Kipppunkt Ost – Folge 3: Keine Angst vor Ostdeutschland! Lokaljournalismus gegen rechts?

Shownotes

Welche Verantwortung haben Journalist:innen und Medien für den Aufstieg der AfD? Gibt es einen Zusammenhang zwischen den Wahlerfolgen rechtsextremer Parteien und dem Verschwinden von Lokaljournalismus und regionalen Tageszeitungen? Und wer füllt die Lücke? Unabhängige Radios oder Social Media? Braucht es endlich eine Tageszeitung für und aus Ostdeutschland? 

In Episode #3 sprechen wir über die Medienlandschaft in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, die Bedrohungen für unabhängigen Journalismus und die öffentlich-rechtlichen Sender NDR und MDR durch die AfD und die Verantwortung von Journalist:innen in der Berichterstattung über die extreme Rechte – in den Parlamenten und auf der Straße. Und bringen natürlich auch Beispiele mit, wer es besser macht!

Teresa Völker und Mika Bauer: Strategien, Krisen, Lernprozesse: Die Medien und der Aufstieg der äußersten Rechten (2025).
Teresa Völker: Die Normalisierung der extremen Rechten und wie demokratische Parteien und Medien dazu beitragen (2025).
European Centre for Press and Media Freedom & Bundesverband Digitalpublisher und Zeitungsverleger: Lokaljournalismus unter Druck: Sicherheitsempfinden und Bedrohungserfahrungen von Lokaljournalist:innen in Sachsen und Thüringen (März 2025)
Bundestag: Angriffe auf Pressefreiheit und Medienschaffende in den Jahren 2024 und 2025. Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE im Bundestag (März 2026).
Center for Media Pluralism and Media Freedom: Local Media for Democracy (2025).
Hamburg Media School & Netzwerk Recherche: Der Wüstenradar – Vom Verschwinden der Lokalzeitung.
Paul Varhi & John Folk: In news deserts, Trump won in a landslide (12/2024).
Maxim Flösser: Keine Lokalzeitung – mehr AfD (2024).
Beth Macy: Paper Girl – A Memoir of Home and Family in a Fractured America (2025).
Schutzkodex – Kodex für Medienhäuser
Gegenrechtsschutz

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00:00:00: Kipppunkt heißt erst mal, dass ein System seinen Zustand

00:00:03: schlagartig

00:00:04: verändert.

00:00:04: Einen positiven Kipp-Punkt?

00:00:06: Kipp Punkt!

00:00:07: Das Osten... Kipp Pumpt!

00:00:09: Die kippe ich mir einfach so rein.

00:00:11: Also der Kipppumpt sozusagen.

00:00:13: Hallo hallo hallo herzlich willkommen bei den Kipp.

00:00:16: Ost mit drei p., dem Podcast begleitet zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.

00:00:22: Heute ist bereits die dritte Folge und mein Name ist Katharina Wader.

00:00:26: Ich bin Juli Katz und heute kommt meine absolute Lieblingsfolge, denn wir besprechen einerseits Tiere nämlich einen Wahl.

00:00:35: Und andererseits das Versagen der Medien in Zeiten der Demokratie.

00:00:54: der öffentlich-rechtliche Rundfunk und Journalistinnen von der AfD zu einer Hauptzielscheibe zur Hauptgegnerin erklärt wurden.

00:01:05: Und das in einer Region, die WissenschaftlerInnen – also Mecklenburg-Vorpommern und Sachsenanhalt als Steppe bezeichnen!

00:01:16: Als Mediensteppe.

00:01:19: Ich finde es total interessant, ihr zwei als Journalistinnen am Haptolfort einen Zugang zu den Medien.

00:01:25: Ich bin Autorin und schreibe oft in den Medien aber ich bin nicht Journalistin hatte erst ein bisschen mich gefragt, eine Folge zu Medien.

00:01:35: Wo soll das hingehen?

00:01:36: Ganz ehrlich, wenn ich an Medien denke jetzt im Moment, dann fällt mir so allererst eins ein und es hat natürlich viel mit mir zu tun vielleicht auch mit meinem Konsumverhalten aber vielleicht auch der gegenwärtigen Medienlandschaft.

00:01:49: Und was mir einfällt ist Timmy der Wahl.

00:01:52: Er hat sich das nicht ausgesucht, der Timmy.

00:01:59: Julie, du bist Journalistin in Mecklenburg-Vorpommern.

00:02:02: Hast du auch über Timmy berichtet?

00:02:06: Als MV-Korrespondentin von Kipppunkt Ost kann ich euch sagen, dass das Thema Wahl natürlich nicht an mir vorbeigegangen ist und ich kann euch kurz schildern was zuletzt in diesem Bundesland so abgegangen ist im Bezug auf das Tier zum Nachdenken anregen kann, wie die Medien funktionieren und wie nicht.

00:02:25: Ich glaube da hast du gerade einen ganz validen Punkt gemacht.

00:02:28: also vorweg schon mal der Witz ist ja der Auslöser ist dass es um ein Wahl geht, der sich die ganze Zeit eigentlich überhaupt nicht bewegt hat sondern gestrandet ist.

00:02:37: und die große Frage war nun was jetzt mit dem Tier geschehen soll.

00:02:41: dazu gab's verschiedene Meinungen.

00:02:43: wissenschaftliche Meinungen haben gesagt na gut das Tier is krank wir müssen es am besten in Ruhe lassen.

00:02:49: Und andere haben gesagt, der muss jetzt zurück ins Meer und da einfach weiter leben und weiterschwimmen.

00:02:56: Und egal ob man sich für Tiere interessiert oder nicht so richtig rumgekommen wird man um das Thema nicht sein weil es haben wirklich absolut alle darüber berichtet.

00:03:07: von der Lokalzeitung hier bis zur New York Times habe ich gerade nochmal überprüft Und nicht nur da, sondern auch auf Social Media.

00:03:16: Weil einer der Hauptakteure

00:03:18: z.B.,

00:03:18: die in diesem Spektakel sie Stimme ergriffen hat war ein Influencer, der nachweislich im rechtsradikalen Umfeld Veranstaltungen organisierte.

00:03:29: Vielleicht habt ihr ja von dem gehört?

00:03:31: Ja total hab ich von gehört.

00:03:33: Auch welchen Rummel diese Berichterstattung über Timmy ... Eingenommen hat nicht nur durch den rechten Influencer, sondern auch generell in einem rechteren Spektrum.

00:03:46: Was hatte ich denn da so gebockt eigentlich, Katharina?

00:03:48: Oder wie ist so Timmy das Erste was dir einfällt wenn du über Medien nachdenkst?

00:03:53: Also es gibt ganz viele Widersprüche in dieser Geschichte und mich hat einfach dieser Rummel um Timmy dem Wahl interessiert weil es so ganz crude ... Berichterstattung zulässt und kanalisiert irgendwie auch.

00:04:11: Wo hast du dir die Infos über den Wahl geholt?

00:04:16: Da zwingst du mich zu Outen vorrangig in den sozialen Medien!

00:04:24: Ich konsumiere sehr viel soziale Medien, ich kenne die Probleme um die sozialen Medien, ich hatte sogar mal angefangen zu promovieren Und ich liebe sie gleichzeitig trotzdem, weil ich das Gefühl hab und das ist wirklich ein Gefühl erst mal.

00:04:39: Mit dem Gefühl bin ich aber auch in diese Folge gekommen ... dass ich mich in einen gewissen Maße besser informiert fühle durch die Kanäle, die ich abonniert habe in den sozialen Medien.

00:04:52: Das klingt ja ganz schlimm!

00:04:54: Weil das klingt so wie ich in meiner Telegram-Gruppe nach Verschwörungs-, Rhetoriken usw.

00:05:03: Aber ich habe schon gemerkt, auch ein Blick mit dir auf die Folge heute.

00:05:07: Dass ich so eine gewisse Verdrossenheit tatsächlich zeige was die klassischen Medien angeht und das ist bestimmt ganz unrecht aber gleichzeitig merke ich das trotzdem an mir.

00:05:17: Ich bin nicht wirklich mit den klassischen Medien aufgewachsen.

00:05:20: ich komme ja aus der sogenannten Unterschicht.

00:05:23: bei uns zu Hause gab es die Volksstimme und die Bild- und Unterhaltungsfernsehen.

00:05:28: Punkt aus, aber das war jetzt keins der Medien, weil wirklich genutzt um sich zu informieren,

00:05:33: d.h.,

00:05:33: ich bin mit so einer Haltung auch nicht wirklich groß geworden.

00:05:36: Und jetzt bin ich groß?

00:05:37: Jetzt könnte ich natürlich meinen eigenen Weg finden.

00:05:39: Merke aber auch, dass ich mich nicht sehr hingezogen fühle zu den klassischen Medien.

00:05:44: Weil meine Perspektiven dort nicht auftauchen.

00:05:48: Ich mich nicht so ganz repräsentiert fühle, Und deswegen bin ich eher gespannt auf euch heute als Journalistinnen, die mir mal mehr erklären dazu.

