ländischen Regionen ist nicht überrascht von diesem Ergebnis.

00:46:35: Ich hatte auch mal geguckt wie die Betriebe, wo wir jetzt auch Luhntämpfe geführt haben an verschiedenen Standorten, die sozusagen da die Wahlergebnisse sind, auch wenn die Leute dann nicht immer direkt in dem Ort wohnen sondern ja auch bis so weiterfahren.

00:46:45: aber das sieht man sozusagen dass die AfD sogar noch über sich in manchen Orten zweiundfünfzig Prozent also in der Regel überdurchschnittlich sag ich mal so hat und es ist auf jeden Fall so, dass er wie soll ich sagen sozusagen soweit gehört.

00:46:58: Nicht alle, aber auch nicht wenige von denen die auch vorangehen bei uns in den Betrieben.

00:47:01: Die auch bei den Streik-Sichtern dahinter klemmen, die auch sagen ich lasse mir vom AWD aber nicht mehr alte fallen, dass es da nicht weniger gibt und sie auch sagen machen wir einen Kreuz bei der AfD weil ich lass mir aus Berlin auch nicht mehr alt gefallen.

00:47:12: also geht man sozusagen so die Anschauung von von denen wieder und dann wird mal Zeit das da mal ein Gegenzeichen gesetzt wird sowie jetzt im Betrieb.

00:47:18: Wir wollen uns nicht weiter mit diesen Bedingungen abfrühstücken lassen im Betrieb ja weil ich habe ja erzählt was diese Lohnunterschiede.

00:47:25: als er nicht mehr vertretbar ist braucht man eigentlich nicht erzählen, das müsste eigentlich jedem auf der Hand liegen.

00:47:29: Wir auch im Westen haben eine Unterschiede zwischen verschiedenen Regionen die sind aber nicht so groß wie zwischen Ost und Westsoh.

00:47:34: Und darum gibt es sozusagen zum Teil eine Überschneidung von den Leuten, die richtig in Betrieb vorangehen und auch ganz stark für die Werkschaft bestreiten viele neue Mitglieder gewinnen Überzeugungsarbeit leisten sich gemeinsam stark zu machen und dann aber auch sagen hier und bei den Wahlen da setze ich auch einen Protest und da sind wir auch Teil der Widerstandsbewegungen sag mal der AfD gegen die etablierte Politik.

00:47:55: Das sind jetzt um meine Worte, aber ich glaube das ist so ein bisschen was und da muss sich etwas ändern.

00:47:59: Da ist schon ganz viel Hoffnung, was jetzt in die AfD reinprojektiert wird von Leuten, dass sie grundlegend was ändert.

00:48:03: also da muss man auch verstehen.

00:48:05: Und es sind nicht alle Nazis oder Rechtsextremen oder Rassisten.

00:48:09: Es ist totaler Quark.

00:48:09: Also das ist meiner Erfahrung weil wir haben hier viele, denen wir sozusagen im Kontakt kommen und es ist auch nicht so, dass halt alle irgendwelche verblendeten Leute sind.

00:48:17: Ich finde es interessant, diese Einblicke aus der Praxis zu haben.

00:48:21: Ich habe ja eine sehr klare Position dazu, wer Rassismus so legitimiert ist auch Teil des Problems und muss nicht ausgesprochener Rassist sein.

00:48:28: aber dennoch wer das legitimiert, ist Teil dessen.

00:48:32: Aber zu gucken was denn eigentlich die Leute wirklich bewegt und was hinter all dem steht ist ja auch ein bisschen wie Eva Illus spricht und da reiht er sich ja auch so ein bisschen an zu gucken so hey!

00:48:43: Was ist denn das eigentliche Problem?

00:48:45: plus dazu kommt wahrscheinlich noch, dass eigentlich die Motivation in Anführungszeichen irrelevant ist für das Ergebnis der Landtagswahl.

