Kipppunkt Ost – Folge 8: Queer aufm Dorf!
Shownotes
Queeres Leben in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ist seit Langem gezielten Angriffen ausgesetzt: durch die AfD und andere rechtsextreme Akteure, durch den Entzug von Fördergeldern für Beratungs- und Anlaufstellen und gewalttätige Angriffe auf LGBTIQA+, queere Treffpunkte, Bars und CSDs.
Aber es gibt auch aktive Engagierte, die dagegenhalten: In Episode 8 sprechen wir mit Christian und Alice von Queerstrelitz e.V. als Mutmacher*innen über queere Selbstbehauptung und Mut – auch unabhängig von den Landtagswahlen, sondern im Alltag. Über die Bedeutung von CSDs in kleineren Städten wie Naumburg und Solidarität nach dem tödlichen islamistischen, queerfeindlich motivierten Anschlag auf den CSD in Berlin sowie die existenziellen Bedrohungen für Community-Organisationen und Beratungsangebote nicht nur im Fall einer AfD-Landesregierung spricht Marcel Dörrer, Sprecher des Lesben-, Schwulen- und Queerpolitischer Runder Tisch Sachsen-Anhalt (LSQpRT).
Die tödliche Dimension von Queerfeindlichkeit ist durch den islamistischen Anschlag auf den CSD in Berlin mit einer getöteten Frau und 31 zum Teil schwer verletzten Überlebenden auf brutale Weise auch außerhalb der betroffenen Communities deutlich gemacht worden. In #Episode 8 geht es auch um geheuchelte Politiker*innen-Trauer, mangelnden Schutz, notwendige Solidarität und Sichtbarkeit.
Gäste und Zitatgeber*innen
Christian und Alice von Queerstrelitz e.V. – für queere Menschen und deren Freunde
Luna Möbius, queere Aktivist*in und Content Creator*in aus Sachsen-Anhalt
https://www.instagram.com/luna.moebius/
Marcel Dörrer, Sprecher des Lesben-, Schwulen- und Queerpolitischer Runder Tisch Sachsen-Anhalt (LSQpRT) und Mitglied im Vorstand der Aidshilfe Halle (S.)
Shownotes:
Queere Stimmen nach dem Anschlag
Luna Möbius : Gedanken zum CSD in Berlin
Barbie Breakout: Heute trauern wir, morgen kämpfen wir (taz 27.7.2026)
Luna Möbius, Reiner Neumann, Carmen, Gianni Iovanovic: Arsch hoch, Mund auf (taz 1.8.2026)
Forderungskatalog: 10 Sofortmaßnahmen für queere Sicherheit
LSVD⁺-Bundesverband Verband für queere Vielfalt e.V.
Queerer Alltag in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt
Reportagen und Interviews
CSD in Sachsen-Anhalt„Polizeipräsenz, weil man uns schützen muss“ (taz 1.8.2026)
Queeres Leben in Sachsen-Anhalt (youtube Kanal, taz.de vom 10.8.2026)
„ich werde bunt bleiben und laut“ Queeres Leben in Sachsen-Anhalt (Süddeutsche Zeitung/jetzt vom 10.8.2026)
Queerer Alltag in Neubrandenburg: Flagge zeigen: Marcel Spittel (veto-mag.de) 2024
Landtag MV bricht Sitzung nach queerfeindlichen AfD-Äußerungen ab – Spiegel
LSVD Vielfaltscheck Landtagswahl MV (Vorjahresausgabe, zur Orientierung)
Was tun: CSDs und Prides besuchen, Spenden, Petitionen unterschreiben
CSDs in Sachsen-Anhalt im August und September 2026
22.8. CSD in Magdeburg
12.9. CSD Halle (Saale)
26.9. CSD Stendal
CSDs in Mecklenburg-Vorpommern im August und September 2026
15.8. CSD in Neustrelitz
12.9. CSD in Wismar
27.9. Alternative Pride in Greifswald
Spendenaufruf: LAMDA retten: Lambda Bundesverband steht vor dem Aus
Campact Petition: Schutz queerer Menschen ins Grundgesetz
Weitere Anlaufstellen:
Queerstrelitz e.V. – für queere Menschen und deren Freunde
QueerNB e.V. – dein queerer Verein in Neubrandenburg
LAMBDA Mitteldeutschland – dein queerer Jugendverband
Queer Guide Mitteldeutschland (BBZ Lebensart Halle)
Analysen zu Queerfeindlichkeit
Nie wieder still gegen Queerfeindlichkeit
Autor*innen: Autorinnenkollektiv Feministische Intervention (AK FE.IN) 2026
Queerfeindlichkeit sichtbar machen: Sicherheitsreport zu rechtsextremen Angriffen auf CSDs
Hg.: Amadeu Antonio Stiftung 2025
Queerfeindliche Gewalt in Sachsen-Anhalt
Mobile Opferberatung
Scheiben von "Regenbogencafé" des LSVD+ in Magdeburg am 1.8.2026 schwer beschädigt
Jahresbilanz rechte Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern
Urteil 5 Jahre nach queerfeindlichen Angriff in Altwarp
LOBBI MV
Brandanschlag auf "B Sieben" in Rostock – queer.de
Transkript anzeigen
00:00:00: Kipppunkt heißt erst mal, dass ein System seinen Zustand
00:00:03: schlagartig
00:00:04: verändert.
00:00:04: Ein positiven Kipp-Punkt?
00:00:06: Kipp Punkt!
00:00:07: Das Osten ... Kipp punkt ist Ost.
00:00:08: Die kippe ich mir einfach so rein.
00:00:11: Also
00:00:11: der Kippspunkt
00:00:12: sozusagen... Hallo hallo hallo herzlich willkommen zu Kippunkt Ost Der Podcast begleitend zu den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
00:00:21: Mein Name ist Katharina Wader Und wir sind heute bereits in der achten Folge und sprechen über den Schutz von queeren Leben.
00:00:29: Mein Name ist Julie Katz und ich habe euch Stimmen aus der queeren Community aus dem ländlichen Raum Mecklenburg-Vorpommern mitgebracht, die sowohl benennen welche Herausforderungen ihnen begegnen als auch was sie dagegen unternehmen.
00:00:42: Und ich bin Heike Kleffner und für diese Folge wollte ich wissen, in welcher Situation die queeren Communities in Sachsen-Anhalt sind.
00:00:52: Insbesondere auch nach dem Anschlag in Berlin und welche Auswirkungen dieser islamistische queerfeindliche Anschlag möglicherweise auf die Landtagswahlen in Sachseneinheit und Mecklenburg Vorpommern haben
00:01:07: könnte.".
00:01:15: Wir haben diese Folge schon länger geplant.
00:01:17: Und ich hatte mich auch total auf die Folge gefreut, denn es geht ja ganz viel um Widerstand an Orten, wo man's nicht unbedingt vermutet aus den ländlichen Regionen und darum solls auch in dieser Folge gehen.
00:01:31: Aber wir haben jetzt die Folge aus traurigen Anlass nach vorne gezogen und müssen über diesen Traurigen-Anlass sprechen nämlich den Anschlag beim Berliner CSD.
00:01:43: Ich weiß noch genau, wie es in der Stadt war.
00:01:45: Also im CSD-Wochenende in Berlin gewesen und ich war auch dort... Die sind immer wahnsinnig schön!
00:01:50: CSD in Berlin finde ich Wahnsinnig Schönes total bunt.
00:01:53: Viele Menschen sind auf der Straße, viele demonstrieren, feiern und es ist eine wahnsinnige schöne Stimmung.
00:02:00: Ich weiß nicht ob ihr die Berliner CSDs kennt?
00:02:03: Ich kenne viele Menschen, die da hingehen und ich find sie wichtig.
00:02:08: Total Und so.
00:02:10: ich komme aus dieser bunten Atmosphäre und wollte eigentlich abends auch noch auf eine Party gehen, eine CSD-Party im Berghain.
00:02:16: Ich habe mich dann dagegen entschieden und bin ins Kino gegangen mit einem Freund und komme aus dem Kino – und ich erinnere mich noch, das ist in Berlin Mitte gewesen – die Stimmung hat sich um hundertundachtzig Grad gedreht.
00:02:26: Also es ist niemand mehr auf der Straße.
00:02:29: und dass es eine belebte Gegend.
00:02:30: eigentlich müssten Leute da sein und vor allem ist wahnsinnig viel Polizei da!
00:02:36: Dabei nichts gedacht.
00:02:37: erst mal, mir ist das aufgefallen.
00:02:38: Aber so richtig konnte ich das nicht einordnen und bin nach Hause.
00:02:41: Und hab ganz viele Nachrichten gelesen... ...und hab dann gesehen was passiert ist.
00:02:47: Das war absolut erschreckend!
00:02:48: Also was es passiert?
00:02:49: Ihr wisst es ja alle.
00:02:50: Am fünfundzwanzigsten Juli, zwei tausend sechsund zwanzig bei Berliner CSD rast einen Mann mit einem kleinen Bus in eine Menge von Menschen im Tiergarten.. ..und greift danach Menschen mit einer Machete an.
00:03:02: Du weißt schon, total brachial ist mit einer Machete.
00:03:05: Und ihr kennt sicherlich auch diese Szenerie.
00:03:07: Das ist die Demonstrationszug Richtung Siegesäule.
00:03:11: Der ist richtig groß, richtig bunt und eine Seite davon ist der Berliner Tiergarten.
00:03:16: Und da zieht man sich manchmal zurück, während der Demonstration noch oder danach ruht sich aus.
00:03:21: Trift sich mit Freundinnen, feiert dort weiter, redet mit Menschen, trifft neue Leute
00:03:27: etc.,
00:03:28: und in diese Szenerie rast dieser Mann mit seinem kleinen Bus und trifft auf ganz viele Menschen und steigt danach aus und geht auch noch mit einer Machete auf Menschen los.
00:03:38: Dabei stirbt eine Frau und einunddreißig weitere Menschen werden verletzt – und einige davon sogar schwer!
00:03:45: Das ist natürlich total heftig.
00:03:48: Und ich weiß noch, dass ich danach immer wieder die Nachrichten aktualisiert habe und wissen wollte was es passiert.
00:03:54: wie viele Menschen sind verletzt, immer mehr steigen die Zahlen und wer ist eigentlich der Täter?
00:04:00: Und dabei ist die Frage total irrelevant denn das war ganz klar diese Tat ist politisch.
00:04:09: recht schnell allen klar.
00:04:11: Denn der Verdächtige war den Behörden eigentlich schon bekannt, als islamistische Gefährder eingestuft und erst zwei Monate vorher ist er wegen einer Planung eines Anschlags verurteilt worden.
00:04:24: Und eben am Tag nach dem Anschlag beim CSD soll er festgenommen werden und beim Festnahmeversuch wurde er von der Polizei erschossen.