00:06:01: Wie steht es um die klassischen Medien?

00:06:02: Was hat das mit dem Wahlkampf zu tun, den wir bevorstehen haben?

00:06:07: Was ist mit dem Rechtsruck zu tun?

00:06:09: und was hat's mit dem Medienwahl zu tun?

00:06:11: Also du bist wirklich nicht alleine mit dem, dass du keine Tageszeitung mehr im Print liest beispielsweise.

00:06:20: Das war auch so eine ... Naja, verdrossener halt.

00:06:24: Vertrauensverlust abkehr von den klassischen Medien hast also wir haben es hier halt leider in Sachsen-Anhalt und auch in Mecklenburg Vorpaumern vielleicht sogar noch mehr mit einer Mediensteppe zu tun.

00:06:38: Ganz kurz dieses Begriffspaar Medienwüste, Mediensteppe kommt.

00:06:43: Das wird jetzt auch niemand überraschen eigentlich aus dem USA.

00:06:47: Es gibt so ein ganz zentrales Buch das gerade erschienen ist von der Journalistin Beth Macy.

00:06:53: Das heißt Paper Girl und weil sie Journalistinnen ist, Lokaljournalisten war und sich selbst als Newspaper Girl bezeichnet, ist sie halt der Frage nachgegangen.

00:07:06: Was hat eigentlich das riesige Sterben in der Lokalmedien in den USA mit den Wahlerfolgen und dem Aufstieg von Donald Trump zu tun?

00:07:17: Und die Frage müssen wir uns hier in Deutschland auch stellen – mit einem großen zentralen Unterschied!

00:07:24: Hier gibt es den öffentlich-rechtlichen Rundfunk und dass der zum Hauptgegner von der AfD erklärt worden ist, darüber sprechen wir nachher auch noch.

00:07:35: Und hier gab es eigentlich in allen möglichen Bundesländern eine sehr große Vielfalt an Tageszeitungen und an Lokalredaktionen.

00:07:48: In Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt haben wir aber inzwischen die Situation, vielleicht formal noch existiert, aber diese Zeitungen extrem geschrumpfte Auflagen haben und vor allen Dingen in Besitz von ganz wenigen Verlagsfäusern sind.

00:08:10: Ich würde gerne mal wissen Julie was?

00:08:12: wie sieht denn so eine Mediensteppe dann in Mecklenburg-Vorpommern aus?

00:08:16: Ich kann es euch am konkreten Beispiel schildern, wenn ich mich jetzt hier als Bürgerin über die Themen meines Bundeslandes informieren möchte und zur Tankgefahr und da gucke was ist da eine so in den Zeitungsständen dann werde ich direkt feststellen eigentlich ziemlich wenig.

00:08:31: Ich finde nämlich zum Beispiel der Nordkurier, ich finde die Ostsee-Zeitung und neuerdings auch vermehrt die ostdeutsche allgemeine Zeitung.

00:08:42: An der schieren Auswahl erkennt man schon, dass das echte Ausbaufähig ist.

00:08:47: Und ich habe euch aber trotzdem jetzt mal um dafür ein Gefühl zu bekommen wie es so ist in einem V zwei Beispiele mitgebrachten Positives und Negatives Wie Journalismus auch hier gehandhabt wird.

00:09:01: Mitte April zum Beispiel gab es einen großen Disput darüber, dass der Chefredakteur des Nordkoreals sich von der AfD-Landtagsfraktion ins Schweriner Schloss zu einem Event hat einladen lassen und mit denen auf der Bühne saß.

00:09:16: Das Event hatte den bezeichnenden Namen Medienmacher im Meinungsmarkt der Zukunft und so eine Geste da auf die Bühnen zu gehen und sich auf dem Flyer abzudrucken lassen.

00:09:26: Und so wurde natürlich kritisch beäugt.

00:09:31: Ich habe aber auch ein cooles Beispiel, nämlich ich hab den Redakteur Uwe Reisenwebe zufällig im Newsletter der Ostsee-Zeitung entdeckt und mir fallen fast immer die Augen raus wenn ich seine coolen Beiträge da lese.

00:09:49: Er hat zuletzt über die Bürgermeisterwahlen in Anklam, Schwerin, Uckermünde und Wismar berichtet.

00:09:55: Und wieso viele AfD-Kandidierende es nicht in diese Ämter geschafft haben?

00:09:59: Da schreibt er zum Beispiel... Auch im Zweifel entscheiden sie sich dann doch für die Demokratie!

00:10:17: Ostsee-Zeitung Jüßlerte aufzumachen und dann mit dieser Klarheit konfrontiert zu werden.

00:10:21: Und denke perfekt, solche brauchen wir die diese Worte

00:10:24: finden.".

00:10:25: Ich finde das auch super!

00:10:27: Wie ist denn das in Sachsen-Anhalt Heike?

00:10:29: Ist es da ähnlich oder wie verhält es sich da als Steppe, Mediensteppe?

00:10:34: Also im Sachsen Anhalt ist es halt leider auch so, dass es nur noch zwei große Tageszeitungen gibt, die beide in der Hand einer Verlagsgruppe sind – der Mitteldeutschen Verlagskruppel die noch dazu einem großen Medienkonzern gehört, nämlich der Bauer-Media Group.

00:10:54: Und was uns das sagt wenn wir auf die Relationen gucken?

00:11:00: Also sie haben zusammen eine Auflage von vielleicht zweieinhalbfünfzigtausend gedruckten Zeitungen täglich und schätzt mal wie ... Über soziale Medien.

00:11:14: Die AfD, der AFD-Spitzenkandidat für Sachsen-Anhalt, wie viele Leute er erreicht?

00:11:21: Ho!

00:11:21: Deuten mehr wahrscheinlich...

00:11:23: Ja.

00:11:24: Drei mal so viel allein auf TikTok.

00:11:27: Oh

00:11:28: wow.

00:11:28: Ulrich Sigmund hat über sixhunderttausend Follower innen auf TikTok, dann kommt dazu noch ein riesiges Reichweitenstarkes Instagram-Account auch nochmal mit mehr als dreihunderttaussend FOLLOWER INN.

00:11:41: Das macht halt auch deutlich, warum gerade bei jungen Wählerinnen die so gut punkten kann.

00:11:52: Die lesen nämlich sowieso keine Zeitung mehr

00:11:54: leider.

00:11:56: Ja okay das ist natürlich erschreckende Zahlen.

00:11:59: Das stellt sich für mich auch die Frage.

00:12:01: ein bisschen zum Zusammenhang von Demokratie und Medien.

00:12:05: Juli du hast noch einen Interview geführt.

00:12:06: was jetzt der Zusammenhang Demokratiemedien mal ganz runtergebrochen?

00:12:12: Ja, ich habe euch ein Interview mit der Politikwissenschaftlerin Theresa Völker mitgebracht.

00:12:17: Die hat sich extrem damit auseinandergesetzt wie eigentlich Medien und Demokratie zusammenhängen Und was sich da in den vergangenen Jahrzehnten verändert hat.

00:12:27: Der Begriff dazu heißt vierte Gewalt und ich hab sie gefragt was das eigentlich ist.

00:12:32: Wenn wir von dem Medien als vierte gewalt sprechen dann meinen wir erst mal dass die eine wichtige funktione Demokratie erfüllen.

00:12:38: Sie besitzen noch nicht den gleichen Verfassungssrang wie die legislative, exekutive und judikative.

00:12:43: Also die drei klassischen Säulen der Gewaltenteilung.

00:12:46: aber sie können sozusagen als virtuelle vierte Säule gesehen werden.

00:12:51: Und wenn diese ja vierte säule oder vierte gewalt ins swanken gerät dann kann das ziemlich entscheidend dafür sein welche Richtung sich einandentwickelt also ob es noch eine demokratie bleibt oder wie man jetzt auch weltweit sehen kann Wenn Medien nicht mehr der rolle sind frei und unabhängig zu handeln, dass es dann auch demokratische Länder als Automatäre abrutschen.

00:13:13: Warum?

00:13:14: Weil Medien vor allem ganz klassisch die Massenmedien eine zentrale Funktion erfüllen wenn es um politische Bildungsbildung geht, wenn es darum geht zu informieren Regierungen und politische Parteien auch zu kritisieren also das klassischer Watchdog zu agieren wenn es darum geht kritisch nachzufragen, Missstände aufzudecken.

00:13:34: Aber auch Menschen einfach anzuregen sich politisch zu beteiligen.

00:13:38: und ganz zentral ist dabei eben das Medien frei und unabhängig sein müssen also nicht vom Staat gelenkt und nicht zensiert zu werden Und nur dann können sie ihrer Rolle gerecht werden und als Fürtegewalt dazu beitragen.

00:13:54: In Zeiten von Social Media spielen Sie natürlich eine wichtige Rolle unabhängig und qualitativ hochwertige Berichterstattung zu schaffen.

00:14:04: Also sie sind dafür da auch eine kritische Einordnung zu leisten, dadurch dass sie sozusagen so eine Filterfunktion haben.