00:48:53: Eben!

00:48:54: Ja, die Motiverzion ist auch immer irrelevant dafür den rassistischen Tat.

00:48:58: also ich meine es ja nicht so, erinnert nichts daran ob was rassistsisch ist oder nicht.

00:49:03: Also da gibt's auch

00:49:06: Absolut und es ändert ja auch nichts daran, dass du eine rassismusische Politik ermöglicht mit deiner Stimme.

00:49:13: Genau so muss man auch sagen, die Motivation der meisten CDU-Wähler in Anaheit war sicherlich nicht das die CDU jetzt rechtsextremisten an die Macht verhilft.

00:49:24: Aber ich wollte von Olaf genau das wissen.

00:49:29: nämlich kann es sein dass da Leute rassistische Politik ermöglichen durch ihre Stimmen und gleichzeitig mit Kolleginnen zusammenarbeiten die Kirli keinen Wahlrecht haben, aber mit denen sie zusammen für bessere Löhne gestreikt haben.

00:49:52: Wir haben bei DITSCH eine Belegschaft wo viele polnische Beschäftigte sind.

00:49:56: Da wird seinem Streik ungarischer zum Teil syrischer und wir haben auf dem einen Streikdemonstrationen dann auch polnischen Streiksprüche rufen.

00:50:04: soweit viel konnten um was weiß ich.

00:50:06: Wir haben Betriebe, wo sich Kolleginnen und Kollegen viele Flüchtete einsetzen die vom Unternehmen unter Druck gesetzt werden weil sie in befristeten Arbeitsverhältnissen sind sondern nicht bei der Werkschaft mitmachen.

00:50:14: Trotzdem kann ein Kollege AfD wählen und kann sich für den einsetzen.

00:50:16: also es ist nicht so dass man muss jetzt verstehen das das sagt mal die AfD einen Waco umstößt und sagen wir einen Wunschabholt von Leuten der ganz unbestimmt ist, dass sich grundlegend was ändern muss.

00:50:29: und dafür da jetzt nicht nur um die schlechtere Bezahlung im Betrieb sondern gibt's auch viele politische Fragen wie Zeig mal die Kriege, die jetzt kommen.

00:50:37: Und was weiß ich?

00:50:37: Dass da viel in Bewegung ist also das ganz schwer zu greifen.

00:50:43: aber Fakt ist sozusagen dass von denen auch eine Reihe von Vorstreitern, die wir haben in den Betrieben, dass sie auch klar sagen Ich will AfD und da gibt es natürlich Diskussion.

00:50:52: Also was heißt natürlich Es gibt Diskussionen an der einen oder anderen Stelle und diese sind halt sehr interessant.

00:50:58: dieser

00:50:59: Teil des Gesprächs mit Olaf Der lässt mich seitdem eigentlich nicht mehr los.

00:51:06: Wir hatten es ja eben schon davon, dass die Gleichzeitigkeit gerade in vielen Betrieben, in vielen sozialen Orten eine Realität ist.

00:51:19: Man kann im Betrieb vorangehen auf der Demo polnische Streiksprüche rufen sich

00:51:25: für

00:51:26: syrische KollegInnen einsetzen und dann sich umdrehen und am Sonntag eine Partei wählen die genau rassistische Politik macht und die von dem Prinzip Solidarität sowieso nicht zahlt.

00:51:41: Für mich ist es genau diese Gleichzeitigkeit, genau das Problem.

00:51:45: also ich merke ich resigniere genau an diesem Fakt weil es einfach so disloyal ist also und weil du Menschen alles zu trauen kannst am Ende des Tages.

00:51:58: Also ich glaube ganz häufig ist es Leuten Tatsächlich wirklich egal, denn Solidarität hat immer ihre Grenzen.

00:52:03: Man kann auf Arbeit miteinander streiten und sich da auch als wir empfinden.