00:04:33: Soweit die Fakten
00:04:34: ... Kanntest du auch Menschen, die vor Ort dabei waren?
00:04:39: Ich kannte einige Personen, die da waren.
00:04:42: Also viele Freundinnen von mir waren da.
00:04:44: Denes welchen Glück nichts passiert.
00:04:46: und eine Person war auch da, die ich kenne und die ich sehr, sehr schätze.
00:04:50: Und das war Luna Möbius.
00:04:51: Und Luna Møbius hat auf dem CSD gesprochen.
00:04:55: Luna kommt eigentlich aus Sachsen-Anhalt genauso wie ich.
00:04:58: Hat viele Jahre in Halle gelebt und dort sich auch für die Grüne Jugend engagiert.
00:05:03: In diesem Zusammenhang hatte ich Luna kennengelernt weil sie mich eingeladen hatte zu einer Veranstaltung.
00:05:08: Und Luna ist seit sehr vielen Jahren als Transfrau sehr sichtbar und engagiert sich der Sichtbau für queere Rechte und gegenrechts.
00:05:14: Und hat eben den CSD in Berlin eröffnet.
00:05:18: Ich hatte dann auch geschaut, was Luna dazu sagt.
00:05:22: Denn Luna hatte viel veröffentlicht von ihrer Rede die wirklich ganz, ganz toll ist und ich allen nur empfehlen kann nochmal nachzuhören auf ihrem Instagram-Account und hatte auch ein Video veröffentlich im Anschluss an den Anschlag.
00:05:35: könntest du uns da nochmal abholen und uns einmal genauer erklären, was sie gesagt hat?
00:05:40: Gerne.
00:05:41: Luna spricht erstmal kritisiert erst mal ganz stark die Vereinnamung dieses Anschlags und zwar von verschiedenen Seiten.
00:05:47: auf der einen Seite kritisieren Sie die Berichterstattung vor allem von Online-Creatorinnen dazu gehören auch progressive Stimmen, echten Journalistinnen sind.
00:05:59: Und die Aufmerksamkeit, die jetzt auf dem Anschlag ist, irgendwie genutzt haben um einen eigenen Tag rauszubringen und damit auch Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
00:06:06: Das ist eine geläufige Praxis aber völlig unangemessen in diesem Zusammenhang.
00:06:11: Vor allem verbreitet das ganz viele Mutmaßnungen falsche Einordnungen und eben auch Fake News von Leuten, die nicht geschult sind im Feld.
00:06:19: Nun er kritisiert auch die Vereinnahmung auf der anderen Seite nämlich von Menschen den Anschlag nutzen, um Erzählungen die rassistisch oder fremdenfeindlich aufgeladen sind zu verbreiten.
00:06:31: Also wie ... und jetzt hätt ich sie, die Leute, die sagen Migration ist die Mutter allen Übels oder der Angriff ist ein Angriff auf die liberale Demokratie.
00:06:41: Wir lassen zu viele Menschen ins Land.
00:06:43: Und Luna sagt sehr klar hier machen die Falschen das Maul auf und zwar immer nur dann wenn es ihren eigenen Narrativ dient.
00:06:50: Und fragt auch wo seid ihr denn gewesen?
00:06:53: Wenn queere Bars, queere Menschen angegriffen wurden von Rechtsextremen?
00:06:56: und nennt er auch viele Beispiele Denn es gibt viel zu viele Beispiele dafür.
00:07:01: Und in dem Zusammenhang spricht sie auch nochmal das Statement des Bundeskanzlers an.
00:07:07: Ihr könnt euch sicherlich erinnern, oder?
00:07:09: Hol mich noch mal ab!
00:07:10: Ich habe eine schlimme Sätze in Erinnerung...
00:07:15: Da hast du total Recht, Halke.
00:07:18: Aber natürlich hat Friedrich Merz danach ein Statement veröffentlicht was häufig kritisiert wurde Einerseits dafür, dass es recht wage ist und auch irgendwie eine doppelmoral darstellt.
00:07:31: Denn die CDU ist nicht gerade für queere Rechte sichtbar geworden Und vor allem setzt er sich auch nicht für den Schutz von queeren Menschen ganz deziziert ein.
00:07:42: Ich erinnere nur an Debatten auch im Vorfeld wie hier nenne ich nur Buzzwords Die Ringbogen fahre ne Zirkuszelldebatte.
00:07:50: Also ganz ganz unterirdisch So.
00:07:52: und Lula sagt Lieber Bundeskanzler, und das finde ich total wichtig jetzt.
00:07:58: Wir sind nicht Feierende!
00:07:59: Denn davon spricht Friedrich Merz, also er versucht es einzuordnen und selbst da gelingt ihn nicht mal eine vernünftige politische Einordnung des CSDs.
00:08:07: Lieber Bundesskanzlern wir sind nicht feiernde, wir sind demonstrant innen.
00:08:11: aber ja man darf das Leben auch feiern und auf einer Demo und trotzdem ist der CSD politisch Und das finde ich so wichtig.
00:08:21: Aber war nicht der CSD auch dafür gedacht gleichzeitig Party und Demo zu sein?
00:08:25: Histotisch gesehen?
00:08:26: Ja, total!
00:08:27: Aber das macht es ja nicht weniger politisch.
00:08:29: Es ist total wichtig, diese Gleichzeitigkeit zu denken und gerade diese Gleichzeitigkeit ist auch politisch!
00:08:36: Also der CSD ist eine bunte Parade die eine zentrale politische Demonstration für die Rechte, für die Sichtbarkeit in die Gleichstellung von lesbischen Schwulen bissexuellen trans- und intergeschlechtlichen queeren und asexuellen Menschen isst und damit auch ein sehr zentrales Sprachrohr gegen Diskriminierung.
00:08:54: Und der CSD ist ja entstanden, historisch gesehen in Anlehnung an den Aufstand in der Christopher Street, neunzehntneunzechzig – und ist ganz betont bunt, gräll und laut als bewusster Gegenantwurf zu einer Geschichte die eben geprägt ist von Verfolgung und von Verheimlichung der eigenen Identität.
00:09:17: Genau dieses Feiern, Bund auftreten, laut aufteten – ein ganz wichtiges politisches Mittel.
00:09:24: Und dieser Anschlag richtet sich gegen exakt all dem.
00:09:28: Gegen die Sichtbarkeit, gegen die Vielfalt, gegen das Auftreten und gegen die Existenz von queeren
00:09:34: Menschen.".
00:09:35: Wie bewertet Luna das jetzt?
00:09:37: Sagt sie dazu auch was?
00:09:39: Sie spricht erst mal davon, wie beschissen es ist sich mit Friends zu verabreden.
00:09:44: Eine gute Zeit zu haben und dann am Abend eben genau den eigenen Freunden und der Familie schreiben zu müssen ob man selber sicher ist, ob die sicher sind und sagt hey das is total scheiße!
00:09:55: Und trotzdem lass ich mir keine Angst machen auch wenn mir das total schwer fällt.
00:10:00: Und Luna spricht eher davon dass sie aus dieser Angst Wut zieht Und sie ist wütend auf ein System, das eben versucht uns gegeneinander auszuspielen und benennt auch nochmal ganz klar.
00:10:12: Wenn es der Bundesregierung wirklich um den Schutz queerer Menschen ginge dann würden Sie zum Beispiel bestimmte Förderungen nicht streichen was Sie exakt zur gleichen Zeit getan haben wie der Selbstorganisation Lambda oder den Aktionsplan, quer leben der Bundesregierung einzustreichen.
00:10:28: Oder eben das Bundesprogramm Demokratie Leben was unter anderem eben auch Quereprojekte fördert.
00:10:34: und ich möchte die Luna nochmal ganz konkret zitieren mit einem sehr starken Abschlussstatement wo sie sagt Was muss denn noch passieren dass wir es endlich mal geschickt haben?
00:10:45: Dass das Problem Extremismus heißt lasst uns wütend sein auf diejenigen Die unsere Wut wirklich verdient haben.
00:10:51: lass uns zusammenstehen Lass uns aus dieser Wut organisieren, lasst uns gedenken.
00:10:57: Lasst uns den Schmerz spüren und nehmt euch mal in den Arm.
00:11:01: Seit füreinander da ... Ich bin nicht mehr bereit mich ausspielen zu lassen von denenjenigen, die einen Scheiß dafür tun, dass ich in Sicherheit leben
00:11:11: kann.".
00:11:12: Also da eigentlich Kraft schöpfende Worte?
00:11:15: Ja absolut!
00:11:16: Und ich finde das ... Luna da sagt, hat ja auch eine enorme Kraft nämlich auch zu sagen das wofür der CSD ja steht oder die vielen CSDS und Praltparaden ist ja auch ein Entwurf für ne Zukunft.
00:11:36: Ja?
00:11:36: Für ne Gesellschaft in der wirklich alle gleiche Rechte haben und ebenen Normalität ist unterschiedlich zu sein.
00:11:47: Die Kraft höre ich auch von vielen Freundinnen, von mir.
00:11:53: Die aus den ländlichen Regionen kommen und
00:11:56: die
00:11:57: gerade deshalb so gerne in Großstädten wie Berlin oder Hamburg bei den CSDs dabei sind weil sie da eben Kraft schöpfen und weil Sie das Gefühl haben mal keine Einzelkämpferin zu sein.
00:12:14: Und ich zitiere da jetzt Marcel Dörrer, mit dem habe ich für diese Folge gesprochen.
00:12:20: Der ist einer der Sprecher des Lesbenspulen und queerpolitischen Rundtisch in Sachsen-Anhalt und engagiert sich auch schon lange zum Beispiel im Vorstand der AIDS Hilfe in Halle.
00:12:33: und
00:12:34: er hat gesagt Gerade die CSDs sind auch ein Ausdruck davon, dass es auch bahnbrechende Veränderungen gegeben hat in den letzten Jahren.
00:12:43: Also seit ein paar Jahren gibt's nämlich im Sachsen-Anhalt in fast jeden Landkreis auch einen CSD und das war in den Ninzehunderten, neunzigern und zweitausender Jahren komplett anders.
00:12:56: Da gab es allenfalls in Halle und Magdeburg CSDS.
00:13:01: und Marcel sagt Damit verbinden sich immer auch zwei Botschaften an queere Menschen im ländlichen Raum.
00:13:08: Ihr müsst eben nicht nach Berlin, Halle oder Dessau fahren um für queere Rechte einzustehen.
00:13:15: und gleichzeitig gibt es halt auch eine Botschaft an die anderen Bewohnerinnen in Kleinstädten und Dörfern Auch in euren gemeinen leben selbstverständlich queere menschen Nicht nur entfernen Großstädten.