00:14:11: anders als bei den sozialen Medien wo radikale Inhalte häufig ungefiltert kommuniziert werden können sollen Massenmedien eben als Wächter der Demokratie dazu beitragen Ideen kritisch zu prüfen.

00:14:24: Ja, das ist das eine.

00:14:25: und dann hat sie noch den wichtigen Punkt hinzugefügt, den ihr auch schon angesprochen habt.

00:14:29: Dass sich ja auch Mediensysteme beispielsweise verändern und sowas wie Social Media dazu kommen und damit auch neue Aufgaben für Journalisten an sich auftun zum Beispiel Faktenchecks zu machen, zu prüfen ob die Informationen, die da gepostet werden richtig sind.

00:14:44: Genau!

00:14:44: Und deswegen sind Medien häufig auch so was wie die Wachhunde der Demokratie.

00:14:49: Die haben aber auch das öfteren Mal versagt oder Fehler gemacht.

00:14:53: Ich habe Theresa gefragt, welche Rolle die Medien beim Erstärken der extremen Rechten spielen?

00:14:59: Sie hat jetzt einmal ganz deutlich gemacht es gibt nicht den einen Grund oder nicht die eine Zeitung auf die man mit dem Finger zeigen kann um zu sagen ihr seid jetzt schuld Aber sie hat mir erzählt wie wir in dieser Situation geschlittert sind.

00:15:13: Meine Interviews zeigen dass es letztendlich drei Faktoren gab die eine zentrale Rolle gespielt haben dass Journalistinnen immer der AfD mehr Sichtbarkeit gegeben haben und es so wahrgenommen eine ökonomische politische und gesellschaftliche Zwänge gab.

00:15:28: Also, ökonomische Zwänge ganz klar!

00:15:31: Dass man das Gefühl hat Nachrichtenwertfaktoren und Konkurrenz des sozialen Medien begrenzte Ressourcen fördern einfach, dass ein Interview mit der AfD sich vielleicht besser verkauft als andere Inhalte und dann davon ausgegangen wird man sie häufiger interviewen muss, damit man letztendlich auch relevant bleibt.

00:15:50: Also so ein Pflichtgefühl entstanden ist.

00:15:52: und dann gab es natürlich auch politischen Druck.

00:15:54: also

00:15:56: Es war

00:15:57: häufig eine Empfindung zu sagen die AfD ist mittlerweile so relevant oder was damals auch schon Siehst die kritische Stimme wir müssen mit ihr sprechen Und teilweise nicht genug Zeit oder Ressourcen sind sich vorzubereiten dass sie eben nicht einfach nur unkritische Bühne geliefert wird.

00:16:11: ein starker wahrgenommener gesellschaftlicher Druck, also das Gefühl Objektivität und einen Spiegel der gesellschaftlichen Entwicklung zu sein.

00:16:24: Und dabei vielleicht weniger zu realisieren, dass man als Journalistin auch dazu beitragen kann wie sich dann so eine politische Realität weiterentwickelt.

00:16:32: Also das Gefühl, man reagiert auf den Bedarf der Daßener Gesellschaft mehr Interviews mit der AfD zu sehen und fühlt sich da unter Druck Und realisiert vielleicht weniger, wie diese Interviews auch dazu beitragen, dass diese Partei als normaler und wählbar wahrgenommen wird.

00:16:53: Tja jetzt wissen wir alle das auch in absehbarer Zeit die Landtagswahlen hier bevorstehen.

00:16:57: deswegen wollte ich natürlich noch erfahren welche Tipps Theresa denn hat damit wir die Berichterstattung verbessern können?

00:17:04: Ich habe mal zusammengefasst der erste Tipp wäre sich nicht instrumentalisieren lassen um die AfD noch größer zu machen.

00:17:11: Der zweite Tipp sich nicht einschüchtern lassen, denn es gibt zum Beispiel auch Zahlen das die Angriffe gegenüber Journalistinnen immer mehr zunehmen und das auch immer gefährlicher wird zu berichten.

00:17:22: Und drittens dass man sich einmal noch mal das alle reflektieren, dass die eigene Rolle, die der kritischen Kontrollfunktion ist und auch bleiben sollte.

00:17:33: Meine Forschung zeigt vor allem im Momenten der Krisen- oder Unsicherheit, was wichtig ist andere Stimmen zu Wort kommen, zu lassen.

00:17:42: Nicht der extremen Rechten so viel Raum zu geben und in Zeiten von Wahlkampf politische Alternativen aufzuzeigen sich nicht die ganze Zeit nur an der

00:17:53: AfD

00:17:53: abzuarbeiten und sich nicht auf ihre Provokationen einzulassen weil das ist eine Strategie sondern demokratische Alternative zu diskutieren Zwiegesellschaftliche Perspektive einzubringen Und ganz wichtig, die eigene Rolle in Demokratien zu realisieren.

00:18:13: Ich glaube das wird häufig noch unterschätzt.

00:18:15: Wenn wir jetzt von Verantwortung sprechen oder er gesagt, wenn Theresa über Verantwortung spricht ... Was heißt denn das im Blick auch auf die öffentlich-rechtlichen und deren Verantwortung an dem Erstärken der AfD?

00:18:31: Oder auch am Sterben von Timothy Wahl?

00:18:33: Auf jeden Fall haben sich auch viele Medien selbst, die für den Wahl angereist sind, die Frage gestellt, ob das eigentlich alles richtig ist was sie da gemacht haben und dass sie diesem Spektakel so viel Raum eingeräumt haben in der eigenen Berichterstattung.

00:18:47: Zum Beispiel auch Zapp des Medienmagazins, was sich Medien anguckt, selber noch mal reflektiert hat, hätte mir vielleicht doch ein bisschen weniger oder konzentrierter machen sollen.

00:19:00: verändert sich grad, glaub ich viel wie wir Medien denken aber auch wie Medien sich selber denken.

00:19:05: Absolut ja und du die Theresa hat's ja schon in dem Gespräch mit dir gesagt Medien haben eine enorme Verantwortung dafür finde ich Wie über die AfD berichtet wird und wie deren Regierungsprogramm, deren Forderungen, deren Metapolitik eingeordnet wird oder eben auch nicht.

00:19:25: Und das Dieses Love-Hate-Relationship würde ich jetzt mal sagen, dass die AfD zu Medien hat zeigt sich besonders in der Art und Weise wie im AfD Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt.

00:19:43: Die de facto Abschaffung des MDR verkündet wird.

00:19:49: Kannst du vielleicht uns mal in drei Sätzen was über den sogenannten Medienstaatsvertrag erzählen so das man nicht einpend?

00:19:57: Ich versuch's mal und ausnahmsweise muss ich hier wirklich aus diesem AfD-Wahlprogramm zitieren, weil es eben eine klare Drohung und auch ein klares Playbook.

00:20:14: der internationalen extremen Rechten ist.

00:20:17: Die AfD will das machen in Sachsen-Anhalt, was wir zum Beispiel in Ungarn in den letzten sechzehn Jahren gesehen haben.

00:20:27: Nämlich den Umbau von öffentlich rechtlichen Medien unabhängigen Journalismus hin zu einem Propagandainstrument.

00:20:37: und geframed wird es ganze aber... mit Stichworten wie öffentlich-rechtliche Zwangsgebühren abschaffen.

00:20:47: und was sie als erstes machen wollen, ist die sogenannten Rundfunkstaatsverträge aufkündigen.

00:20:54: Und das regeln in einem Satz dass quasi In Sachsen-Anhalt, in Sachsen und Thüringen.

00:21:04: Der MDR als öffentlich rechtlicher Sender flächendeckend alle Haushalte mit Radio und Fernsehen auf diversen Kanälen versorgen kann.

00:21:17: Und jetzt gibt's ja wirklich gute Gründe eben auch den MDR zu kritisieren.

00:21:22: Ich glaub Katarina du hast sich damit auch näher beschäftigt was da eigentlich los ist warum man da auch den Eindruck hat, dass die AfD eigentlich jetzt schon in den Sender rein regiert.

00:21:35: Was tatsächlich gestern, also nach dem Stand der Aufnahme passiert ist das, dass der MDR verkündet hat... Riesenstreichungen zu übernehmen, zu unternehmen.

00:21:48: Und dazu gehört

00:21:49: u.a.,

00:21:49: dass über ... oder ca.

00:21:51: zweihundert freie Mitarbeiter in entlassen werden, dass aber auch zahlreiche Formate gekürzt werden.

00:21:59: Wie zum Beispiel beliebte Formate wie der Tatort und Polizeiruf-Eins-Einz-Null, aber auch neuere Filme, TV und Podcast-Formate.

00:22:08: D.h.,

00:22:08: die Alten, die schon abgedreht sind, werden weiter bestehen bleiben, es soll nichts Neues gedreht werden.

00:22:14: Und das sind schon Rieseneinschränkungen, die ja auch ... Die natürlich einhergehen mit nicht genug Finanzen.

00:22:23: Was wiederum eine eigene Geschichte hat.

00:22:25: Die Rundfunkgebühren sollten erhoben werden, die Länder setzen es nicht durch.