00:52:08: Und man kann dann seine Zeit abstampeln und rausgehen und auf einmal total den rassistischen Bullshit machen.

00:52:15: Also ich erinnere nur nach Heuerswerder, Leute in Betrieben zusammengearbeitet und dann nach Freierabend sind sie rausgegangen, haben das Wohnheim ihrer KollegInnen angegriffen.

00:52:29: Das waren nicht nur die, die ja zusammen gearbeitet haben aber es waren auch die KollegInne, die Steine gegen das Haus der Arbeitsmigranten geworfen haben.

00:52:38: Gerade diese Gleichzeitigkeit ist für mich ein enormes Problem.

00:52:42: Und ja, ich glaube ganz häufig ist es auch wirklich weil's den Leuten egal ist.

00:52:46: Also weil es eine Grenze gibt von Solidarität und das fängt beim eigenen an und hört dann beim anderen ganz schnell auf... ...und ich glaube aber auch dass sehr häufig dieser Irrtum von Rassismus ist.

00:52:57: Rassismus macht ja Menschen eben nicht zu Menschen, zu Nicht-Menschen!

00:53:03: Was ich ganz häufig gehört habe als ihr aufgewachsen bin Ja wir meinen ja nicht dich Ja, wir meinen ja nicht... Was ist ich?

00:53:10: Ali, der den Döner verkauft.

00:53:11: Wir meinen hier die Ausländer und ja, ich bin keine Ausländerin, aber ich wurde genauso auch ausländerin gesehen und bezeichnet damals wie Menschen mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft.

00:53:22: Hatte man so eine Idee?

00:53:23: Ja, wer meint doch nicht was sich tut, der bei uns oder der Kollege isst?

00:53:26: Dann wir meine dieses ganz diffuse schlimme angsteinflößende Bild der Auslände und so kann man das irgendwie von sich abspalten.

00:53:35: Ich glaube, beides existiert und es gibt bestimmt noch mehr Gründe.

00:53:38: Aber diese Gleichzeitigkeit lässt mich den Glauben in die Menschen verlieren!

00:53:45: Ich möchte es noch komplizierter machen und die Gleichzeitigkeit noch mehr hoch chäsen.

00:53:50: Ich glaube auch ein Punkt ist noch zu sagen, na gut wenn wir in einer Gesellschaft aufgewachsen sind, die irgendwie Rassismen produziert und davon auch lebt dann kann ich jetzt natürlich sagen wow dieser Betrieb mit diesen Leuten und dann wählen ja auch noch die AfD.

00:54:04: oder ich kann davon ausgehen dass die Wahrscheinlichkeit das ich selber Rassismus transportiere vorhanden ist und dass es auch harte Arbeit ist, die sich abzutrainieren.

00:54:13: Und das auch erst mal ein Bewusstsein braucht.

00:54:15: Und ich natürlich auch irgendwie als Arbeitskollegin oder sehr im Betrieb gehe und das vielleicht gar nicht richtig reflektiere aber dass das natürlich auch mein Job ist wenn ich mich dagegen positionieren möchte das mit mir selber zu trainieren und das immer wieder zu tun.

00:54:30: Ja total!

00:54:31: Das betrifft ja alle Gebiete unseres Lebens in unserer Gesellschaft da hast du total recht dürfen gar nicht davon ausgehen, dass irgendjemand erst mal von Grund auf antirassistisch ist auch wenn sie wichtige Kämpfe kämpfen.

00:54:44: Sondern der Rassismus steckt halt einfach drin und ist Teil unseres Lebens außer wenn wir aktiv dagegen vorgehen.

00:54:52: Das lässt mich weiterhin den Glauben.

00:54:56: Denn es ist so hart, wir reden jetzt über Arbeitskämpfe und das ist mir total wichtig auch dass es ein Thema was mich auch mit angeht aber Es ist total hart in der Gesellschaft zu leben die einfach rassistisch gekriegt ist als Rassismus betroffene.