00:13:27: uns glaubt Juli dass ja ob was was du wahrscheinlich aus MV ganz gut kennst, oder?
00:13:34: Genau.
00:13:35: Und ich glaube das ist auch maßgeblich dafür um darüber zu sprechen welche Auswirkungen das auf die Landtagswahlen haben wird weil natürlich kennen wir hier im ländlichen Raum die Zahlen und wissen dass queerfeindliche Angriffe und Betrungen in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen sind.
00:13:52: Wenn man mal in die Jahresstatistiken der Opferberatungsstellen von Lobby-MV und der mobilen Opferverratung guckt, dann gibt es eine Überschneidung.
00:14:01: Und die ist die Information, dass monatlich im Schnitt ein bis zwei Angriffe in beiden Bundesländern stattfinden.
00:14:10: Auch hier wieder dahin war es.
00:14:11: das sind ja also die Zahlen, die wir kennen.
00:14:15: Es gibt noch ganz viel wo drüber man spricht und was auch passiert aber was da nicht gemeldet wird.
00:14:20: Ja und letztendlich auch nochmal mit Bezug auf das Statement von Luna und jetzt die Zahlen, die du gerade genannt hast, Julina.
00:14:28: Da spiegelt sich ja auch wirklich so eine politische Entwicklung wieder in der queere Menschen und des Eintreten für die Rechte von LGBTQA plus als Feindbilder konstruiert werden.
00:14:47: Also wirklich ein Feinbild was keineswegs auf die extreme Rechte beschränkt ist.
00:14:54: Das sehen wir leider auch ganz auf schreckliche Weise bei dem eslamistischen Anschlag in Berlin und ein Feindbild, was auch bis tief in die CDU hinein
00:15:08: reicht.".
00:15:09: Und was sind das für Leute, die sich da dagegen positionieren?
00:15:12: Es gibt eine wirklich spannende Analyse von dem Autorinnen-Kollektiv feministische Interventionen Und die würde ich gerne einmal zitieren, weil sich die Entwicklung der letzten Jahre ganz gut beschreibt.
00:15:26: CSDs schreiben die Autorinnen sind spätestens seit Jahrzehnten zum vermutlich wichtigsten
00:15:34: Knotenpunkt
00:15:35: des extremen rechten Kulturkampf geworden.
00:15:39: Gewalt auf viele Jungnazis... lange erfolglose Neonazi Alkada, Evangelikale und katholische Funnies.
00:15:48: Irgendwelche Jews am Straßenrand und Teile der CDU haben einen gemeinsamen Feind gefunden.
00:15:55: Quiere Menschen und deren
00:15:56: Rechte.".
00:15:58: Ich finde das merkt man aber auch ganz stark einfach in der sogenannten Mitte der Gesellschaft.
00:16:03: also wie häufig hört man so ganz schlimme Sätze die für mich Unangenehm sind zu wiederholen, aber so ... Sie müssten einfach nicht so sichtbar sein.
00:16:12: Dann würde es eben diese Angriffe oder diesen Anschlag nicht geben.
00:16:16: Also eine Täter-Opferumkehr.
00:16:19: Kürenmenschen hätten das selbst verschuldet aufgrund des Auftretendes beim CSD oder generell lautes Auftreten und buntes Auftreten ein nicht angepasstes Auftreten.
00:16:28: Damit würden sie den Hass auf sich selber ziehen.
00:16:31: Und das ist ganz klar ne Täteropferumcare.
00:16:33: Und gleichzeitig zeigt es ja auch Queere Menschen waren schon immer da, bloß eben nicht sichtbar.
00:16:41: Und diese Unsichtbarkeit des Unterdrückung und diese Unsichtsbarkeit zurückzufordern ist ein Teil von Unterdrücklichungen.
00:16:47: Das sind ja nicht irgendwelche Hardliner, das sind Dieter Uwe und Melanie auf der Straße die das sagen.
00:16:55: und was ich auch in bekannten Kreisen oder irgendwo auch manchmal höre Und das ist ja das Fundament für all den ganz expliziten Hass, der dann in Form von Angriffen und so weiter kommt.
00:17:08: Ja, und es ist genau eben diese Konstruktion von wir und die anderen als Feindbild.
00:17:17: Ich finde, dass zeigt sich auch auf einer krasser Art und Weise darin, dass die überwiegende Berichterstattung fast nur auf dem Täter konzentriert war?
00:17:29: Und ich find's aber auch heftig, dass wir jetzt erst nach diesem Anschlag natürlich erschütternd ist.
00:17:33: Aber trotzdem erst nach dem Anschlag wirklich auf Angriffe auf CSDs und queere Personen sprechen.
00:17:38: Denn es gab ja im Vorfeld schon einige!
00:17:41: Das ist eigentlich eine Entwicklung die gibt's ja schon länger, das wir uns quasi schon dran gewöhnt haben... ...dass CSDS geschützt werden müssen, dass in der letzten Pride-Saison, also im Jahr zwei tausendundzwanzig, schon kaum noch einen CSD ohne Störung im Vor- oder Nachfeld gab.
00:18:03: Und Katharina, ich glaub du hast dir auch mal die Studie von der Amadeo Antonio-Stiftung dazu angeguckt und zahlen, oder?
00:18:10: Genau!
00:18:10: Die Amadeio Antonias-Striftung hat eine Studie veröffentlicht und sie geht davon aus dass fast bei jedem zweiten CSD im letzten Jahr, also im Jahr ist es so angriffen bzw.
00:18:21: zu Störungen kam.
00:18:23: Und das fasst die Hälfte davon vom Rechtsextremen aus ging.
00:18:28: Und was man vielleicht noch dazu sagen muss, ist dass die Angriffe und Störungen zwar bundesweit dokumentiert sind.
00:18:35: Aber es prozentual sehr viel mehr Vorfälle bei CSDs in ausdeutschen Bundesländern gab.
00:18:41: Und dazu habe ich ein paar wichtige Zahlen mitgebracht.
00:18:44: im letzten Jahr, also seit Jahrzehntausendfünfundzwanzig war die Verteilung von CSDS so.
00:18:49: Reicht viertel der CSD's fanden in westdeutschem Bundesland anstatt und in Berlin.
00:18:53: das zählt mal mit dazu und damit ein Viertel in den ostdeutschen Bundesländern.
00:18:59: Und gleichzeitig, obwohl wir sehr viel weniger in den Ostdeutschland stattgefunden haben wurden genau die überproportional oft angegriffen.
00:19:08: Zwei Drittel der CSDs in ausdeutschem Bundesländer wurden angegriffene bzw gestört.
00:19:13: also es ist einfach ein enormes Ungleichgewicht zwischen Ost und West hier festzustellen.
00:19:20: Sehr viel weniger in den ostdeutschen Bundesländern, dabei gibt es hier genauso queere Menschen wie Drüben auch.
00:19:27: Aber enorm viele Angriffe also zwei Drittel sind enorm viele an Griffe.
00:19:34: Wir haben jetzt schon ganz oft gehört.
00:19:35: Angriffs- und Störungen könnt ihr vielleicht nochmal erläutern?
00:19:38: Also was bedeutet das eigentlich?
00:19:41: Also ich habe darüber auch mit Marcel gesprochen, dem Sprecher vom
00:19:47: Lesbenspuren-
00:19:48: und queerpolitischen Rundentisch in Sachsen-Anhalt.
00:19:52: Der hat mir erzählt beim allerersten CSD im Burgenlandkreis – also dieses Jahr war es ja schon der Dritte – waren die Angriffe und die Gegenmobilisation von Neonazis so massiv ... dass sie beinahe hätten, dem CSD abbrechen müssen.
00:20:09: Das ist halt auch mehr als nur in Anführungsstrichen Beleidigungen und Bedrohungen ... Es reicht halt bis hin zu körperlicher Gewalt oder massiven
00:20:22: Aufmärkten.".
00:20:24: Und das ist so heftig!
00:20:25: Ihr müsst euch das mal überlegen was das bedeutet.
00:20:27: ne?
00:20:27: Du lebst ganz normal wer du bist und dann gehst du ein einziges Mal im Jahr auf die Straße kämpft für deine eigene Gleichstellung und Sichtbarkeit.
00:20:38: Und wirst so massiv angegriffen, dass diese ganze Veranstaltung fast abgebrochen werden muss.
00:20:44: Also was das für ein Einschnitt in das eigene Leben bedeutet?
00:20:47: Was das für den Rest des Jahres bedeutet?
00:20:50: Ich finde es ist so unfassbar und kann man sich als Nichtbetroffene kaum vorstellen!
00:20:57: kommt jetzt eben genau dieser Anschlag.
00:21:01: Und du hast ja Luna auch zitiert, die Angst, die damit einhergeht und die Trauer und die vielen Verletzungen und natürlich auch für Menschen, die vorher schon Angriffe erlebt haben möglicherweise Retraumatisierungen.
00:21:17: Das ist total massiv und umso wichtiger als es hat mir Marcel gesagt dass es eine Woche nach dem Anschlag in Berlin eben nicht nur in Hamburg, sondern auch in Naumburg – was ja bekanntlich ne ziemlich kleinen Stadt in Sachsen-Anhalt ist.
00:21:37: Die noch dazu eine große Neonazi-Szene hat viel AfD-Wählerinnen und das ist genau in Naubburg eine Woche Nachdemanschlag eben auch ein CSD wiedergegeben hat also den dritten Burgenland CSD.
00:21:55: Und daran haben sich in diesem Jahr sogar noch mehr Menschen als in den Jahren davor beteiligt sind, siebenhundert Menschen waren auf der Straße.
00:22:04: und Marcel hat auch gesagt also bei den Organisatorinnen war in diesem ja schon eine sehr große Anspannung zu spüren gewesen.
00:22:16: Es hat auch noch nie so ein großes Polizeiaufgebot bei einem der Burgen dann CSDs gegeben, wie in diesem Jahr.
00:22:27: Und gleichzeitig hat Marcel eben auch gesagt, wie wichtig die CSD und Pride-Paraden gerade jetzt sind um die Forderungen der queeren Communities nach gleichen Rechten Schutz und Solidarität und eben auch die Trauer an die Öffentlichkeit zu tragen.
00:22:44: Und er hat noch einen Aspekt erwähnt, den ich auch in den Medien gesehen hatte.
00:22:49: Das fand ich
00:22:50: ziemlich
00:22:51: ungewöhnlich
00:22:52: für Sachsen-Anhalt.
00:22:53: Er hat nämlich gesagt, dass es wirklich wichtig gewesen ist, dass der Oberbürgermeister von Laumburg im CDU-Politiker die Schirmherrschaft übernommen hatte gerade weil die CDU ja sowohl in den Kommunen als auch eben Landes und Bundespolitisch kein verlässlicher Bündnispartner für den Schutz von queeren Menschen ist.