00:22:29: so entsteht auch einen Mangel an Ressourcen.

00:22:33: aber gleichzeitig wirkt der Reformstaatsvertrag, der ... Das Programm eh moderner aber schlanker machen sollte.

00:22:41: Reformen sind jetzt erst mal nichts Schlechtes und können auch echt zu einer Verbesserung beitragen, gleichzeitig vor dem was du gerade gesagt hast Heike.

00:22:52: Und den Programmen der AfD und den Bedürfnis die öffentlich-rechtlichen und damit ja auch den MDR komplett einzustampfen bzw nach der eigenen Ideologie sehr umzugestalten ist das natürlich erst mal finde ich nicht das beste Zeichen dass da Fast schon, also könnte man's lesen.

00:23:16: Wie eine Art vorausallender Gehorsam passiert und schon ganz viel eingestrichen wird.

00:23:21: Dabei geht nämlich auch wahnsinnig viel verloren, nämlich unter anderem ... Darüber hatten wir jetzt vorher auch schon gesprochen.

00:23:26: Es steht natürlich auch so ne Monopolisierung von Medienorten.

00:23:31: Also kleinere Orte werden auf größere umgelagert Und gleichzeitig verschwinden aber auch Angebote zu ostdeutschen Themen und Perspektiven, die mit dem MDR mitgeliefert werden.

00:23:45: Dadurch?

00:23:47: Ja, total!

00:23:48: Also ich kann ja auch andocken mit dem ... Kann euch ein bisschen Input geben zu den öffentlich-rechtlichen hier in MV.

00:23:55: Der NDR MV ist gekoppelt an Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein.

00:24:00: Deswegen noch mal so ein bisschen anders drauf würde ich sagen.

00:24:05: Der ist aber natürlich hier auch Wahlkampfthema.

00:24:07: Und auch hier ist schon die Idee gefallen öffentlich, dass der Medienstaatsvertrag gekündigt werden soll um auch Reformen zu erzwingen weil zu groß, zu teuer politisch nicht ausgewogen und so weiter.

00:24:22: ich kann mich eigentlich nur dem anschließen was du gesagt hast Katharina.

00:24:25: auch hier gibt es gerade aus der Perspektive von vielen freien Journalistinnen, viele Strukturen die der Veränderung bedürfen und die man verbessern kann.

00:24:36: Gleichzeitig habe ich auch ein Zitat gefunden vom Justizia des NDR, der auf die Idee reagiert.

00:24:43: Dass dieser Medienstaatsvertrag gekündigt werden soll und er sagt, naja das ist halt nicht wie einen Vertrag im Fitnessstudio den man einfach so kündigt wenn man keine Lust mehr hat.

00:24:52: Und das finde ich ganz gut um auch festzustellen ja wenn es Unzufriedenheiten gibt müssen wir die halt so formieren dass es anders funktioniert, dass wir uns anders aufstellen.

00:25:03: Ich habe etwas für euch vorbereitet, ein Quiz.

00:25:10: Wir machen jetzt mal ein kleines Spiel.

00:25:12: Es heißt die besten Vorurteile gegen Osis und vor mir liegt eine Auswertung von zwei Leuten Martin Koplin und Olaf Jakobs.

00:25:20: Die beiden haben eine Analyse gemacht und extrem viele Zeitungsartikel analysiert Und jetzt kommt es aus den Jahren.

00:25:50: Und die haben ausgewertet, welche Begriffe in den Artikeln über Ostdeutschland oder unterrepräsentiert waren.

00:25:57: Also welche Begriffen gehäuft mit Ostdeutzschland-Bezug vorkamen und haben ebenfalls noch bewertet ob das positive oder negative Begriefe waren?

00:26:07: Ich habe hier ein Wecker neben mir stehen.

00:26:09: ich stelle den auf drei Sekunden und ich wette dass ihr in diesen dreißig Sekunden mir fünf der zwanzig Adjektive nennen könnt, die ich hier aufgerufen habe.

00:26:23: Also vor mir liegt eine Liste der am stärksten überrepräsentierten Adjektiven in Artikeln, die Ostdeutsch beinhalten im Zeitraum von zweizigzwanzig bis zum Stichtag zwanziv vierundzwanziger.

00:26:35: und jetzt würde ich euch einfach mal herausfordern und sagen los geht's!

00:26:41: Oh Gott aber Adjektiva gut und schlecht Okay, ähm ... provinziell.

00:26:48: Nein?

00:26:49: Engstürmig.

00:26:50: Nein!

00:26:51: Mäckernt.

00:26:52: Das ist kein Adjektiv.

00:26:53: Mäcker-Richt.

00:26:54: Ähm ... nörgelnd.

00:27:00: Das auch kein Adektiv.

00:27:00: Warte mal, oh Gott, Grammatik.

00:27:03: Rechts...

00:27:04: Inwiegend gute Richtung?

00:27:07: Autoritär geprägt.

00:27:11: Nee,

00:27:11: aber gut ja weiter so.

00:27:13: Ähm ...

00:27:17: Homogen ist bestimmt kein Wort.

00:27:19: Aber ... Los, Heike!

00:27:21: Du musst auch eins sagen.

00:27:23: Schwimme?

00:27:24: Nicht schwimmen total.

00:27:27: Oh wow, ich hätte nicht gedacht, dass du schlechterin bin.

00:27:30: Ich hätte das ehrlich gesagt auch nicht gedacht.

00:27:33: Ich merk, wenn ich darüber nachdenke, fallen mir zu viele Menschen ein, die ich positiv kennengelernt habe als das mir negative Begriffe einfallen.

00:27:44: Also all diese Begriffe, die hier draufstehen.

00:27:46: zu siebzig Prozent haben wir diesen Podcast entweder irgendwie thematisch behandelt oder Sie kommen zum Beispiel in der nächsten Folge vor.

00:27:54: Oder...

00:27:56: Faschisten?

00:27:58: Ja, faschistisch.

00:27:59: Nummer zwölf.

00:28:03: Düster!

00:28:06: Na, es geht ja wahrscheinlich sehr in die Richtung.

00:28:08: Dass sie alles was so Richtung Rechts geht, was autoritär geprägt ist... ...was engstürmig fand ich eigentlich gar nicht schlecht im Sinne von auch mit einer geringeren Horizont aufgewachsen.

00:28:20: In die Richtung sehe ich ganz häufig Bezahlungen.

00:28:23: Meinst du vielleicht rückwärts gewohnt?

00:28:25: Rückwärt!

00:28:30: Oder denkst du an das Wort abgehängt?

00:28:34: Abgehängt, ja.

00:28:35: Jetzt

00:28:36: habe ich schon so lange nicht mehr gelesen das Wort abgehängt.

00:28:41: Das sind

00:28:41: tatsächlich... Entschuldigung!

00:28:43: Ja nee, ich denke dann immer an blühende Landschaften.

00:28:47: Das sind tatsächlich so Wörter.

00:28:48: Sie sind auch sehr konkrete Wörtern, abgehängt.

00:28:51: wenn ich es andersrum hören würde.

00:28:52: Wenn ich hören würde, abgehängt wirst du dich sofort ... Ah, das geht mal wieder um den Osten!

00:28:57: Rückwärtsgewandt.

00:28:58: ah hello here again.

00:29:00: total auf die konkreten Wörther zu kommen finde gar nicht mal so leicht aber andersrum macht es total Sinn.

00:29:07: Ich lese euch einmal im Schnelldurchlauf die Liste vor ihr werdet sofort ein Gefühl dazu haben glaube ich.

00:29:12: überfremdet völkisch Unterrepräsentiert sozialistisch, antifaschistisch ausländerfeindlich rechtsradikal fremden feindlich rechtsextrem kapitalistisch sowjetisch faschistische kommunistisch reaktionär marginalisiert ideologisch rückwärtsgewandt abgehängt fehlend und ambivalent.

00:29:34: Das

00:29:35: ist aus Deutschland!

00:29:37: Da sind ja auch total viele Dinge dabei, die sich widersprechen.

00:29:43: Weil das erste Wort überfremdet ... Denn das ist ja totaler Quatsch sowohl in seiner ideologischen Aufgeladenheit des Wortes.

00:29:53: Überfremdet ist immer schon ein ideologisches Wort aber ... Das ist es ja auch einfach nicht hier in Ostdeutschland.

00:30:02: So interessant, kapitalistisch und sowjetisch gleichzeitig finde ich auch interessant.

00:30:07: Hier sind bunter Blumenstrauß an negativen Wörtern.

00:30:11: Gibt es auch ein positives Wort was mit dem Osten zusammengebracht wird?

00:30:16: Ja das ist jetzt eine Frage der Bewertung natürlich.

00:30:18: also es kam ... Es kam auch das Wort antifaschistisch vor.

00:30:24: Ambivalent könnte man noch so ne Grauzonen Nummer einordnen.

00:30:29: Antifaschistisch ist natürlich ein tolles Wort, finde ich.

00:30:32: Ich hatte nur faschistische gehört.

00:30:34: beides kommt im Osten auch vor.