00:55:11: Und du weißt es wird sich nie ändern nicht zu meiner Lebenszeit weil das immer so ein Gewicht was man mitschleppt.

00:55:18: Ja, und das ist glaube ich auch die Schwierigkeit und die Dramatik dieses Themas.

00:55:22: Was wir jetzt besprechen?

00:55:23: Weil erstmal das erste Empfinden oder auch beim Einstieg in die Folge war ja Streik erst mal so des Gegenteils von Ohnmacht sich Verbünde aufstehen handeln.

00:55:31: Und durch Olaf habe ich aber jetzt gelernt dass es natürlich nicht automatisch schützt und da ist mir wieder Eva von Reddika eingefallen.

00:55:38: Die hat noch ein anderes Buch geschrieben.

00:55:41: irgendwie hab ich's heute mit den Evas Aber

00:55:45: beides echt super tolle Autorinnen, by the way.

00:55:49: Genau Eva von Rellika jedenfalls hat noch das Buch Revolution für das Leben geschrieben und da gibt es im Begriff, dass ist der Phantomsitz.

00:55:56: Und das ist quasi ein Gefühl, dass mir was gehört, was ich rechtlich aber gar nicht besitze.

00:56:02: also das kannst du natürlich auch auslagern auf Das ist unser Land, das ist unsere Mecklenburg-Vorpommern, unsere Sachsen-Anhalt unserer Arbeitsplätze Und je komplizierter die Ausnahmungsstände werden, desto doller kannst du dich natürlich an diesem Gefühl festhalten.

00:56:16: Weil das dir wieder eine Art von Sicherheit bietet zu sagen, ah wenigstens das hier gehört uns und statt zu sagen was ja wünschenswert wäre oder hey diese Situation ist für uns alle gleichermaßen beschissen und verantwortlich ist dafür ne bestimmte persone.

00:56:30: Arbeitgeberschaft die wir damit konfrontieren Passiert eben genau das Gegenteil und die AfD bedient genau das.

00:56:36: Und deswegen docke ich hier an, was du gerade gesagt hast Katharina, nämlich... Das muss man aushalten lernen diese mindestens Gleichzeitigkeit!

00:56:45: Ja, muss man aushalten lernen bzw hat mir gar keine andere Wahl wenn man betroffen ist.

00:56:50: Gleichzeitig kann ich nur sagen Cool People's Campaign Leute Ich kann nur noch mal Werbung machen in sich Wir können auch anders kämpfen wir können auch Nicht nur im Betrieb miteinander kämpfen, sondern wir können uns auch wirklich der Tatsache bewusst werden und uns das bewusst machen.

00:57:07: Deine Armut – und meine Armut sind ziemlich das Gleiche!

00:57:11: Und wir lassen uns nicht mehr gegeneinander ausspielen.

00:57:14: Denn dieses Wir-Bekämpfen in Anführungsstrichen bekämpfen Arbeitskämpfe mit Rassismus.

00:57:19: was irgendwie politisch betrieben wird ist eine politische Masche.

00:57:22: Das bringt eben genau denen etwas die überhaupt nichts für unsere Arbeitskämpfen tun.

00:57:27: Wir müssen Gleichzeitigkeiten aushalten, aber wir können auch anders kämpfen.

00:57:32: So!

00:57:33: Das ist interessanter und das ist wahrscheinlich auch genau diese Dimension die du beschreibst dieses Kämpferische die ganze Zeit dass natürlich vor allem seinen Platz in der Arbeit findet.

00:57:41: Aber auch wenn man den Arbeitsbegriff größer denkt also zu sagen okay es gibt irgendwie Betrieben denen ich mich organisieren kann aber dann gehe ich nach Hause und muss irgendwie Zehntausend Waschmaschinen voller Wäsche waschen und mein Kind fliegen und meine Angehörigen pflegen usw.. Da finden ja auf eine bestimmte Art und Weise Arbeitskämpfe statt, die vielleicht nicht so organisiert sind wie Arbeitskämpfen wir jetzt heute betrachtet haben.