00:23:18: Und Marcel hat gesagt, es gebe da eben auch sehr viel geheuchete Trauer oder Anteilnahme und umso mehr hängt das dann gerade in der CDU eben auch von einzelnen Personen ab?
00:23:32: Ich finde ich total nachverziehbar.
00:23:33: also das ist ja auch auffällig einerseits gegen von der Bundesregierung also CDU
00:23:38: sehr stark
00:23:39: queerfeindliche Statements und auch Praxen einher.
00:23:44: Und jetzt auf einmal gibt es da irgendwie eine Anteilnahme, die das überhaupt nicht auffängt oder mal einordnet?
00:23:51: Oder dass man sagt hey wir reißen das Ruder jetzt rum!
00:23:55: Und viele großen Queerenverbände haben nach dem Anschlag sehr deutliche Worte gefunden in der Kritik an der Bundesregierung vor allem an CDU-Politikerin wie der Familienministerin Karin Prien und natürlich auch Friedrich Merz über den wir ja gerade schon gesprochen hatten Und ich möchte hier den Verband für Querevielfalt, den LSVD-Plus zitieren.
00:24:15: Der eine Erklärung veröffentlicht hat mit Forderungen die zehn Sofortmaßnahmen für Queresicherheit enthalten.
00:24:21: so nennen sie es auch.
00:24:22: Zehn sofortmaßnahme für Quersicherheit.
00:24:25: und die sagen nämlich nach den Solidaritätsbekundungen müssen nun konkrete politische Konsequenzen folgen.
00:24:32: alle sicherheitspolitischen Maßnahmen müssten der gesamten LSBTIAQ-Sternchen-Community in ihrer Vielfalt gerecht werden und deren verschiedenen Diskriminierungserfahrung Rechnungen tragen.
00:24:45: So insbesondere auch LSBTIAQ-Sternchen mit Migrationsrassismus und Fluchterfahrungen, wir erwarten dass bei den anstehenden Entscheidungen die vom Anschlag betroffene LSBTEAQ plus Community einbezogen wird.
00:25:02: Bloße Forderungen für höhere Strafen greifen zu kurz, stattdessen sollten nun unter anderem die folgenden zehn sofort Maßnahmen ergriffen
00:25:09: werden.".
00:25:09: Und dazu gehören nämlich unter anderem die konsequente Bekämpfung von Homo- und transfeindlicher Gewalt, Förderungen von Aufklärungsprojekten und Beratungsstellen und Ergänzung vom Artikel III Absatz III des Grundgesetzes um den expliziten Schutz aller LSBTIAQ plus Personen als klares Zeichen für die gesamte Gesellschaft sowie der Erarbeitung einer umfassenden Sicherheitsstrategie zur Pride Season.
00:25:39: Und die Maßnahmen findet ihr in unseren Show notes und könnt ihr noch mal nachschlagen.
00:25:45: Ich finde, es ist aber auch nochmal total wichtig diesen intersektionalen Faktor hier zu betonen.
00:25:50: also hier geht es nicht darum sich gegeneinander auszuspielen.
00:25:53: auf der einen Seite Migrationsrechte oder Rassismuskritik auf der anderen Seite Rechte für queeres Leben.
00:26:00: darunter sind zum Teil die gleichen Menschen betroffen und Es hilft niemanden auf keiner seite sich gegenerne Aus zu spielen sondern Es braucht klare Forderungen, klare Sicherheitsmaßnahmen und das auch nur mit den Stimmen von queeren Menschen.
00:26:14: Denn die können am besten entscheiden und wissen ganz genau was es
00:26:18: braucht.".
00:26:19: Ja ich finde Katharina so wie du das gerade zitiert hast habe ich auch noch mal gedacht.
00:26:25: Gerade der intersektionale Ansatz um gerade die Erfahrungen ja auch von queern Menschen vor zum Beispiel islamistischer Gewalt und Verfolgung nach Deutschland geflohen sind, taucht in der Mainstream-Öffentlichkeit eigentlich überhaupt nicht auf.
00:26:44: Also da fehlen so viele Perspektiven und Stimmen und deswegen ist es uns eben auch wirklich ein Anliegen die zehn soforten Maßnahmen von Verband für Quiere Vielfalt wirklich auch nochmal hier zu teilen.
00:27:03: Marcel Dörrer aus Sachsen-Anhalt vom Runden Tisch hat eben auch noch mal betont diese krasse Diskrepanz zwischen den Trauer Statements nach dem Anschlag durch Mitglieder der Bundesregierung und dem Streichen von Förderung und Unterstützung für queere Beratungsstellen.
00:27:23: Und wichtige Aufklärungsangebote, die ist für alle offensichtlich in keinster Weise zurückgenommen.
00:27:32: Also du hast ja schon am Anfang von dem Auslaufen vom Aktionsplan, queeres Leben der Bundesregierung gesprochen Katarina.
00:27:40: dann der Umbau von Demokratie leben wo Schutz von queeren Menschen und Beratungsangebote eben künftig auch nicht mehr gefordert werden sollen Und vor allen Dingen die Streichung des Bundesfamilienministeriums der institutionellen Förderung vom Lambda, dem Queren-Jugendverband.
00:28:01: Und denen sind einfach Kneilauffall, dreihundertachzigtausend Euro die sie über Jahre bekommen haben um eben quere Jugendliche zu beraten.
00:28:13: ja und vor allen den quere jugendlichen die keine Safe Space ist keine Treffpunkte in ihrer Nähe haben die im ländlichen Raum sind bekommen über Lambda das Angebot vom digitalen Jugendzentrum, also Lambda Space.
00:28:30: Und das nehmen auch total viele Jugendliche auch in Sachsen-Anhalt wahr.
00:28:34: und Marcel Dörrer sagt es ist bislang in keinster Weise gelungen die Bundesregierung davon zu überzeugen diese Streichung rückgängig zumachen.
00:28:44: und in Sachseneinheit könnte das halt mit Blick auf die Landtagswahlen zu einer noch viel fataleren Situation führen wenn halt die, wie wir ja wissen, explizit queerfeindliche AfD ihre Politik umsetzen kann in der Regierung möglicherweise nach den Landtagswahlen.
00:29:05: Und Marcel hat mir erzählt das Lambda Mitteldeutschland also die in Sachsen-Anhalt eben die vielen queeren Safe Spaces für Jugendliche organisieren schon Ende letzten Jahres eine Spendenkampagne starten mussten, um ihre Arbeit für dieses Jahr zu finanzieren.
00:29:27: Und jetzt stellt man sich das halt vor wie es möglicherweise nächstes Jahr aussehen könnte und die haben eben auch zum Beispiel Angebote von Queer Refugee Space auch enorm wichtig gerade in Sachsen-Anhalt.
00:29:42: ja Jugendtreffpunkte in kleinen Städten wie Stendal, Laucher, Lotharstadt, Wittenberg Und die sind total bedroht und es ist überhaupt nicht erkennbar, dass da ein Umschwenken bei der CDU gibt.
00:29:56: Wobei ich hier gerne einmal noch den Punkt groß machen würde das wir nicht erst auf Landtagswahlen warten müssen.
00:30:02: also die AfD sitzt ja in MV schon in vielen Kreisen usw.
00:30:06: und tritt da auch an vielen Stellen massiv queerfeindlich auf und verschlechter oder beeinflusst damit jetzt schon das Leben vieler Menschen hier vor Ort?
00:30:16: Ja das gleiche würde man ja für Sachsen-Anhalt auch sein.
00:30:19: gar keine Frage so, ne?
00:30:21: Ja voll.
00:30:22: Und ich finde es auch katastrophal dass die Aufmerksamkeit auf diese Kürzung, die die Bundesregierung ja schon vor den Anschlag beschlossen hat erst nach dem Anschlag wirklich größer geworden ist.
00:30:30: also ich meine das ist nachvollziehbar.
00:30:32: aber das ist auch Teil des Problems.
00:30:34: wir brauchen mehr Aufmerksamkeit auf kühlfeindliche Maßnahmen die die ganze Zeit passieren.
00:30:40: Wir brauchen mehr aufmerksamkeits auch auf diesen Teil des Rechtsrucks Und müssen das auch als Personen, die eben nicht queer sind und zu queeren Communities gehören.
00:30:50: Also auch nicht betroffen sind, müssen wir darauf ein Augenmerk lenken und dürfen nicht einfach weggucken.
00:30:56: Dann gibt es ja eine potenzielle Folge des Anschlags über den wir mal sprechen müssen nämlich welchen Effekt hat denn der Anschlag womöglich auf die bevorstehenden Wahlergebnisse?
00:31:07: Ja, das ist natürlich auch was worüber zwar dann in den ersten Tagen nach dem Anschlag ein bisschen gesprochen wurde.
00:31:13: Aber danach ist es quasi schon wieder einen Hintergrund getreten.
00:31:18: Das sind vor allen Dingen zwei Studien eine davon von der Goethe-Uni in Frankfurt.
00:31:25: die haben schon in den Jahren wo die AfD noch gar nicht so viel Zustimmung hatte untersucht wie sich anschläge in dem kommunalen Ballverhalten nach Anschlägen und Anschlagsversuchen auswirken.
00:31:42: Und haben festgestellt, dass Anschläge auch wenn sie beispielsweise von Neonazis oder Rechtsterroristen verübt wurden dazu geführt haben das bei den Landtagsbahnen die da drauf gefolgt sind Die AfD einen Anstieg an Stimmen in diesen Tatortstieten hatten bis zu vier Prozent.
00:32:07: Also diese Themen, die nach Anschlägen immer wieder im öffentlichen Fokus stehen ja innere Sicherheit und die Stilisierung von Migration als Gefahr, die führen ganz offensichtlich auch nachrechtsheuristischen Abschlägen dazu dass mehr Menschen die AfD wählen.
00:32:31: jetzt sagen die Frankfurter Forscher Unter Umständen tritt dieser Effekt nach dem Anschlag in Berlin aber nicht mehr ein, weil das Potenzial der Nichtwählerin schon ziemlich ausgeschafft ist.
00:32:45: Schauen wir mal, ob es so ist!
00:32:48: Und dann gibt es halt noch den Politikwissenschaftler Torsten Faas von der FU Berlin, der auch sagt, nicht nur spielen die Themen der AfD in die Hände, also in der Sicherheit und Stilisierung von Migration als Gefahr.
00:33:11: Sondern er sagt eben auch es könnte auch noch einen Effekt haben.
00:33:17: das weil das Anschlagstil eben die queere Community war dass das auch eher eine Mobilisierung des Mitte-Links-Wählerinnen Spektrums zur Folge haben könnte.
00:33:31: jetzt habe ich Das müsstet ihr mich korrigieren.
00:33:34: Also den Eindruck, dass das Mitte-Links-Spektrum schon ziemlich mobilisiert ist.