00:30:37: Es ist aber auch interessant dahingehend womit ich mich immer wieder und jetzt auf die Strecke sehr lange beschäftigt habe wie Narrative also Erzählungen um den Osten gesponnen werden vergleich zu Westdeutschland.

00:30:50: Also ich würde behaupten, dass es bis heute und in den letzten Jahren ist das so ein bisschen besser geworden aber sehr lange und zum Teil auch bis heute eine Erzählung gibt über Ost- und Westdeutzschland die immer noch aus dem kalten Krieg stammen nämlich so ne ganz starke dichotomie also auf der einen Seite Ostdeutsche an der anderen Seite westdeutscher als zwei duale zweiegensetzliche Gebiete Und die werden immer so wechselseitig beschrieben, das heißt der Westen kosmopolitisch vielfältig offen versus der Osten homogen abgeschlossen rückwärtsgewandt.

00:31:33: Der Westen demokratische Erfolgsgeschichte, der Oste autoritär geprägt und so weiter.

00:31:38: Also immer so zwei Dinge, die sowieso ein Spiegel funktionieren.

00:31:42: Und das sind Narrative, die ganz lange das berichten ... Das mediale Berichten über den Osten geprägt haben.

00:31:50: Und Juli, du hattest grade gesagt dass es darauf ankommt wie man diese Begriffe liest also ob man sie als positiv oder negativ empfindet und das finde ich total interessant dahingehend.

00:32:03: Ich hab mir sehr lange oder mehrere Jahre auch Rechte Medien angeschaut sehr viel Abonnentinnen haben bzw.

00:32:11: eine große Leserschaft haben und da geht es ganz häufig darum, den Osten in Anführungsstrichen wieder positiv zu malen im Sinne von die Begriffe, die du gerade auch genannt hast und die ich jetzt auch nochmal aufgezählt habe autoritär geprägt, homogen nicht so demokratisch, nicht so vielfältig wie Westdeutschland Was ja immer negativ geteignet wurde von den klassischen Medien, wird in den rechten Medien ganz positiv aufgegriffen im Sinne von Jana klar.

00:32:43: Und das wollen wir auch genauso haben und darüber finden wir auch Verbündete... in anderen östlich geprägten Regionen.

00:32:51: Also der Osten kann mal wahlweise Ostdeutschland sein, kann aber auch mal der gesamte ehemalige Ostblock sein ist mal Russland, ist mal Kroatien whatever.

00:33:01: Hauptsache man findet zusammen über so eine vermeintliche Idee wie der Oston so tickt und lädt all das antidemokratisch ganz positiv für sich selber auf.

00:33:12: Und das ist natürlich ein enormes Problem.

00:33:14: Und ein Problem ist auch, dass jenseits der extremen Rechten diese Erzählungen über den Osten so lange kursierten und damit auch eine Verdrossenheit entstanden ist.

00:33:26: Und mangelndes Vertrauen gegenüber den klassischen Medien aus Deutschland aber auch ne Lücke, ne emotionale Lücke entstanden is wo mal anders über den Ostern berichtet wird.

00:33:38: Wo ausgebrochen wird aus diesem Dichotome erzählen.

00:33:41: Und dazu gibt es tatsächlich auch Studien, die sich mit dem Vertrauensverlust und der Mangel an Repräsentationen der Ostdeutschen in den Medien beschäftigen.

00:33:53: Da gibt es eine Studie, den Digital-Kiosk Readly.

00:33:58: Die Studie ist von zwei tausend fünfundzwanzig.

00:34:01: Und da werden mehrere Punkte festgestellt im Mitblick auf wie ostdeutsche ... auf die Medien schauen.

00:34:08: und da geht es eher um Gefühl, also Medienvertrauen und Repräsentation.

00:34:12: Da empfinden sieben von zehn Ostdeutschen sich nicht ausreichend repräsentiert in den klassischen Medien während es in Westdeutschland sechs von zehn sind.

00:34:22: Da kann man sagen okay ist kein Riesenunterschied aber das ist ein signifikanter Unterschied.

00:34:26: Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen Ost- und Westen und es sind schon zehn Prozent.

00:34:31: wie gesagt es geht hier um Gefühle und Stimmungen.

00:34:33: nicht ob das wirklich so isst wird in der Studie auch festgestellt, dass es eben dadurch eine Nachrichtenvermeidung in Ostdeutschland gibt.

00:34:44: Also Ostdeutche geben an, dass sie aus Selbstschutzgründen aktiv Nachrichten vermeiden und eine gewisse Nachrichtenmüdigkeit empfinden bzw.

00:34:55: eine enorme Skepsis gegenüber den Nachrichten.

00:34:58: Und es wird auch festgestellt, dass es gleichzeitig aber ein höheres Vertrauen in regionale Medien gibt und natürlich eine große Affinität den sozialen Medien gegenüber.

00:35:09: Ich finde das daher interessant, weil ich mich jetzt nicht ins typische Wutbürger im Publikum einsortieren würde.

00:35:18: Und gleichzeitig fühle ich ganz viel davon auch.

00:35:20: Ich fühl mich nicht in meiner Meinungsfreiheit eingeschränkt.

00:35:23: Das halte ich für Quatsch.

00:35:25: Aber ... Fühle aus ganz unterschiedlichen Gründen auch keine große Repräsentation in den Medien, aber auch aus Ost- also auch weil ich ostdeutsche bin.

00:35:35: Und das ist erst mal nur ein Gefühl.

00:35:37: ob das so stimmt oder nicht kann Ich dieses Gefühl aber nachvollziehen.

00:35:40: und was ich mir total wünschen würde merke ich in diesem gefühl Ist dass diese lücke die ich vorher beschrieben habe der Repräzentation Dass sie durch einen gutes medium ausgefüllt wird also dass es einen ostdeutes medium gibt was Regional ist überregional zu den ganzen regionalen Besonderheiten berichtet, aber auch einen Blick aufs große Ganze hat.

00:36:03: Ich glaube schon dass der Ostdeutschland ein historisch anders gewachsener Kulturraum erstmal ist, der seine Besonderheit hat im Guten wie im Schlechten und ich würde mich gerne besser dazu informiert fühlen und zwar ohne dass in diese Fallen getappt wird, dass man irgendwie den Osten auf eine bestimmte Weise darstellt zu Gunsten.

00:36:25: Ob es das Medium gibt?

00:36:27: Weiß ich nicht.

00:36:27: Aber ich weiß, ich hab's noch nicht gefunden und ich hab das Bedürfnis, dass diese Lücke ausgefüllt wird.

00:36:34: Es gibt aber Medien die sich ganz explizit auf den Oßen beziehen auch schon im Namen zum Beispiel die ORZ ...

00:36:42: Ich hab noch eine Zwischenfrage dazu!

00:36:45: Ich finde das irgendwie total nachvollziehbar Katharina, was du beschreibst.

00:36:49: Und ich finde dass auch diese Lücke die geschaffen wird, die versuchen jetzt ja Menschen zu füllen und eigentlich ist die ORZ ja auch angetreten mit dem... Ziel, Leitmedium für Ostdeutschland zu werden.

00:37:03: Und aber auch das einzulösen was du beschrieben hast nämlich der Verlag hat angekündigt dass er sich von Ost-West Zuschreibungen, Ostsalgie und Opfernarrativen abgrenzen möchte.

00:37:17: so schafft er das würde ich mich jetzt mal fragen.

00:37:22: Genau und dazu habe ich mit Matthias Meißner gesprochen, der selber Journalist ist.

00:37:29: Der in den neunzehnten Neunzigerjahren lange für die Deutsche Presseagentur in Dresden war Und ich hab ihn genau das gefragt.

00:37:38: Die Aussage allgemeine Zeitung gibt es seit Februar und wir wissen will, was da passiert ist.

00:37:43: Da muss ich anschauen, was seit dem Jahr die Berliner Zeitung mit Volker Friedrich damals hat gekauft.

00:37:56: sehr stark umgebaut.

00:37:58: Der Anspruch der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung ist ein ostdeutsches Leitmedium zu sein und es wird argumentiert, das gäbe eine Repräsentationslücke der OstDeutschen in der Medienlandschaft was durchaus stimmt.

00:38:10: nur bekommen darauf ausführlicher so wie Holger Friedrich den nun auch Verleger der Ost Deutschen allgemeine ist dieses diese Repräsentationslücke füllt.

00:38:22: So ist es aus meiner Sicht Grundfalsch und führt in der totale Schieflage.

00:38:27: Nimm uns mal mit, in einer der jüngsten Ausgaben...

00:38:31: Zugleich bemüht sich die ostdeutsche allgemeine Zeitung aber auch um Gesprächspartner aus dem demokratischen Spektrum.

00:38:41: Es ist ihnen teilweise auch gelungen.

00:38:43: Michael Kritschmer, der sächsische Ministerpräsident hat gleich in den ersten Ausgabe ein Interview gegeben.

00:38:48: Sigmar Gabriel kam vor, Mütze nicht von der SPD kam vor.