00:58:05: Aber wo man manchmal doch die Sehnsucht verspürt für Orte an denen es keinen Kampf gibt?

00:58:12: Ja das fühl ich sehr!

00:58:14: Hätte ich auch gerne Orte, an denen es keinen Kampf gibt.

00:58:17: Und das was du beschreibst, wenn wir dann von der Lohnarbeit zur Hausarbeit kommen sind ja auch Arbeitskämpfe eigentlich die wir auch an Gendergrenzen zum Beispiel viel härter kämpfen sollten denn da gibt es eine enorme Ungleichheit.

00:58:30: also eigentlich hört das Kämpfen leider nicht auf und wir sind alle eigentlich davon betroffen.

00:58:36: Also lasst uns zusammen miteinander kämpfen Anstatt gegeneinander auf diese Weise.

00:58:42: Jetzt klinge ich so ein bisschen Vintage im Sinne von, die Grenze verläuft zwischen oben und unten.

00:58:47: Und nicht zwischen uns!

00:58:49: Das Problem ist bloß so vintage wie dieses Statement ist, so vintage ist die Instrumentalisierung davon leider nicht.

00:58:58: also wir sehen es ja in der aktuellen Politik und wir sehen's auch, weil wir haben das ganz oft über die AfD gesprochen.

00:59:03: Weil wir es auch müssen, wie gut ihr schafft das zu instrumentalisieren?

00:59:06: Also gar nicht unbedingt die Kämpfe als solche aber ein Gefühl was dahinter steckt.

00:59:11: Dieses AfD wählen gibt ganz vielen Menschen ja auch irgendwie so eine Handlungsfähigkeit oder eine gefühlte Handlungsfähigkeit.

00:59:19: Also im Sinne von wir zeigen es denen da oben mal und Leute sind ja auch zum Teil zurecht, von denen da oben in Anführungsstrichen enttäuscht.

00:59:26: also die Enttäuschung ist real.

00:59:28: und jetzt ein Gefühl von ey mir reicht's ich zeigst den jetzt kann ich erstmal total nachvollziehen und kann ich auch verstehen dass das einen Gefühl von Handlungs- fähigkeit gibt.

00:59:39: Und gerade in Zeiten des Rechtsrucks gibt das ja nicht nur ein Gefühl von Handlungsfähigkeit, mir selber gegenüber sondern auch von Aufbruch.

00:59:47: Wir sind da am besten dran und man sieht es ja überall passiert das und wirkt wahnsinnig subversiv auf eine gewisse Weise also zugegen des Establishment.

00:59:56: was ist ja faktisch dann doch gar nicht jetzt weil die niedelsten und schlimmsten Seiten des Establitionen werden noch mal hervorgehoben und potenziert.

01:00:05: aber es gibt einen gefühl von aufbruch und ich glaube dass der falsche Kampf, den wir kämpfen oder das ist die falsche, der falscher Aufbruch.

01:00:13: Der falsche Lösungsweg den wir uns da anschließen in der wird am Ende niemanden Glücknis machen außer in Anführungstrichen, die da oben dies dann geben wird.

01:00:23: diese Widersprüchlichkeit ist übrigens was was die Gewerkschaften echt schon lange als Thema auch haben.

01:00:30: ja also weil sie ja wissen dass je nach Studienlage bis zu ein Viertel ihrer Mitglieder.

01:00:39: In manchen Regionen halt auch AfD wählen und die Gewerkschaften haben damit ein riesiges Problem, wie sie sich da drin verhalten.