00:33:39: bei dem anderen Spektrum weiß ich es nicht so genau.
00:33:42: Die große Gefahr sagt Thorsten Pase eben auch wenn der Eindruck in der Öffentlichkeit entsteht, dass Behörden und Justiz Fehler gemacht haben die
00:33:54: eben
00:33:54: zu dem Anschlag geführt haben oder den Anschlag erst möglich gemacht haben.
00:34:00: Da können wir dann direkt nach Sachsen-Anhalt gucken, also da können halt viele Wähler in Sachsen Anhalt sagen dann ja zum Beispiel bei dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt im Magdeburg und oder auch dem Anschlag in Halle.
00:34:16: Auf die Suna Google und auf den Kiezdöner gab es massive Behördenfehler.
00:34:22: und eben auch jetzt bei dem groß sind die Behörden Fehler gewesen, die eben mit dazu beigetragen haben dass der Täter diesen islamistischen biofeindlichen Anschlag verüben konnte.
00:34:42: und das ist was möglicherweise auch der AfD zu gut kommt.
00:34:48: Okay also mal kurz gesagt heißt es quasi Also es gibt immer einen klaren wenn auch nicht unbedingt linearen kurzfristigen Effekt also kurzfristig Wenn die Themen sich verlagern auf Migrationsthemen und Sicherheitsthemen, begünstigt das die AfD.
00:35:03: Also Menschen wählen eher rechts dadurch.
00:35:07: Und gleichzeitig gibt es aber auch auf der anderen Seite also Menschen, die links der Mitte stehen einen Solidarisierungseffekt, also so queersolidarische Mobilisierung nach Anschlägen wie diesen.
00:35:19: Auf beiden Seiten passiert was!
00:35:22: Wenn wir auch nicht ganz wissen zu welchen Maße, denn ich habe aber auch ganz ehrlich das Gefühl dass das ganz klar genutzt wird wieder mal rassistische Erzählungen zu verbreiten und damit irgendwie auch so Rechtswähler in die Hände zu spielen beziehungsweise da noch Unentschiedene für das Lager zu gewinnen.
00:35:39: Und ein Gefühl von innerer Unsicherheit auch zu erzeugen.
00:35:43: Was ich nicht ganz verstanden habe, ist welche Rolle die Sicherheitsbehörden bzw.
00:35:48: ihre Versäumnisse darin spielen.
00:35:50: mobilisiert das in irgendeine Richtung auch hinsichtlich der Wahl?
00:35:53: Also der Mobilisierungseffekt entsteht dadurch dass ja das Narrativ vor allen Dingen der AfD.
00:36:02: hier herrschen katastrophale Zustände.
00:36:05: alle fühlen sich mega unsicher und kurz gesagt die AfD lebt vom Unsicherheitsparadox.
00:36:16: Also je unsicherer die Lage ist, desto mehr ist das vermeintliche Versprechen der AfD.
00:36:25: wir sorgen hier für Ruhe, Sicherheit und Ordnung etwas was eben die Attraktivität offensichtlich beim bestimmten Teil der Wähler in für eine rechte oder rechtsextreme Partei zustimmen noch steigert.
00:36:43: Das vereinfacht das Beschützer-Narrativ, in dem ich sage, ich habe jetzt hier Menschen, denen es schlecht geht.
00:36:50: Kann ich mich besser als Beschützeren inszenieren und Menschen vertrauen mir dadurch mehr und beheben dadurch vermeintlich diese Unsicherheit die Situationen bedingen?
00:37:01: Das ist alles schon wieder so schrecklich!
00:37:04: Ich finde das so... Also das ist ja offensichtlich ne und das ist so perfide.
00:37:09: Da passiert so ein schrecklicher Anschlag und dann wird er auch noch vereinnahmt, um hassrennsichtlich von Rassismus betroffenen Menschen zu mobilisieren.
00:37:19: Aber gleichzeitig wird er durch eine Partei gestärkt oder auch Kräfte gestärked.
00:37:23: Es geht ja nicht nur um die AfD, die dann nachhinein auch wieder noch queerfeindlicher sind.
00:37:28: also das ist ja so perfide und furchtbar.
00:37:32: Ja ich kann wenig dazu sagen.
00:37:34: was mich interessiert ist der andere Teil die quelsolidarische Mobilisierung.
00:37:41: Ich hoffe, dass sich das verstärkt!
00:37:43: Aber wie blickt ihr denn darauf?
00:37:45: Also queersolidarische Mobilisierung ist genau mein Stichwort, weil ich kann natürlich mal wieder mit einem Beispiel vor Ort aufwarten und ich würde euch gerne heute nach Neustrelitz locken.
00:37:58: Da gibt es ziemlich viele demokratisch Engagierte hier vor Ort.
00:38:01: aber das muss man ehrlich gesagt erstmal herausfinden.
00:38:04: Das war jetzt nicht das erste was ich mitbekommen habe wenn man jetzt hier neu dazu kommt.
00:38:09: Aber jedenfalls ein Verein der sich engagiert heißt Queerstrelitz.
00:38:14: Mit dir ist so jede Aufnahme immer ein Ausflug aufs Land.
00:38:18: Entfühl mich nach Neustrelitz!
00:38:22: Ja, also... Quier-Strelitz haben sich in den ersten CSD in der Niklenburgischen Seemplatte initiiert und wechseln sich Seite mit der Organisation, mit den Leuten von QUIER NB.
00:38:34: NB steht für Neubrandenburg ab.
00:38:37: Was machen die sonst zu übers Jahr?
00:38:39: Beach Volleyball Turniere, Quiere Floßfahrten und natürlich Pilzwanderungen.
00:38:43: Wie könnte es anders sein?
00:38:45: Und ich habe auch mal nach ... Ja, komm vorbei.
00:38:50: Ich hab auch mal gefragt, wie viele Mitglieder da denn so unbord sind und Sie haben mir erzählt es sind zwanzig insgesamt inklusive Fördermitgliedern.
00:38:58: So jetzt hab' ich mit zwei Leuten gesprochen die sich bei Kvistrelitz engagieren, Alice und Christian und die möchte ich euch beide als Mutmacherin an dieser Folge präsentieren.
00:39:09: er werdet gleich rausfinden wieso.
00:39:12: Erstmal habe ich aber Christian gefragt, inwiefern die AfD queeren Menschen schadet bereits jetzt vor den Landtagswahlen und er sagt Folgendes.
00:39:21: Ja Queers in MV und natürlich in ganz Deutschland besonders eben auch Transmenschen haben von der AfD natürlich nichts zu erwarten.
00:39:32: im Gegenteil Ich denke dass neben Anfeindungen und Ausgrenzungen wir eben auch Probleme haben werden mit unserer Sichtbarkeit.
00:39:44: Es werden uns Fördergelder, das sehen wir jetzt schon wo AfD-Leute in den Entscheiderkreisen sitzen, werden uns fördergelda gestrichen.
00:39:56: Für diesen CSD wurde weniger als haltiert und die Rechte von queeren Menschen werden beschnitten.
00:40:05: es wird sich sicherlich wieder auf biologische Kernfamilie konzentriert als Keimzelle der Gesellschaft Mann Frau und Kind.
00:40:13: Das auch zwei Männer oder zwei Frauen Kinder haben, oder auch Kinder adoptieren können und sich darum kümmern Als kein Zelle der gesellschaft das scheint bei der AfD leider noch nicht angekommen zu sein.
00:40:28: Und dass selbstbestimmungsrecht für trans Menschen und auch einfach die akzeptanz gegenüber trans menschen ist glaube ich wirklich in Gefahr, wenn die AfD einen Fluss gewinnt.
00:40:41: Ja heftig was er da beschreibt und vor allem wenn man dann in die ländlichen Regionen guckt wo man wahrscheinlich sehr also sie sind ja sehr offensichtlich sehr aktiv mit coolen Aktionen wie es auch braucht denn ich kann mir gut vorstellen dass man viel weniger Menschen viel mehr allein auch dasteht.
00:40:58: mich würde interessieren was Alice noch dazu sagt.
00:41:02: die hast du auch mitgebracht.
00:41:04: Also Alice hat ebenfalls das Thema Geld als Problemfaktor benannt, aber auch noch um zwei Punkte erweitert.
00:41:10: Einer davon ist Social Media-Hetze.
00:41:13: dazu sagt Alice...
00:41:15: Auf der anderen Seite sucht die AfD immer wieder den Konflikt mit der queeren Community.
00:41:22: Das kann über social media, über verbale Übergriffe geschehen von Vertretern der AfD Aber auch Anträge wie zum Beispiel, dass die Regenbogenflagge in Neubrandenburg nicht mehr hängen soll.
00:41:34: Was ja auch viral gegangen ist.
00:41:36: Solche Probleme, solche Angriffe finden einfach tagtäglich eigentlich statt.
00:41:43: Hier in der Region kommt es immer wieder vor, das gerade auch die Abgeordneten der AfD-Social Media sehr, sehr hetzerisch, reizerisch überquere Menschen reden und damit nicht nur einfach Gefühle verletzten sondern eine Bedrohungskulisse erzeugen.
00:42:01: Und das finde ich ganz spannend, was Alice sagt, weil also ich würde mal behaupten, dass es jetzt nicht etwas, was nur im ländlichen Raum stattfindet aber der Unterschied zum ländischen Raum ist natürlich, dass wir hier Tür an Tür mit den Menschen leben die diese Hetze verbreiten und das ganze andere Abhängigkeiten teilweise noch bestehen.
00:42:18: so meine Behauptungen
00:42:20: z.B.,
00:42:20: sie wissen halt... Jeder kennt halt ein Autokennzeichen oder deine Hausnummer, wo der Weg zu deiner Arbeit langführt.
00:42:28: Und genau das sind nochmal andere Herausforderungen, die man sich manchmal in der Stadt gar nicht so klar macht?
00:42:35: Ja absolut!
00:42:36: Der dritte Punkt aber von Alice macht noch mal klar wie jetzt schon über queere Menschen gesprochen wird.
00:42:42: und da sind wir bei einer weiteren Ebene und zwar die AfD normalisiert gewaltvolle Sprache gegen Queers Und es passiert gesellschaftlich.
00:42:52: Das heißt, dass Queers in ihren Alltag mehr Diskriminierung ausgesetzt sind, verbal oder auch körperlichen Übergriffen und das ist für Queers eben direkt unmittelbar spürbar.
00:43:05: Wir haben jetzt also Geld, Social-Media-Hetze und Sprache die zu Gewalten führen kann oder selbst schon Gewalt ist.
00:43:12: und hier würde ich gerne um einmal meine sehr beliebte Autometapher zu bemühen, einmal die Handbremse ziehen und einmal stoppen Weil ich glaube, hier muss man einmal wirklich pausieren und einmal deutlich benennen.