00:38:54: also es gibt durchaus auch Politiker im demokratischen Raum die dieses Medium ernst nehmen.

00:39:03: ich finde dass damit eine problematische Normalisierung rechtsextremer Diskurse verbunden ist.

00:39:12: Weil zugleich wird dann auch eben das ganz normal gefunden, dass man total nett über Tino Kropalla schreibt oder auch den Vordenker der neuen Rechten Götz Kubicek interviewt.

00:39:26: Der war ursprünglich für die Berliner Zeitung interviewed worden aber die Ostdeutsche Allgemeine hat das Kubicekt Interview in ihrem Online-Angebot übernommen.

00:39:37: Michael Kretschmer ist kein Rechtsextremer, aber er macht es normal.

00:39:41: Dass mit Rechten geredet wird und macht das zu einem Alltagsgeschehen, dass auch so ein Medium genauso ernst genommen wird wie die Süddeutsche Zeitung oder die Sächsische Zeitung.

00:40:04: Ich werde immer wieder gefragt, wie können wir dieses Ost-West-Ding endlich überwinden?

00:40:11: Braucht es denn das wirklich eine eigene Ostidentität?

00:40:14: und das ist natürlich auch eine eigene Folgewertost-Identität.

00:40:18: Aber ich würde das gerne von Matthias Meisner wissen.

00:40:21: Ist dann diese Ost Identität auf die die ORZ anspielt, ist das überhaupt förderlich?

00:40:28: Der Anspruch der ostdeutschen Allgemeine, diese Repräsentationslücke zu füllen ist formuliert.

00:40:34: Aber er wird aus meiner Sicht nicht eingelöst.

00:40:37: Er wird dann eingelösst wenn man sagt okay Ostdeutsche finden toll dass Putin die Ukraine überfallen hat.

00:40:46: Der Anspruch wird erfüllt.

00:40:50: davon ausgeht, dass die allermeisten Ostdeutschen die AfD wählen oder ersatzweise BSW.

00:40:59: Aber das ist so eine schräge Geschichte und so ein schräges Verständnis von Ostdeutch, dass überhaupt nicht hilfreich ist wenn es darum geht darüber zu diskutieren wie Ostdeutsche verstärkt in den Medienvorkommen.

00:41:17: Interessanterweise haben sich eine ganze Reihe ostdeutscher Regionalzeitungen, die ja tatsächlich im großen Westverlagen erscheinen nach Ankündigung der ORZ oder Nachstaat der OR Z dazu entschieden ihre Ostdeutzschland Berichterstattung zu verstärken.

00:41:35: Wenn die Ostdeutsche Allgemeine das erreicht hat, dann hat sie tatsächlich was Gutes erreicht.

00:41:40: Ist

00:41:41: das Geschäftsmodell der ORZ eigentlich... ...das Marksegment dreißig bis vierzig Prozent AfD-Wählende in den ostdeutschen Bundesländern anzusprechen?

00:41:58: Ich glaube tatsächlich dass viele ostdeutische Regionalzeitungen durchaus auch im Blick haben dass das Land nach rechts gerutscht ist, dass der Osten besonders nach rechts rutscht.

00:42:11: Und es ist jetzt nicht so, dass man davon ausgehen kann, dass eine Mitteldeutsche Zeitung in Halle oder eine Ostsee-Zeitung in Rostock per See AfD feindlich berichten.

00:42:24: Ich finde es manchmal sogar problematisch, dass da eins zu eins Pressemitteilungen in ostdeutscher Regionalzeitungen fließen, aber ja klar wirtschaftlich gedacht ist die ostdeutsche allgemeine so angelegt dieses nach rechts abgedriftete publikum einzufangen.

00:42:49: Mir ist wichtig zu sagen dass sie das auf eine ziemlich verlogene Weise tun.

00:42:57: Erst durch den Abgang des ersten Chefredakteurs der ORZ, Dorian Bargans, geboren im Jahr three-neunzig in Duisburg ist er vielen so klar geworden.

00:43:08: Die haben einen westdeutschen Chefredaktor und das Kuriose ist kaum war der weg wurde als Chefredacteur eingesetzt Philipp Derbion, der ebenfalls ein Westdeutscher ist.

00:43:23: also sie haben es bis heute nicht mal geschafft einen Ost deutschen Chefredaktor oder eine ostdeutsche Chefredakteurin für ihre Zeitung zu finden und behaupten dann Ostdeutsch sei keine Frage der Herkunft, sondern sei eine Frage der Haltung.

00:43:40: Diese Definition von Ostdeutzsch die Holger Friedrich mit seinen Leuten erwählt, die finde ich wirklich schräg.

00:43:47: Also siehst du in diesen drei Monaten, wo es die ORZ gibt?

00:43:52: In der Definition von Ostdeutschland sich herauskristallisieren?

00:43:58: oder ist das eine Fiktion.

00:44:01: Na ja man kann Definitionen... Es ist jetzt so ein großer Begriff!

00:44:04: Man muss sich halt angucken wer in dieser Zeitung Raum bekommt und das sind Einerseits Menschen, die die Politik des Kreml gut finden.

00:44:22: Neben der AfD spielt da tatsächlich das BSW eine gar nicht so unwichtige Rolle eigentlich ist diese Partei ja weitgehend tot in der ORZ lebt sie noch und andererseits Umfeld von AfD, Menschen die nicht unbedingt in der AfD sind aber mit der AfD Sympathisieren bei der AfD auftreten.

00:44:49: Das ist etwa die frühere Grünen Politikerin Antje Hermannau Uwe Tellkamp, Schriftsteller Uwe Steimler und kann das weit fortführen, diese Aufzählung.

00:45:04: Alles Menschen die auch nicht kritisch befragt werden oder kritisch vorgestellt werden sondern wo es immer irgendwie ganz liebevoll alles zugeht.

00:45:16: ich würde mich freuen wenn die Diskussion, die es wegen der ORZ über die Medienlandschaft in Ostdeutschland gibt.

00:45:26: Dazu führt das verstärkt auch in den Redaktionen der etablierten Medien darüber nachgedacht wird.

00:45:34: wie kriegt man eine Berichterstattung hin?

00:45:36: Die nicht nur von außen schaut was im Osten passiert sondern die wirklich auch viele ostdeutsche Stimmen zu Wort kommen lässt?

00:45:46: Ich finde den Aspekt vor Ort zu sein und aus den Orten zu berichten, total wichtig.

00:45:54: Weil das ist ja auch immer eine Kritik und eine absolut berechtigte Kritik, dass über den Osten gesprochen wird und zu wenig aus dem Osten.

00:46:01: Und man kann natürlich ... der Osten ist kein homogene Ort, es ist nicht egal wo man ist im Osten, sondern muss vor Ort sein.

00:46:08: Da sind wir wieder bei dem Thema Lokaljournalismus.

00:46:12: Ich hab jetzt was ganz Positives über den Journalismus gesagt und gleichzeitig merke ich.

00:46:18: Und das ist bestimmt völlig zu unrecht, aber ich höre das Wort Lokaljournalismus und in meinem Kopf stellt sich so eine lange Weile ein, weil ich denke dann steht da sowas drin wie die freiwillige Feuerwehr hat sehr erfolgreich die Katze vom Dach gerettet.

00:46:34: So.

00:46:35: Wahrscheinlich ist es nicht so, aber ... Ich glaube vielleicht hat Lokal-Journalismus ein kleines Imageproblem?

00:46:41: Weiß ich nicht, vielleicht auch gerechtfertigt.

00:46:43: Juli!

00:46:44: Du arbeitest im Vorpommern.

00:46:46: Siehst du dich als Lokaljournalistin?

00:46:48: Ich hab so was Neues für mich erfunden, ich hab die Begrifflichkeit der überregionalen Lokal-Journalisten für mich erfunden ...

00:46:55: Ah, das ist doch geschummelt, oder?

00:46:58: Mir war das in meiner Berufswährung natürlich auch eine riesige Frage.

00:47:01: okay also wenn ich weiterhin Journalismus machen möchte bin ich dann wirklich hier richtig und möchte nicht lieber für die ganzen tollen Medienhäuser in den Großstädten arbeiten.

00:47:12: Und jetzt bin ich aber ganz froh, dass ich mich bewusst fürs Bleiben entschieden habe.

00:47:16: Weil ich hier auf Geschichten stoße wie zum Beispiel letztens ein Jugendzentrum das dichtgemacht hat in einer Stadt die gleichzeitig für Rechtsextreme sehr gefestigte und seit Jahrzehnten gefestigt der Strukturen bekannt ist.

00:47:30: Das bedeutet quasi wenn dann so eine demokratische Struktur wie so einen Jugendzentrem absäuft habe ich aufgeschrieben und dachte ja gut also Na klar, kann man das jetzt irgendwie so als MV-Story labeln.

00:47:43: Aber eigentlich ist das eine Stellvertreterin für Probleme die mindestens die ostdeutschen Bundesländern und perspektivisch auch die westdeutsche Bundesländer trifft.