01:00:50: Man kann klar sagen, die werden von der AfD als politische Gegnerin markiert und sie stellen sich gegen die AfD aber ihre Mitglieder sind nicht in allen Regionen so einheitlich, beziehungsweise in Sachsen-Anhalt gibt es halt gerade auch Leute die AfD gewählt haben und aus den Werkschaften austreten.

01:01:15: Und da sind wir wieder bei der Crocs der Sache ne?

01:01:17: Also wer streikt ist nicht automatisch demokratisch und nicht automatische Gegenrechts was demokratisch bedeuten würde.

01:01:24: Die Wut über die ungleichen Löhne ist bei allen die gleiche aber was die Leute daraus machen individuell verschieden und wird nicht unbedingt meiner Meinung nach den Erfolg bringen, wie ein geschlossener und solidarischer Protest führen würde.

01:01:40: Demokratie wird ja auch am Pausenraum an der Stempelruhe und auf der Straße verteidigt.

01:01:46: und jetzt am sechsten Oktober als sich in Magdeburg der neue Landtag konstituiert hat standen morgens ein paar hundert Leute auf dem Domplatz.

01:01:56: also glücklicherweise muss man sagen Einer davon war Robert Fietzke, den kennen alle die uns schon länger hören als Geschäftsführer der Zora des Soziokulturellenzentrum in Halberstadt und er gehörte zu denenjenigen die eben ganz klar am Tag der Zäsur den Protest begleitet haben.

01:02:23: Also die Stimmung auf dem Domplatz in Magdeburg vor dem Landtag war nicht so bedrückend wie ich das selbst erwartet hatte.

01:02:28: Trotz der frühen Uhrzeit haben sich da ungefähr sechshundert, siebenhundert Menschen versammelt.

01:02:33: Das ist natürlich jetzt nicht überragend aber auch nicht schlecht für Magdeburg.

01:02:37: Der Ardenauer SAP Plus vom Zentrum für politische Schönheit war da und hat seine Infrastruktur zur Verfügung gestellt Und die Hauptaktion der Protestkundgebung bestand darin gemeinsam aus den ersten zwanzig Grundgesetzartikeln vorzulesen.

01:02:53: Auf mich haben Aktionen die darauf basieren mit monotromem Sprechgesang etwas fortzutragen, manchmal was Befremdliches.

01:02:59: Ich glaube aber dass das hier mit einem sehr starkes Zeichen und einer sehr starke Geräuschkulisse als Kontrast zu dem was im Landtag dann passieren sollte und dann auch passiert ist erzeugt werden konnte.

01:03:13: ich habe in viele widerständige optimistische Gesichter geschaut und ja wie viel Widerständigkeit da schlummert und immer noch da ist und vorhanden es hoffentlich noch wächst hat konnte man dann sehen als Ulrich Siegmund begleitet von Bodyguards und von rechten Streamern rausgekommen ist um die ja vor der Kundgebung dann irgendwelche Interviews zu führen und die gegen DemonstrantInnen zu provozieren.

01:03:40: Da ist dann doch ein Lautstarker Protest entstanden, die Menschen haben sich dann lautstark zu Wort gemeldet und ihre Kritik an AfD und ihrer faschistischen Politik zum Ausdruck gebracht.

01:03:53: Mir tut es immer gut, wenn jemand so ganz klar benennt was geht.

01:03:57: Und Robert hat uns auch erzählt was ihm an dem Tag trotz allem Zuversicht gegeben hat und zu versicht kann ich gut gebrauchen?

01:04:03: Also wir hoffen natürlich auch dass allen die den Podcast hören das euch das auch zuversicht gibt weil ich glaube zuversucht können ja gerade echt gebrauchten grade angesichts dessen der antidemokratische Block im Landtag von Sachsen-Anhalt.

01:04:21: Er wirklich alles tut, um in einer rechtsextremen Regierung den roten Teppich auszuräumen?

01:04:29: Also ich würde lügen, würde ich behaupten dass meine Zuversicht gerade überbordengroß ist, der sechste September und der sechsthoktober liegen extrem schwer im Magen.