00:43:23: Okay?
00:43:23: Hier ist eine Grenzverschiebung.
00:43:26: in dem Moment wo du so ne Erfahrung machst verinnerst du dein Verhalten.
00:43:30: also überlegst dir okay ich gehe vielleicht nicht mehr diesen Einweg nach Hause oder ich geh diesen ein Weg nicht alleine nachhause und dadurch bist du weniger frei Und das ist unfair, aber das zählt nicht für alle Menschen gleich.
00:43:42: Das ist wichtig zu verstehen, dass hier in diesem Raum schon eine Verletzung oder ein Übergriff stattfindet, der vielleicht noch gar keine offizielle Straftat ist und deswegen erhochig nicht an den Statistiken auftaucht, der aber dazu führt, dass sich Menschen aus bestimmten Räumen zurückziehen.
00:44:00: Und das is problematisch!
00:44:02: Ja, und was du sagst, Juli, ne?
00:44:05: Vor allen Dingen auch, was Alice sagt... diese wirklich krasse Situation, dass die AfD für dieses Klima das Hass ist und der Hetze verantwortlich ist sich dann vor Augen zu führen, dass sie auch noch davon profitieren nach dem Anschlag möglicherweise von so einem schweren tödlichen wir feindlichen Anschlag.
00:44:31: Kann ich mir vorstellen, dass es für gerade auch Queers wie Alice und andere im ländlichen Raum eigentlich unerträgliche Situationen erzeugt.
00:44:41: Sachsen-Anhalt ist ja auch vorrangig ländlich genauso wie Mecklenburg Vorpaarmann.
00:44:46: das haben dir ganz gut gemeinsam.
00:44:49: Du hast einen Blick mitgebracht aus Sachsen Anhalt.
00:44:51: kannst du dazu was sagen?
00:44:52: Wie sieht's dort aus?
00:44:54: Vieles von dem was Alice und Christian gesagt haben Das unterstreicht auch Marcel Dörrer aus Halle eben
00:45:03: vom
00:45:04: Lesbenswulen und kvierpolitischen Runden Tisch.
00:45:07: Und er hat aber noch zwei weitere Aspekte betont, die ich wirklich spannend finde nämlich im Hinblick auf die Landtagswahlen weil er auch sagt dass es Aktuell in Sachsen-Anhalt, zum Beispiel eben für betroffene queerfeindliche Angriffe Strukturen wie die mobile Opferberatung gibt und andere Anlaufstellen aus der Community.
00:45:32: Und bei der Polizei gibt es aber auch Ansprechpersonen für queere Sicherheit.
00:45:39: Es gibt in Sachsens Anhalt eben auch Schwerpunktstaatsanwaltschaften bei der Justiz die für die Bekämpfung von Hasskriminalität zuständig sind.
00:45:49: Und das alles steht aber unter dem Vorbehalt, wie es eben bei den Wahlen ausgehen wird.
00:45:57: und Marcel Dörrer sagt klar viele Gespräche in den Communities drehen sich um
00:46:02: eine Frage
00:46:03: nämlich gehen oder bleiben
00:46:06: Wobei ich hier gerade bei der Polizei schon einmal ein Kontra geben müsste, basierend auf meinen Recherchen.
00:46:12: Ich habe auch mit queeren Menschen gesprochen und gesagt haben wir fordern von der Polizei, dass ihr besser geschult seid, dass wir in eine bessere Ausbildung investieren genauer wirst du wie man mit queeren Menschen, welche Probleme uns die ganze Zeit betreffen.
00:46:26: Und dass wir auch auf Demonstrationen und so uns dann anderen Rahmen wünschen.
00:46:30: Es gab schon da auch viel Kritik einfach mit der Idee dahinter zu sagen hey!
00:46:35: Wir sind auch Teil dieser Gesellschaft und kümmer euch gefällig daran das wir auch geschützt werden genauso wie alle anderen auch.
00:46:42: Also das würde Marcel Dörrer sicherlich genauso sagen aber es macht halt trotzdem einen Unterschied ob es überhaupt Ansprechpersonen gibt Schwerpunkt Staatsanwaltschaften oder ob ein AfD-Innminister das alles abschafft.
00:46:58: Fair, ja verstehe.
00:47:00: Beides existiert im gleichen Raum ne?
00:47:02: Wir sprechen hier über die Bärminimum.
00:47:06: Und genau deswegen ist es vielleicht habt ihr jetzt schon herausgefunden wieso ich die beiden als Mutmacherinnen dieser Folge benennen würde eigentlich dass einmal so bewundernswert und cool an denen finde dass sie halt sagen nee Wir lassen uns halt nicht diesen Raum nehmen und wir lassen uns jetzt nicht einschüchtern.
00:47:22: Und wir sagen halt nicht unseren CSD in zwei Wochen ab, sondern wir reißen die Tür um so weiter auf!
00:47:27: Und natürlich sind wir hier und wir feiern und wir demonstrieren und wir sind sichtbar weil dieser Raum Neustrelitz eben auch uns gehört und damit müsst ihr euch einfach abfinden...
00:47:38: Ich finde es so extrem wichtig und mutig.
00:47:43: Und wichtig, hier wird's nur so ein Pipitomobile aus dem B...wichtig-und-mutig!
00:47:49: Weil ...es braucht exakt das.
00:47:51: Das ist ja immer das Problem.
00:47:53: Also es gibt ganz viele Probleme was solche Anschläge und generell Gewalt angeht aber die sind ja wahnsinnig einschüchternd und dafür sind sie auch da.
00:48:01: also nicht nur dass es ganz reale Opfer gibt von solchen Taten Es leidet ja auch ein ganzer Raum darunter.
00:48:07: Das, was Quiestrelitz so betont, zeigt genau das, wogegen sie kämpfen, sich nicht diesen Raum nehmen zu lassen.
00:48:14: und da gibt es einen bestimmten Effekt der exakt das Ansprech, den ich euch mal mitgebracht hat, den Interrorem-Effekt.
00:48:21: Kannst du das noch einmal erklären?
00:48:24: Kurz gesagt ist das Hassverbrechen wie jetzt zum Beispiel dieser Anschlag sich zwar gegen ganz konkrete Personen richten oder eben kleine Personen gruppen Aber die eigentliche Botschaft, die dahinter steckt sich an eine viel größere Gruppe richtet.
00:48:38: Nämlich an alle Personen, die davon betroffen sind und sagen können hey das könnte auch dir passieren wenn man es auf den Anschlag zieht da errasten Mann in der Menge tötet eine Frau einund dreißig Personen sind verletzt einige davon schwer verletzten Und jedem ist klar dass bezieht sich jetzt nicht auf diese eine frau Und die konkreten, einundreißig Personen, die davon betroffen sind.
00:49:02: Gleichzeitig ist es auch richtet es sich gegen alle.
00:49:05: Jeder hätte da potenziell betroffen sein können und mit allem meine ich queere Menschen.
00:49:10: Also ...
00:49:11: wie
00:49:12: tatsächlich betroffen bin?
00:49:13: Ich meine nicht Menschen wie mich als nichtqueere Person, die zwar auch zum CSD geht aber gegen mich richtet sich dieser Anschlag nicht.
00:49:21: Aber dieses... Es könnte jeden treffen.
00:49:23: von der potentiellen Betroffenengruppe erzeugt natürlich eine enorme Angst.
00:49:29: Und das sollen solche Hassverbrechen auch erzeugen?
00:49:32: Aber jetzt mal ein bisschen frech gefragt, was hat das denn alles mit mir zu tun, wenn ich so Vater-Mutter kindmäßig verheiratet bin in Düsseldorf und vom CSD noch niemals gehört habe?
00:49:43: Also wieso sollte mich das denn jetzt alles überhaupt interessieren?
00:49:47: Das ist eine gute Frage, denn so einfach ist es auch nicht.
00:49:50: Denn wir leben immer noch in einer Gesellschaft und innerhalb dieses Effekt spricht man von fünf Wellen der Schädigung, gruppenbezogener Gewalt.
00:49:59: Und da ist die erste Welle natürlich die direkt betroffene Person ne?
00:50:03: Also nochmal Beispiel-Anschlag ein Mensch rast in eine Menschenmenge, eine Frau wird getötet und weiß ich verletzt.
00:50:10: das sind die direkt Betroffenen Personen.
00:50:12: So dann die zweite Welle ist das nähere Umfeld Friends Family.
00:50:17: Es gibt Hinterbliebenen, es gibt Familien die um Personen trauern und so weiter.
00:50:25: Dann gibt es die dritte Welle das sind weitere Gruppenmitglieder Die auch einfach Angst und eine geteilte Verletzlichkeit mit diesen Anschlag verbinden.
00:50:35: In dem Fall sind es queere Menschen die sind aktiv betroffen von kürfeindlicher Gewalt Und potenziell Betroffen eben auch von diesem Anschlag.
00:50:45: Und dann in der vierten Welle gehen wir noch einen Schritt weiter weg, den man vielleicht erst mal nicht mit bedenkt.
00:50:50: Das sind andere marginalisierte Gruppen.
00:50:52: Auch Beispiel-Anschlein könnten wir sehr klar eine andere Gruppe ausfindig machen, nämlich wer da sofort auch attackiert wird, sind rassismusbetroffene Menschen oder Menschen mit einer Migrationsgeschichte.
00:51:05: die
00:51:06: werden insgesamt zum Sündenbock dieser Tat gemacht und damit ja auch als Feindwelt konstruiert.
00:51:13: Dann kommt es Julie zu deiner Frage, nämlich zur fünften Gruppe und das ist die letzte Gruppe.
00:51:19: Und da gucken wir auf die gesamte Gesellschaft den öffentlichen Raum, die Norm, die Werte, die wir vertreten, die Demokratie.
00:51:25: Wir leben in einer Gesellschaft, die ganz normal von Vielfalt geprägt ist.
00:51:29: Menschen haben unterschiedliche Geschichten, unterschiedliche Identitäten, sexuelle Orientierung
00:51:35: usw.,
00:51:37: Das war schon immer so.
00:51:38: was wir brauchen is eine Gleichwertigkeit dieser Menschen, die permanent bedroht Und in dieser Gesellschaft, die ganz selbstverständlich unterschiedlich aufgestellt ist.
00:51:49: Ist im letzter Konsequenz natürlich auch betroffen davon.
00:51:52: also wir als nicht queere Menschen sind nicht direkt betroffen aber am Ende des Tages würden Anschläge wie diese Die dann auch oft so schrecklicher art verhandelt werden in unserer gesellschaft und zu einer einschränkung von Schutzräumen führen zu einer normalisierung von Hassreden usw.
00:52:12: haben auch einen Einfluss darauf, wie wir in unserer Gesellschaft aufgestellt sind und wie wir miteinander leben.