00:47:53: Und deswegen finde ich das sehr besonders weil wie gesagt hier vor Ort wenige bis keine Leute sind, die eben genau das aufschreiben und damit auch sichtbar machen was hier gerade alles an demokratischen Strukturen verloren geht.

00:48:05: Naja und das ist ja auch genau, muss man jetzt auch sagen einer der Gründe warum wir diesen Podcast machen oder?

00:48:13: Weil wir nämlich auch die Erfahrungen gemacht haben dass viele Leute vor Ort uns erzählen Wir machen hier was im positiven also initiativen Jugendclubs Kultur Und niemand berichtet mehr darüber regional nicht mehr und überregional schon gar nicht.

00:48:34: Und umgekehrt, niemand gibt uns auch eine Stimme!

00:48:37: Also ich finde ein Beispiel – das kommt auch aus Mecklenburg-Vorpommern – wir haben ja in der zweiten Folge über demin gesprochen und die Proteste gegen den Neonaziaufmarsch am achten Mai Und das liegt jetzt, stand unsere Aufnahme heute zwei Wochen zurück und die Frage ist wirklich wer hat denn darüber überhaupt berichtet in MV und überregional?

00:49:10: Und haben wir vielleicht sogar eine Exklusiv-Story.

00:49:14: Also überregonal... Es wird schon immer mehr, muss man auch der Fairness zu sagen.

00:49:19: Und das wird jetzt mittlerweile anders aufgearbeitet.

00:49:22: demien.

00:49:23: aber heike du hast trotzdem recht wir haben eine lokale Journalistin nämlich unsere tolle kollegin lili biedermann nach demien geschickt die einmal wirklich mit den menschen gesprochen hat die da vor ort waren und Das hören wir uns jetzt mal an.

00:49:43: Ich stehe hier auf einer wiese bei demien rundherum ist industriegebiet Und eine Handvoll Menschen hinter mir baut gerade große Zelte auf, Wasserleitungen werden verlegt und die Dixies sind auch schon aufgestellt.

00:49:58: Das sind die Aufbauarbeiten für das Protestcamp rund um den achten Mai.

00:50:02: Es werden etwa zweihundert Menschen erwartet wurde mir gesagt.

00:50:06: Ich stehe hier mit Hans.

00:50:07: Hans lebt seit über zehn Jahren in dem Min.

00:50:10: Ihm gehört die Wiese auf der das Camp hier aufgebaut wird und damit ein Stück von dem Min, wie er selbst

00:50:16: sagt.

00:50:18: Die Mänen hat mich eigentlich fasziniert, dass es eine doch recht schöne Stadt ist.

00:50:25: Und ich liebe's auch wenn hier ab und zu mal die Möwen schreien weil ich dann irgendwie denke naja ja ich bin nicht ganz am Meer aber es ist okay.

00:50:36: Du hast halt hier sehr weitläufige Wasserlandschaften und Moor Landschaften Du hast eigentlich auch so ein bisschen dieses Ambiente jeder Kind leden.

00:50:48: Und das hat mich so ein bischen an den Ort erinnert, in dem ich in meiner Kindheit aufgewachsen bin.

00:50:58: Das ist Freudenheim, das ist ein Stadtteil von Mannheim.

00:51:03: Ja?

00:51:04: Ich glaube als ich hierher gezogen bin war das Durchschnittsalter etwa so alt wie ich ja Und also so irgendwie vierzig, fünfundvierzig und jetzt bin ich aber sechsundfünfzig.

00:51:17: Dann ist halt das Durchschnittsalter denke ich mal jetzt auch höher.

00:51:23: Das ist natürlich irgendwo problematisch und ich sehe auch mit Sorge in die Zukunft.

00:51:27: wie denke ich alle deminer mit Saga in die zukunft blicken Wie diese diese socioökonomische Entwicklung hier in dieser Stadt weitergeht, also Arbeitsplätze teilweise abgebaut oder auch einfach Geschäfte machen zu weil der Eigentümer einfach sagt nee ich brauche nicht mehr und ich will auch nicht mehr.

00:51:52: Was setzen wir dem entgegen?

00:51:56: Und was wird dem jetzt zum Beispiel in den nächsten Tagen entgegensetzen?

00:52:01: ist dass es dass hier eine ganze Menge Leute von außerhalb hierher kommen und hier kämpfen werden.

00:52:10: Und das finde ich toll, also ich finde es einfach durch die Weg

00:52:13: positiv.

00:52:16: Überall in dem Minen auch wenige Meter vom Camp hier entfernt hängen Plakate auf denen steht.

00:52:22: Deminer sind keine Nazis antiverstoppen.

00:52:26: Regelmäßig fahren ja auch Autos mit dem Miner Kennzeichen vorbei.

00:52:29: Von den Insassen schauen manche neugierig andere eher skeptisch, auch Hans erzählt von Gesprächen kritischen Nachbarn.

00:52:40: Ja die sind halt der Meinung dass man diesen Trauermarsch, der ja außer Indemien eigentlich nur noch in Dresden stattfindet vom Ultra-Rechts das man so etwas wegschweigen könnte und das ist natürlich politisch journalistisch Ist das halt purer Unsinn, sowas zu glauben?

00:53:10: Weil Öffentlichkeit so nicht funktioniert.

00:53:14: Deswegen müsste sich eigentlich von den Bürgern der Minen der Widerstand eigentlich dagegen richten primär dass ja der Trauermarsch von rechts nichts stattfindet weil dann auch zumindest mal ein Aspekt des achten Mais nämlich dieser sehr stark antifaschistische Aspekt, ja dann auch eben in den Hintergrund rücken würde.

00:53:42: Ich

00:53:44: habe gerade noch mal mit Rosa gesprochen.

00:53:46: Rosa ist Pressesprecherin des Bündnisses das seit vielen Jahren die Proteste hier gegen den rechtsextremen Traumarsch organisiert.

00:53:54: und ich hab Rosa gefragt wie wollt ihr denn hier mit diesem Camp die Leute vor Ort erreichen also die Deminerinnen und deminer?

00:54:02: In den letzten Jahren hatten wir immer so ein paar gewisse Probleme, also zum einen Leute die von weiter weg kamen.

00:54:08: Die mussten immer relativ früh schon wieder weg vom achten Mai der Demonstration und vor allem auch von der Befreiungsparty hinterher.

00:54:18: Das ist der eine Grund, warum wir hier dieses Camp gemacht haben.

00:54:20: Der andere Grund ist dass wir dafür sorgen wollen das Menschen von außerhalb sich besser mit den Leuten vor Ort vernetzen und da ist so ein Camp wo die dann für ein paar Tage sind eigentlich ne sehr gute Möglichkeit.

00:54:34: Für den neunten Mai haben wir geplant, quasi so eine Art offenes Camp zu machen.

00:54:39: Da wollen die Menschen einerseits zum leckeren Essen hier einladen, zum anderen gibt es aber auch ein spannendes Programm mit Vorträgen zur Erinnerungskultur in und außerhalb von der Mien, mit Workshops zu ganz verschiedenen Themen ja und einfach allgemeinem Raum in dem man ins Gespräch kommen kann indem man sich kennenlernen kann.

00:55:09: Vielen Dank noch mal an Lilly.

00:55:11: Die Besonderheit des Beitrags, die wir haben ist dass sie wirklich mit den Menschen also einerseits mit einer Person gesprochen hat, die beim Aktionsbündnis achter Mai für die Presse zuständig ist und einem Menschen der sich da einfach immer vor Ort engagiert und diesen Menschen gehört zu verschaffen.

00:55:31: Mir sind diese kleinen Geschichten von Vorort natürlich auch wichtig und ich höre dir viel zu selten solchen Protestaktionen, Demien aber auch von anderen engagierten Personen natürlich gerne sehr viel mehr mitbekommen.

00:55:45: Und gleichzeitig ist es auch für ... und gleichzeitig ist das total wichtig dass die Leute vor Ort, die kennen ihre Sachen die passieren, eine andere Einordnung von Phänomenen bekommen.

00:56:02: Es gibt ne Studie Über die gerade berichtet wurde, da geht es um das Verhältnis von Lokaljournalismus und demokratiefeindlichen Positionen.

00:56:12: Beziehungsweise ganz konkret gesagt Die Tese der Studie ist, umso weniger Lokal-Journalismus es gibt, um so stärker wird die AfD.

00:56:21: Und das ist eine Studie, die wurde in Baden-Württemberg geführt also weit weg vom Osten aber natürlich trotzdem sehr vergleichbare Phänomene.

00:56:31: sehr klar, also da wurde die Landtagswahl- und es wurden signifikante Unterschiede festgestellt in Regionen wo es noch Lokalzeitungen gab.

00:56:46: Und wie häufig dort die AfD gewählt wurde im Vergleich dazu wo es keine Lokal Zeitung mehr gab also eine Nachrichtenwüste herrschte und die AfD Jenseits von allen anderen Faktoren, die es natürlich auch gibt.

00:57:01: Also Lokalmedien sind nicht der einzige Faktor.