01:04:42: die Bezeichnung dessen was da passiert ist im Landtag als historisches Zäsur, als Epochenbruch ist vollkommen zutreffend.

01:04:51: Ich glaube dass viele noch nicht auf dem Schirm haben werden wie schnell das jetzt alles gehen kann und deswegen gilt es sich da noch stärker zu wappnen und noch mehr zusammenzurücken.

01:05:00: und das hat mir tatsächlich dann bei der Demonstration sehr viel Hoffnung gegeben zu sehen die Leute sind da sie bleiben stabil Sie hören nicht auf gemeinsam zu demonstrieren sie hören nicht auch Sachen auf die Beine zu stellen Protest zu artikulieren und sie hören auch nicht auf laut zu sein.

01:05:18: Und das braucht es jetzt in den nächsten Wochen, Monaten oder Jahren.

01:05:23: Am Abend war ich dann noch im deutschen Theater in Berlin bei einer Soli-Veranstaltung die Anarabe, die Schriftstellerin organisiert hat zusammen mit Leuten wie Max Chollek oder Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit oder Christina Klem unter Adressler von Lamsa Pascal Begrich, vom Miteinander

01:05:45: e.V.,

01:05:45: wir haben dort dann als sechste Anhalterinnen unsere perspektiven Kund getan und es gab unfassbar viel Solidarität im Publikum.

01:05:57: Es gab sehr viele Unterstützungsbekundungen Das wurde Geld gesammelt für die Zivilgesellschaft Die jetzt massiv bedroht ist von Kürzungen Für die landesweit tätigen Organisationen die wahrscheinlich jetzt Als erstes platt gemacht werden werden von der AfD und zu sehen, dass anderen Orts in den Großstädten, in anderen Bundesländern Leute aktiv sind.

01:06:22: Und innerhalb kürzester Zeit große Benefizveranstaltungen, Soliveranstaltung organisieren für uns hier vor Ort.

01:06:28: das ist schon sehr schön.

01:06:29: Das gibt Kraft und das trägt auch und muss jetzt weitergehen.

01:06:34: Es gibt sehr viele Menschen in Sachsen und hat die gerne vorbei kommen ladet uns ein fragt uns an.

01:06:38: Wir haben viel zu erzählen und vielleicht sind wir, wir sind jetzt ja auch in der Situation die ersten zu sein, die hier tatsächlich Widerstand auch praktizieren müssen und sich überlegen müssen wie das dann eigentlich konkret aussieht.

01:06:51: Wider Stand auszuüben gegen eine rechtsextreme Landesregierung

01:06:56: Ich finde es super!

01:06:57: Also ich habe ganz viel nochmal verinnerlicht und gelernt auch an der Folge A – ich gucke mir viel häufiger Arbeitskämpfe an die ja permanent scheinbar in meiner Umgebung stattfinden und die total wichtig sind, und die ich auch echt gerne unterstützen möchte.

01:07:12: Und

01:07:12: B.)

01:07:13: Hinsichtlich Widerstand – Ich werde jetzt mein eigenes Poor People Campaign ausrufen indem wir solidarisch miteinander kämpfen und nicht gegeneinander!

01:07:23: Und damit gehe ich aus der Folge raus.

01:07:35: Absolut.

01:07:36: An den Dank kann ich mich anschließen mit dem Dank an alle, die uns durchs Hören, durchs Teilen, durch Spenden und durchs Steady unterstützen.

01:07:47: Also sagt es gerne weiter!

01:07:50: Wir freuen uns über alle, Die uns hören, die unsere Spenden.

01:07:54: Und natürlich vielen Dank am Katrin Rönnecke von Haus Eins für den Schnitt.

01:08:00: Das war die vorletzte Folge der ersten Staffel von Kipppunkt Ost.

01:08:05: Bis bald und

01:08:06: tschüss!

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