00:52:18: Also auch wenn ich jetzt Muttervaterkind in Düsseldorf bin, lebe ich in einer anderen Gesellschaft die eben sowas zulässt und sowas nicht richtig verhandelt als in der Gesellschaft die ganz klar aufsteht und sagt so was gehört hier nicht hin?
00:52:35: Das ist passt nicht in unseren Wertekonsens Das ist zu verurteilen und das ist nicht der Raum, den wir schaffen wollen.
00:52:41: Wir lehnt eine Gesellschaft in der es um Gleichstellung geht, in der alle Menschen gleichberechtigt leben.
00:52:48: Also wir haben hier unterschiedliche Gesellschaften die auch geschaffen werden eben durch Anschläge für diesen, durch Hasskriminalität und wie diese Art von Kriminalität hier verhandelt wird.
00:52:58: Und im übrigen Mutter-Vater Kind kann ja auch bedeuten Muttervater queeres Kind Dass früher oder später sich entscheidet, seinen Eltern zu sagen hey hört mir mal zu.
00:53:11: Das heißt also als Teil... Wir sind alle Teile vom öffentlichen Raum selbst wenn man hier im Outback in Mecklenburg-Vorpommern erhebt Und ich würde den Gedanken gerne nochmal um die Mechanismen erweitern, die es zu gibt und die am Menschen auch leise werden lassen.
00:53:28: Ich habe nämlich noch eine Soziologin gefunden, die da auch nochmal Verantwortungen klar macht und würde gerne mit euch über das Thema des Schweigens sprechen, dass ihr zur Hassgewalt auch immer dazugehört!
00:53:39: Die Soziologin heißt Gisa Lindemann und die sagt Hassgewalt, was ja queerfeindliche Gewalt immer ist.
00:53:46: Er ist jetzt nicht nur eine Zweierbeziehung zwischen Täter-und Opfer sondern ihr könnt euch das so vorstellen wie ein Dreieck du hast Täter, Betroffenepersonen und Gesellschaft, die schweigt und legitimiert
00:53:59: Was bedeutet dass Schweigen legitimiert?
00:54:02: Weil Schweigen für mich kann ja auch bedeuten ich halte mich da raus
00:54:08: Ja, und das ist auch Part of the Problem ehrlich gesagt.
00:54:10: Ich würde gerne mit euch gemeinsam jetzt erarbeiten wie dieses Schweigen schädlich sein kann.
00:54:16: ich würde als ersten Punkt mal einbringen wenn ich einen Unrecht sehe in einer Gesellschaft und dazu schweige bleibt die Tat ja sozial erstmal unwidersprochen.
00:54:25: also habe ich eine Norm und ich füge mich dieser Norm, weil ich nichts dagegen gesagt hab.
00:54:30: Man kann das auch einfacher ausdrücken und sagen... Ich gebe mal ne Zustimmung zu einer Situation die geschieht indem ich einfach meine Klappe halte und tu so als ob es normal wäre.
00:54:40: Ich glaube normal ist hier ein ganz wichtiger Begriff.
00:54:43: Ja und dann endet Schweigen ja auch selbst die Botschaft.
00:54:49: also ne Gesellschaft die wechschaute Politiker in die Wechschaun kommunizieren damit Implizit eine Zustimmung oder zumindest Gleichgültigkeit.
00:55:02: Und wir wissen das ja auch aus den Erfahrungen von Menschen, die zum Beispiel queerfeindliche oder rassistische Gewalt erlebt haben.
00:55:11: Wenn es Zeugen gibt, die einschreiten Dann verändert es diese Situation ums Ganze.
00:55:19: Also dann ist es ein realer Ausdruck von Solidarität.
00:55:22: Von ich bin Leuten nicht egal.
00:55:25: Und wenn das aber nicht passiert und das geht schon bei schweigen zustimmenden, schweigend los.
00:55:34: Wenn quierfeindliche Beleidigung geäußert werden oder bis hin eben zu quier feindlicher Politik dann isoliert es die Angegriffenen und Betroffenen noch weiter.
00:55:45: Also das heißt, wenn ich jetzt immer noch verheiratet in Düsseldorf bin könnte eine Möglichkeit sein dass ich nicht selber mich in dem Video aufnehme und Likes dadurch generiere indem ich sage wie schrecklich ich alles finde sondern ich könnte genauso gut meine Energie dahin investieren.
00:55:59: Dass sich viele Stimmen sichtbar mache die vielleicht sonst unsichtbar bleiben oder die vielleicht gerade jetzt mehr Raum brauchen um sichtba zu werden.
00:56:11: ja Natürlich oder eben, ich könnte auch einfach so wie wir es ja auch tun.
00:56:16: Die zehn Forderungen vom Verband Querevielfalt teilen und dafür sorgen dass jeder Politiker, jede Politikerin die mindestens einmal noch vor dem Wahltag liest und durchbuchstabiert und sich dazu bekennt oder eben auch nicht, so ja.
00:56:34: Ich glaube die Crux besteht da einfach in der Aufmerksamkeit.
00:56:38: Schweigen und Nichtschweigen ist für mich ein total wichtiges Thema und ich glaube was es braucht, ist das in dem Alltag implementiert.
00:56:46: also wir können nicht einmal wenn irgendwas wirklich hardcore gravierendes passiert wo wir gar nicht drum herum kommen dann die Aufmerksamkeit nutzen um uns Empört darüber zu zeigen sondern das is eine alltägliche Sache.
00:56:59: Gewalt ist leider eine alltägliche Sache und dementsprechend muss es auch eine alltärkliche Sache sein, das eigene Schweigen zu brechen aufzustehen.
00:57:06: Und sich geradezu machen Haltung zu zeigen wie du sagst Juli und dann erschaffen wir ja auch ne ganz andere Gesellschaft in der es eben nicht um ein Pürungsaufmerksamkeit geht sondern wirklich Rückhalt bieten.
00:57:19: Das duckt immer wieder so ein bisschen anders an, was wir auch in der letzten Folge hatten.
00:57:23: Wo wir über Werte gesprochen haben.
00:57:25: In dem Moment wo ich weiß okay mir ist es total wichtig dass in einer Gesellschaft alle Menschen irgendwie gleich behandelt werden dann geht das eben nicht punktuell um den moment wo quierfeindliche gewalt passiert sondern auch wie gestalte ich mein tägliches leben?
00:57:39: wann gibt's vielleicht irgendwie Möglichkeiten wie ich quiere menschen unterstütze im Stadtbild dass es nicht nur um eine punktuelle Reaktion geht, sondern das ich mit mir kläre.
00:57:53: Wie möchte ich mich an meinen Mitmenschen gegenüber verhalten?
00:57:56: Was ist mir wichtig und wie kann ich das auch täglich
00:57:58: leben?".
00:58:00: Absolut!
00:58:01: Wir sind ja auch in einer Situation wo wir noch längst nicht am Punkt sind, wo wirklich viele Menschen an jedem Punkt gleiche Rechte haben so... Es gibt Benachteiligung zum Beispiel, um Einfeld zu nehmen im Familienrecht absolut und in anderen Rechtsgebieten.
00:58:22: Und an anderer Stelle eben auch sehen wir das bei quierfeindlicher Gewalt die Justiz extrem langsam ist.
00:58:31: also mir sind zwei Fälle aus Mecklenburg-Vorpommern wo die Lobby die Betroffenen unterstützt hat im Kopf Und wo Dorfgemeinschaften die Angegriffene sehr im Stich gelassen haben.
00:58:44: Das soll so nicht sein, das darf so nicht bleiben!
00:58:47: Es zeigt ja auch die Alltäglichkeit leider von queerfeindlicher Gewalt und eben auch der Alltaglichkeit des Schweigens.
00:58:55: Tatsächlich gibt es noch einen dritten Aspekt... den Geser Lindemann benennt und zwar ist es die sekundäre Victimisierung.
00:59:00: Das klingt kompliziert, aber meint eigentlich für Betroffene bedeutet oder kann die ausbleibende Solidarität bedeuten das ihr Leid gesellschaftlich nicht anerkannt wird?
00:59:10: Und das schädigt sie dann zum zweiten Mal diesmal eben durch die Reaktion des Umfeldes nicht durch die Tat selbst.
00:59:18: Ein sehr entlehntes Beispiel dafür was überhaupt nicht im Bereich queerfeindliche Gewalt ist aber ein sehr starkes Wort Den bei dem Anschlag auf die Korbstraße.
00:59:30: vom NSU-Netzwerk wurden danach ständig, also nicht nur in der Korbstrasse, sondern generell die Betroffenen selbst für Verantwortliche erklärt und mit extremen rassistischen Befragungen oder Einstufungen seitens der Sicherheitsbehörden agiert.
00:59:46: Und die Korbstraßen Leute, die diesen Nagelbombenanschlag überlebt haben beschrieben dann alles was danach kam als Anschlag nach dem Anschlag Also als gleichwertige Gewalterfahrung wie der Anschlag selbst, und ich glaube das kann man auch hier auf diesen Kontext oder andere Kontexte nochmal beziehen.
01:00:05: Hey es ist auch eine gesellschaftliche Gewalt am Start!
01:00:09: Und diese Gewalt drückt sich unter anderem in Schweigen aus
01:00:13: was eigentlich auch noch zu einem vierten Punkt führt, nämlich so eine Art von Abschreckungsfaktor.
01:00:18: Also wenn ich jetzt zum Beispiel eine Tat begehe und ich begehe die immer wieder, weil ich merke wird ja gar nicht sanktioniert oder es interessiert sowieso niemanden, wenn ich zur Person x y z gemeint bin und ich komme damit durch dann ist die Wahrscheinlichkeit höher dass ich das natürlich immer wieder mache, weil es gibt ja niemanden der sagt hey hör mal auf damit oder findest du das eigentlich wirklich so gut?
01:00:37: Oder hey das gehört mich in unsere Gesellschaft und ich habe keinen Bock das du dich so verhältst Und es sagt womöglich auch genau das an, was ihr sagt.
01:01:01: Nämlich dass es einerseits natürlich meine persönliche private Verantwortung ist mich damit auseinanderzusetzen und mir das zu überlegen Und auf der anderen Seite aber auch eine institutionelle Ebene, wie eben Christian Wischiller hat zu sagen hey ich brauche aber irgendwie auch eine Institutionelle Sicherheit und ich brauch irgendwie Polizeikrifte um mich.
01:01:21: Dass wenn ich hier mein CSD organisiere dass ich sicher sein kann die Menschen die hier auf die Straße gehen und den Raum für sich einfordern das sie geschützt werden und dass sie einfach nicht bei diesem CSD noch weiter diskriminiert werden von irgendwelchen Leuten die am Rand stehen und damit Flaschen werfen.