00:57:04: aber jenseits vom all den anderen Fakten kann man trotzdem innerhalb dieser Studie feststellen dass das vorhandene sein von lokalen Medien ein eigenständiger und signifikanter Faktore im Wahlverhalten sind.

00:57:18: Und es liegt eben daran, dass Lokalzeitungen unter anderem die Möglichkeit haben.

00:57:23: Bestimmte Kandidatininnen, die aufgestellt sind noch mal ganz anders einzuordnen und auch deren Narrative oder Selbsterzählungen noch mal kritisch zu hinterfragen was ja total ein wichtiger Faktor in der Demokratie ist.

00:57:37: Ich glaube, der zentrale Satz dieser Studie ist ja auch wirklich da wo Lokaljournalismus stirbt.

00:57:45: Da wächst die AfD.

00:57:47: Das jedenfalls sagt der Wüstenradar von der Hamburg-Midner School und wenn wir jetzt nach Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt gucken dann können wir das glaube ich leider eins zu eins sozusagen bei der Verstebungen

00:58:06: Leider ja.

00:58:08: Ich merke, ich brauche mal was Positives und etwas aus unserer Kategorie MutmacherInnen.

00:58:16: Es gibt natürlich immer noch Lokaljournalismus in Sachsen-Anhalt.

00:58:20: Und da gibt es auch ganz tolle Beispiele.

00:58:23: Eines davon ist das Radio Korax in Halle in Sachsene-Aanhalt.

00:58:26: Das ist ein freies Radio.

00:58:28: Und ich würde gerne von denen hören, wer sie eigentlich sind.

00:58:31: Radio Kurax ist ein freies, nicht kommerzielles Radio in Halle an der Saale.

00:58:36: Seit sechsundzwanzig Jahren senden wir hier vierundzwantig Stunden Programm am Tag und es geht eben nicht um Quoten, um Werbung oder um Profit sondern wir sind unabhängig, wir sind selbst organisiert und getragen von den Menschen die das selber machen.

00:58:52: Radio Kuraks ist ein Ort für alle, die etwas zu sagen haben in ihren eigenen Worten, in ihren eigen Sprachen Ein Ort für Perspektiven von Menschen, die in unserer Gesellschaft mit ihren Stimmen sonst vielleicht auch weniger Gehör finden.

00:59:08: Musikabselts von Mainstream und Themen, die bewegen Herausforderungen, die uns auch gesellschaftlich manchmal trennen aber eben auch verbinden.

00:59:17: Und als lokale Plattform Für über vierhundert ehrenamtliche Vereinsmitglieder fördern wir Hier in Halle den offenen Austausch versuchen die Vielfalt an Perspektiven an Halle und auch in Sachsen-Anhalt sichtbar zu machen.

00:59:32: Und dabei ist es uns wichtig, uns aber auch zu positionieren gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und gegen völkische Propaganda – das ist also etwas, worauf wir uns einigen.

00:59:43: Unser Anspruch ist gemeinsam über das Programm zu entscheiden allen Menschen, die wollen den Zugang zur Medienöffentlichkeit ermöglichen.

00:59:52: Also in dem Sinne machen wir auch viel Workshops, in denen Menschen lernen können wie sie selber Radio machen können.

00:59:59: es gibt spezielle medienpädagogische Angebote.

01:00:02: so senden zum Beispiel auch Kinder und Jugendliche ihre ersten Beiträge hier.

01:00:07: Es gibt inklusive Radioredaktion Es gibt ein mehrsprachiges Radioprojekt.

01:00:12: Bei uns gibt es viele auch Redaktionen Die Kollektivarbeiten, die diskutieren Und wir versuchen uns auch immer darin neue Sachen auszuprobieren, neue Formate, Live-Sendungen aus dem öffentlichen Raum.

01:00:25: Ein Projekt was ich ganz besonders finde an Radio Korax ist das Projekt Come in Voices wo geflüchtete Menschen das Radioprogramm gestalten und auch dazu würde ich total gerne mehr hören.

01:00:36: Kammernvoices Radio ist eine mehrsprachige Radiosendung von Geflüchteten und Migrantinnen aus Halle und Umgebungen.

01:00:45: In der Sendung und Redaktion geht es um Themen, Fragen und Erfahrungen die für migrantische Community in Halle wichtig sind.

01:00:54: Gleichzeitig ist Kammern Voices auch ein Treffpunkt an den Menschen durch gemeinsames Radiomachen zusammenkommen sich austauschen können.

01:01:04: Ziel ist es hier Radio als Brücke für mehr Verständnis und Austausch zwischen Menschen und Communities zu nutzen.

01:01:13: Gegründet wurde Common Voices im Jahr Nachdem es aufgefallen ist, dass migrantische Stimmen in den Medien und auch Kuraks oft unterrepräsentiert sind.

01:01:25: Deshalb wurde ein Raum geschaffen, indem Menschen ihre eigene Geschichten und Perspektiven dann selbst erzählen können.

01:01:33: Die Sendung läuft jeden Donnerstag von funkzen bis siebzehn Uhr Und in diese zwei Stunden Sendung werden ganz unterschiedliche Themen behandelt, also von persönlichen Geschichten und kulturellen Interessen der Sendungsmachenden bis zu politischen Themen- und gesellschaftliche Diskussionen.

01:01:53: Dadurch entsteht ein vielfältiges Programm mit vielen verschiedenen Perspektiven und Stimmen.

01:02:01: Wirklich dazusagen, die AfD hat so viel Angst vor freien Radios.

01:02:08: Und gerade auch vor Radio Korax, dass sie in dem langen Kapitel ... Dass sie der Umbau und der Abschaffung der Medien, wie wir sie kennen im Sachsen-Anhalt in ihrem Regierungsprogramm gewidmet haben, Radio Korrax ein eigenes Unterkapitel gewidmit haben.

01:02:27: Da heißt die Überschrift Radio Korax den Geld ranzudrehen.

01:02:34: Ich habe euch aber natürlich selbstverständlich auch noch ein positiv Beispiel aus Mecklenburg-Vorpommern mitgebracht, nämlich den Rostocker Stroheim und mit dessen Chefdirektor Morten Hübe gequatscht.

01:02:45: Der hat mir erzählt dass es den Stroheim seit dreißig Jahren gibt und das das die einzig noch verbliebene Straßenzeitung in MV ist, gegründet in den neunzigern weil diese Situation Damals natürlich war das viele Menschen ihre Arbeit verloren haben und die Idee, dass man jetzt eine neue Struktur schafft.

01:03:03: Da aus dieser Idee heraus ist der Stroheim entstanden und ich habe ihn gefragt was den Stroheim jetzt eigentlich so besonders und so wichtig macht als Lokalmedium?

01:03:12: Als Rostocker Straßenzeitung isst er Stroheim über lokal und als Monatsmagazin auch nicht an Tagesaktualität gebunden oder geknüpft.

01:03:26: Das macht ihn so besonders, weil der Strohhalm Blick richten kann auf Dinge die nicht täglich brennen und sich in gewisser Form auch Zeit nehmen kann für Geschichten zu erzählen, zu recherchieren.

01:03:43: Leute vorzustellen, Projekte vorzustellend, Ideen vorzustelle.

01:03:48: Und das finde ich funktioniert in der Medienlandschaft, Wirklich sehr dünn gesehen ist nicht besonders gut.

01:03:58: Was ich mir deshalb wünsche für die Medienlandschaft hier im Land, ist mehr Ausgewogenheit.

01:04:06: Nicht nur dieses schnelle Feuern von vielleicht gar nicht so gut gescherchierten Informationen und Geschichten sondern ein bisschen mehr Ruhe, ein bisschen eher Vielfalt Ein bisschen mehr Blick über den Tellerrand hinaus Genau, ein bisschen Blick

01:04:27: auch auf

01:04:28: die Menschen.

01:04:29: Ich habe ganz oft das Gefühl, dass Themen gefeuert werden, die zwar in irgendeiner Form relevant sind aber dass es gar nicht so sehr um die Menschen im Land geht und ich finde das ist kein guter Lokaltonismus wenn das lokale Finale sich tut.

01:04:51: Ich fand das total spannend, auch noch mal dahingehend zu sehen wie vielfältig und schön Lokaljournalismus sein kann.

01:04:58: Und auch wie wichtig es ist von vor Ort zu berichten, auch hinsichtlich der bevorstehenden Wahlen.

01:05:05: Das ist unser Anspruch als Kipppunkt Ost – das war die dritte Folge zum Thema Medien!

01:05:10: Wir bedanken uns wirklich herzlich bei allen, die uns gehört haben unterstützen, weil ihr wisst es ja unabhängiger Journalismus braucht tatsächlich auch Geld.

01:05:25: Ihr findet unsere Steady-Daten direkt in den Shownotes.

01:05:30: sagt allen wie ihr kennt das es uns gibt!

01:05:34: Das wird uns mega freuen und ihr könnt die Episoden liken und teilen.

01:05:41: und an dieser Stelle auch eine herzlichen Dank an Benny der diesen Podcast für uns schneidet.

01:05:47: Dann sagen wir tschüss bis zur Folge vier,

01:05:50: ciao!

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