01:01:37: Ja, und ich glaube das muss einfach beides gleichzeitig passieren.
01:01:40: Also einerseits müssen wir die Institutionen in die Pflicht nehmen, Polizei, Justiz, Politik, dass sie einfach bessere Arbeit hier leisten.
01:01:49: Und solange das lückenhaft bleibt ist es aber essentiell wichtig, dass Communities eben selber auch Strukturen aufbauen, die im Ernstfall greifen.
01:01:57: Das kann in Form von Awareness-Teams beim CSD passieren, aber auch in ganz anderen Formen.
01:02:02: Auf diese können wir nicht verzichten, aber beide Prozesse müssen gleichzeitig laufen
01:02:06: Und man muss ja auch dazu sagen, dass Räume wie wir jetzt hier aus Mecklenburg-Vorpommern kennengelernt haben.
01:02:11: Wie Queer Strelitz oder Queer MW in Neubrandenburg.
01:02:14: Dass das eigentlich schon Schutzräume sind.
01:02:16: also da sind schon Orte wo Menschen hier hängen können und sagen hey die verstehen mich.
01:02:20: Die sehen mich in meiner Ganzzeit.
01:02:22: ich kann hier auf meine Pilzfahren herum gehen und muss mich dann nicht mal mit so bekloppten Problemen die vielleicht anderswo habe auseinandersetzen.
01:02:30: aber bei Wenn man immer über Safe-Spaces und Schutzkommunikationen spricht, habe ich auch mal so ein bisschen ... wieder Hall oder so ein Aufstoßen, weil ich manchmal auch denke, es ist immer ein bisschen objektifizierend im Sinne von hey, ich entscheide jetzt, dass du Schutz brauchst.
01:02:47: Und ich frage dich aber gar nicht wie du das findest oder ob du das möchtest und ich entscheidere das jetzt einmal so, dass hier ein geschützter Ort ist?
01:02:55: Aber gleichzeitig denke ich, es können ja auch einfach Räume zum Abhängen sein.
01:02:59: Wisst ihr oder einfach mal Räumen wo man auch Spaß haben darf und sich nicht die ganze Zeit mit so bekloppten Sachen auseinandersetzen muss.
01:03:06: Eben, so würde ich das eher lesen.
01:03:07: Ich glaube dieses Wort ist ein bisschen aufgeladen.
01:03:09: Das ist aufgeladene aber auch schutz und Victimisierung, Opfer... Das sind ja Wörter die auch ganz negativ eingelesen werden irgendwie.
01:03:20: Niemand möchte Opfer sein!
01:03:22: Schutz, besondere Vulnerabilität.
01:03:26: also ich will damit sagen unsere Gesellschaft stellt es auch her dass wir das komisch finden.
01:03:30: Aber ich sehe tatsächlich auch einen Schutzraum eher als ein Ort, in dem ich einfach mal sein kann.
01:03:35: Und dann eben... Ich bin nicht quer aber als im antirassistischen Schutzraum einfach mal sehen können dass das was einfach fehlt und ich kann mir sehr gut vorstellen exakt genauso ist für queere Menschen.
01:03:48: Und dann so Beispiele wie Pilzwanderung, ich liebe das ja!
01:03:51: Ich kenne es aus meiner Kindheit und mache das bis heute gerne.
01:03:54: Ich habe mein Pilzbuch, ich gehe gern auf Pilzwannerung.
01:03:56: aber ich muss auch ehrlich sagen, ich empfinde – und das ist ein ganz subjektives Empfinden – ich hab auch mal so bisschen Muffensausen bevor ich auf eine organisierte Pilzwarnerung gehe die nicht von Freundinnen organisiert ist weil ich das Gefühl habe dass schon ein sehr konservativer Raum ist.
01:04:11: da nicht in der Praxis immer so der Fall welchen Glück?
01:04:15: Aber irgendwie so Sachen, die mit Natur zu tun haben.
01:04:19: Wandern, Outdoor sein sind so unfassbar heteronormative Räume.
01:04:26: Ich halte das für sehr effektiv und eine gute Idee da einen queeren Schutzraum für ne Pilzwanderung aufzubauen.
01:04:31: aber das ist jetzt subjektiv!
01:04:33: Leute ich kann schon mal ankündigen ihr werdet euch auf meine nächste Unternehmensgründung sehr freuen.
01:04:40: Bildeswanderungen geführt von Juli im Auto.
01:04:46: Ich glaube eher, Ludy wird sich so den Naturraum zurückerobern weil sie eine Landmauß ist.
01:04:53: Mit
01:04:53: Autos!
01:04:56: Manchmal mit Autos.
01:04:57: Das Gescheiter dazugehört das Land hatten wir auch in der Folge zur Öko-Faschismus.
01:05:02: ein sehr vereinnahmter Raum Also ein sehr heteronormativ, ein sehr konservativ vereinnahmter Raum und das es da nochmal extra Schutzräume braucht kann ich mir gut vorstellen.
01:05:12: Das war,
01:05:14: was ich vorher geschildert habe auch aus einer problematischen Perspektive.
01:05:18: Dass sich hier alle Leute kennen das kann man natürlich auch das Narrativ umdrehen und sagen okay es kann auch etwas Gutes sein.
01:05:24: zum Beispiel wenn ich mir dann überlege denn ich viele Menschen unterstützen möchte oder selber queer bin und hier Unterstützung suche dass ich vielleicht mit meiner Nachbar dann mal ins Gespräch gehe und sage hey Inge, lass mal hier jetzt zu dem nächsten Standtisch gehen für die queere Community.
01:05:40: Oder ich kann mal gucken beim Dorfhäst wer sich da engagiert und einen Kuchen vorbeibringen oder ich kann hier gucken wo ist eigentlich der nächste CSD?
01:05:48: Und wie kann ich mich da nützlich machen?
01:05:50: Oder kann ich da vielleicht als Ordnerin sagen einfach meine Hilfe anbieten
01:05:54: Ja, klar.
01:05:54: Und ich mein denkt an die vielen Omas gegen rechts oder Großeltern gegen rechts, die gerade auch auf die Straße gehen weil sie eben queere Kinder oder Enkelinnen haben und sie das ja auch explizit zu formulieren.
01:06:08: Ich würde wirklich noch einen Gedanken nochmal stark machen wollen.
01:06:13: Safe Spaces und auch Community Strukturen haben viel was mit einem positiven Zukunftsentwurf zu tun Also für eine Gesellschaft und für Individuen, die sagt naja es geht auch anders als es jetzt ist.
01:06:31: Und es geht eben mit weniger Angst, mehr intersectionale Solidarität und deswegen finde ich's halt so wichtig Vereine wie Lambda Mitteldeutschland oder Lambda Bundesweit oder eben auch viel Strelitz mit Spenden- und Mitgliedschaften zu unterstützen.
01:06:52: Und gerade jetzt, vor allem nach dem sechsten September, der ja wirklich immer näher rückt ... Und nach dem zwanzigsten September, der auch nicht mehr allzu lange hin ist so.
01:07:05: Gerade danach und auch dann wenn es in Anführungsstrichen gerade noch mal gut gegangen sein sollte?
01:07:12: Auch denn weil ich finde das was Alice ja gesagt hat eben dass diese Normalisierung von quierfeindlicher Hetze und Gewalt durch die AfD und durch diese flächendeckende Präsenz verschwindet ja nicht Nach dem Wahltrag.
01:07:31: Im Gegenteil, die verbreitet sich ja weiter.
01:07:34: Deswegen also Solidarität weit über den Wahltrack hinaus ist glaube ich schwerstens angesagt.
01:07:41: Eine Möglichkeit der Solidarität ist auch einfach mal in den Zug zu Hopsen aus Hamburg oder Berlin und hier uns im ländlichen Raum zu besuchen.
01:07:50: Nämlich bei den CSDs, die natürlich auch vor Ort stattfinden.
01:07:55: Die schlechte Neuigkeit ist Parchim, Warnschwerin und Rostock habt ihr schon verpennt.
01:08:00: Der RE-Fünf bringt euch aber nach Neustilditz in eins Komma fünf Stunden von Gesundbrunnen zum Beispiel am fünftzehnten achten wo Ihr bestimmt auch auf Christian und Alice treffen werdet.
01:08:09: Ich glaube die Leute würden sich riesig freuen und wenn ich das richtig sehe wird die ganze Stadt komplett ausrasten Und im Kunsthaus passiert einiges und so weiter.
01:08:17: Also kommt vorbei Ebenfalls am zwölften neunten Entwismar und am siebundzwanzigsten neunnten in Greifswald.
01:08:24: Und Katharina, du hast die CSD-Termine in Sachsen-Anhalt im Kopf oder?
01:08:30: Genau.
01:08:30: Es fährt nämlich auch ein RB nach Magdeburg von Berlin aus und den könnt ihr nehmen.
01:08:36: Und zwar am zweitenswanzigsten achten da findet der CSD Magdeburger statt, der erst mal auf dem Domplatz stattfindet und dann aber direkt zwischen Dom und Landtag zelebriert wird.
01:08:46: Am zwölften neunten also bereits nach der Landtagswahl in Sachseneinheit findet der CSD in Hallestadt und am sechsohnzwanzigsten neunten der CSB in Stendal im Norden von Sachsen-Anhalt.
01:08:59: Ich finde es so wichtig wie ihr und je, und so wichtig wir es immer sein sollte diese CSDs zu unterstützen.
01:09:08: Wir hatten gerade darüber gesprochen Schutzräume brauchtes.
01:09:10: was kann ich tun?
01:09:11: laut leise hey geht hin demonstriert mit und habt eine gute Zeit.
01:09:16: das stichwort nach den Landtagswahlen.
01:09:19: also ihr habt's innerhand ob und wie es mit Kippungsosten nach den Landtagswahlen weitergeht.
01:09:25: Deshalb vielen Dank an alle, die uns jetzt schon über Steady unterstützen!
01:09:31: Wir freuen uns über jede Spende, jede Steady-Abonnentin... Ich möchte
01:09:38: mich bedanken einmal für die Arbeit vor Ort bei allen Engagierten, die sich für queere Menschen und Communities stark machen Natürlich jetzt hier in der Folge vor allem für Strelitz, Christian und Alice die offen waren und mit mir sehr ehrlich über die Probleme vor Ort gesprochen
01:09:56: haben.
01:09:57: Und Marcel aus Halle natürlich noch?
01:10:01: Ich bedanke mich bei allen die zugehört haben und vor allem auch bei Katrin Rönnecke die den Schnitt macht und freue mich mit euch schon in die nächste Folge gehen zu können, die ganz kurz vor den Landtagswahlen steht.
01:10:14: aber da sehen wir uns dann in zwei Wochen wieder!
01:10:17: Bis dahin tschüss.
01:10:19: Tschüss!
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